ZDF-Sendung zu 10 Jahre Aktion Mensch

Das ZDF zeigte vor mehr als 10 Jahren, wie ein öffentlich-rechtlicher Sender auf einen gesellschaftlichen Wandel reagieren kann. Der ORF hat es aber noch immer nicht begriffen.

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Aktion Mensch

Vor mehr als 10 Jahren gab es in Deutschland große Kontroversen um die „Aktion Sorgenkind“. Im März 2000 war es soweit, die „Aktion Sorgenkind“ änderte Inhalte und Namen und wurde zur Aktion Menschen.

Das ZDF brachte nun am 27. Februar 2010 eine Sendung über die Hintergründe dieser sehr positiven Entwicklung und führte Interviews mit den damals involvierten Aktivistinnen und Aktivsten der Behindertenbewegung.

Die in den 60er Jahren initiierte Sozialhilfekampagne stieß immer mehr und mehr auf den Widerstand der Behindertenbewegung, die den diskriminierenden Ansatz der Kampagne aufzeigte.

Der Name „Aktion Sorgenkind“ geriet seit Anfang der 1980er Jahre zunehmend unter Kritik, obwohl die Imagewerte der Organisation in der Öffentlichkeit traumhafte waren. Diese Kritik kam von außen, aber auch von innen aus der Aktion selbst, denn die Arbeit der „Aktion Sorgenkind“ – etwa in der Förderpolitik – hatte sich von dem Bild, das dieser Name hervorruft, immer weiter entfernt.

Umstellung

Am 1. März 2000 wurde aus der „Deutschen Behindertenhilfe – Aktion Sorgenkind“ die „Aktion Mensch“. Der damalige ZDF-Intendant und Vorsitzende der Aktion Mensch, Dieter Stolte, gab die Namensänderung in der Sendung „Wetten, dass ..?“ offiziell bekannt und begründete sie: „Wer etwas verändern will, muss bei sich selbst anfangen. Sich als Menschen zu begegnen, heißt, sich auf derselben Augenhöhe zu begegnen.“

In einem großem Schritt änderten sich das Bild und die Inhalte der Spendenkampagne „Aktion Sorgenkind“ hin zu „Aktion Mensch“. Der Schritt war vor allem deshalb mutig, weil immerhin 95 % der Bevölkerung die „Aktion Sorgenkind“ kannten. Man befürchtete Spendenrückgänge.

Der Spot zu Umbenennung hieß ehrlicherweise auch „Aus Auseinandersetzung wird Partnerschaft“.

Die Journalistin Dr. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin Interessensvertretung Selbstbestimmt Leben, hält im ZDF-Interview fest, dass „Sprache auch Bewusstsein schafft“. Nur so konnte der Schritt weg von bemitleidenswerten Sorgenkindern hin zu Bürgerinnen und Bürgern geschafft werden.

„Nicht mehr die Behinderung, sondern der Mensch steht jetzt im Mittelpunkt“, erfährt man in der sehenswerten ZDF-Sendung. Auch Ottmar-Miles Paul, Behindertenbeauftragter Rheinland-Pfalz, und damals einer der größten Kämpfer für die Umkrempelung der Aktion sieht derzeit die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention als Ziel.

„Wer von Anfang an nicht ausgegrenzt wird, braucht später nicht integriert zu werden“, heißt es in dem Beitrag, in dem auch kritisiert wird, dass noch immer viele behinderte Schülerinnen und Schüler in Sonderschulen unterrichtet werden.

Moderiert wurde der ZDF-Beitrag von der selbst behinderten Bettina Eistel.

Wo steht der ORF mit seiner „Licht ins Dunkel“-Aktion?

In den letzten Jahren nahezu unverändert produziert der ORF Jahr für Jahr seine Spendenmitleidssendungen und posaunt – sich selbst schulterklopfend – wie viel er angeblich für behinderte Menschen tut.

Was er dabei übersieht: Ein Großteil der Bevölkerung ist gedanklich schon weiter, als das vom ORF noch immer transportierte „arme Hascherl“-Schema der 70er und 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts.

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0 Kommentare

  • Ein Armutszeugnis für Österreich!

  • Mir tut Wrabetz leid. Wie und womit soll er Qualität herstellen können? ORF – Quantität – 4.000 ORF-Beamte zeigen, was sie können. Eigentlich arm.