Austrian Standards gefährdet Mitwirkung behinderter Expertinnen und Experten in der Normungsarbeit

Austrian Standards, ehemals österreichisches Normungsinstitut, verlangt ab 2013 einen Beitrag für die ehrenamtliche Expertise in der Normungsarbeit von ihren Expertinnen und Experten. Ein Kommentar.

ÖNORM
BIZEPS

Für Lobbyisten und Entsandte von Großkonzernen mag der Beitrag von € 450 excl. 10% MwSt/Jahr kein Thema sein, aber gerade im Behindertenbereich ist das für die zahlreichen behinderten Menschen, die ihre Expertise in ihrer Freizeit für unzählige Sitzungen zur Verfügung stellen, mitunter existenzbedrohend.

Denn für das Mitwirken in einem Normungsgremium gibt es weder Tag- oder Sitzungsgelder, noch Abgeltung der Fahrtspesen!!!

Die Befürchtung, dass Normen – vor allem im Behindertenbereich – von nun an von Lobbyisten diