Zutritt zum Badezentrum Traun verweigert – Blinder Mann hinausgeschmissen

Ich werde wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt und damit diskriminiert, sagt der blinde Bausachverständige Dir. Dietmar Janoschek.

Logo freiraum
freiraum

Der ehemalige Leistungs- und Rettungsschwimmer ist 1992 erblindet, geht aber trotzdem seiner großen Leidenschaft dem Schwimmen sehr gerne nach. Seit wenigen Jahren lebt er in Traun (OÖ), wo er ein Haus mit Pool gebaut hat. Da der Pool aber im Außenbereich liegt und mit 6 x 3 Metern relativ klein ist, beschloss Janoschek vor einem Monat sich den Weg zum Badezentrum Traun sowie das Hallenbad und den Saunabereich mit sehender Hilfe zeigen und erklären zu lassen, um diese Einrichtung der Stadt Traun jederzeit Nutzen zu können.

Seit Anfang Dezember 2014 besuchte er 10-mal das Badezentrum. „Die ersten beiden Male hatte ich einen befreundeten Nachbarn mit, der mir alles gezeigt hat. Seit meinem 3. Besuch benötige ich keine Hilfe mehr, da ich alle meine Wege zum und im Badezentrum problemlos alleine finde, wie viele Leute bezeugen können“.

Sehr freute sich der blinde Sportler, der bei jedem seiner Besuche zwischen 2,5 und 3 Kilometer schwimmt, als er am 22.12. von seiner ebenfalls erblindeten Lebensgefährtin, eine Plastikkarte mit einem Guthaben von Euro 100,– für den Eintritt zum Badezentrum Traun geschenkt erhielt.

Beim 11. Besuch am 30.12.2014 wurde Dietmar Janoschek an der Kassa aufgehalten, der Betriebsleiter des Badezentrums geholt und ihm von diesem erklärt, dass er aufgrund der Betriebsordnung, wonach Behinderte nur in Begleitung einer Person die mindestens 18 Jahre alt sei, das Badezentrum betreten dürfen. Alle Beteuerungen von Janoschek, dass er sich alleine zu Recht finde und dies ja auch schon die letzten 8 Male bewiesen habe und es sich bei dieser Bestimmung um eine Diskriminierung handle, halfen nichts. Der Betriebsleiter des Badezentrums Traun meinte: „ich kann nur die Richtlinien befolgen, wegen einer Änderung Dieser müssen sie sich an die Stadt Traun wenden“. Anschließend musste der blinde Badestammgast unverrichteter Dinge das Badezentrum wieder verlassen.

Dir. Dietmar Janoschek, der auch Präsident der Interessenvertretung freiraum-europa ist, die sich für die Gleichberechtigung und Barrierefreiheit aller Menschen einsetzt, wird eine Sachverhaltsdarstellung mit einer Beschwerde an die Antidiskriminierungsstelle beim Amt der OÖ Landesregierung sowie der Stadt Traun verfassen und hofft auf rasches handeln der verantwortlichen Politiker beim Trauner Gemeinderat, damit er so wie auch bisher wieder ungehindert schwimmen gehen kann.

„Es handelt sich bei dieser Bestimmung um eine Diskriminierung, denn Menschen mit Behinderung sind mündig genug selbst zu entscheiden ob und wann sie eine Assistenz bzw. Begleitung zur Unterstützung benötigen und wann nicht. Die Behauptung nur weil jemand eine Behinderung hat, könnte er leichter Stürzen oder sich Verirren udgl., sind altmodische Vorurteile die im 21. Jahrhundert nichts mehr zu suchen haben. Das eine Begleitperson bei allen Behinderten von vornhinein vorgeschrieben wird ist unfassbar und entspricht nicht der Lebensrealität von Menschen mit Behinderung, die nicht ständig irgendjemanden als Begleitung verfügbar haben und ich werde mir sicher nicht ca. 3-mal pro Woche jemanden als Begleitperson bezahlen, der mir dann zusieht wie ich ca. 3 Kilometer schwimme. Außerdem man stelle sich vor, diese Regelung wird immer Wort wörtlich genommen, so würde dies bedeuten, dass jedem fünften Badegast der Zutritt verweigert werden müsste. Allen Menschen mit Diabetes, Epilepsie, Hörgeräten, Gehörlosen, Geh- und, Sehbehinderten, Kleinwüchsigen usw.“: führt der schockierte Dietmar Janoschek aus.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • Die Behindertenanwaltschaft wurde von Herrn J. in dieser Causa um Unterstützung ersucht. Ich habe soeben einen Brief an den Bürgermeister der Stadt Traun formuliert, mit dem Inhalt, die Betriebsordnung des städtischen Bades zu ändern. Diese sieht derzeit tatsächlich vor, dass Menschen mit Behinderungen das Bad nur in Begleitung einer volljährigen Person nutzen dürfen. Nach meiner Überzeugung eine klare Diskriminierung. Eine sehr ähnliche Bestimmung wurde daher vor knapp einem jahr – nach Intervention der Behindertenanwaltschaft beim do. Bürgermeister – aus der Badeordnung der Stadt Leonding gestrichen.

  • Leider ist Herr Janoschek nicht allein mit diesen Problem. Eine gute Bekannte von mir besucht seit 10 Jahren das Bad „Titania“ bei Neusäss(Augsburg).Vor kurzem wurde das Bad an einen anderen Betreiber übergeben. Seitdem darf Sie nicht mehr ohne Begleitung ins Bad obwohl sie sich alleine im öffentlichen Raum uneingeschränkt bewegen kann. Nur ins BAd darf sie nicht mehr.Die neue Betreibergesellschaft die das Titania jetzt betreibt hat in ihrer Badeordnung diesen Passus drin. Die Gesellschaft betreibt auch in Österreich mehrere Bäder für die gilt diese Badeordnung auch.Wenn man sich diesen Passus genauer anschaut so kommt man zu den Schluss, dass eigentlich niemand in ein öffentliches Bad dürfte (wer sich nicht sicher bewegen kann?). Die Menschheit fliegt zum Mond,bringt Satelliten punktgenau zu ihren Bestimmungsorrt. Nur hier auf Erden bringt es die Menschheit nicht fertig, GLEICHBERECHTIGT MITEINANDER zu leben. Traurig aber wahr.

  • Schrillen in Brüssel nicht schon lange die Alarmglocken oder wielange sollen wir uns noch diskriminieren, bevormunden und wie Ware letzter Klasse behandeln lassen?

  • Das ist eine Diskriminierung sondergleichen und wird mit Sicherheit von Hrn. Janoschek Dietmar weiter verfolgt. Nur bei unseren schwachen Anti-Diskriminierungsgesetzen, schaut halt nicht viel dabei heraus. Ich nehme an, dass sämtliche Badeanstalten-Vorschriften so ähnlich lauten und somit hier eine Sammelklage angedacht werden könnte oder sollte.

  • Ein Frechheit sondergleichen, diese >Behandlung<.

  • Ein Verstoß gegen die Anti-Diskriminierungs-Bestimmung der EU, da müssen in Brüssel die Alarm-Glocken schrillen.

  • Ich habe, wie viele andere auch, ein angespanntes Verhältnis zu Dir. Janoschek und seinem Verein „Freiraum Europa“. In diesem Fall erkläre ich mich jedoch voll solidarisch mit Herrn Dietmar Janoschek. Wenn die Schilderung so stimmt, ist dieser Fall ein Tiefschlag für die Bemühungen Aller, die eine inklusive Gesellschaft in Österreich etablieren wollen. Janoschek, der ja bekanntlich bei den Gerichten kein unbekannter ist und auch guten Rechtsbeistand hat, wird eine etwaige Klage mit Sicherheit gewinnen! Herr oder Frau Yasemin: Sind sie ein Gegner von Menschen mit Behinderung – oder wollen sie provozieren?

  • Denkbar, dass da verständnisvolle Badegäste interveniert haben und aufgrund dessen die Bestimmung hervorgekramt wurde.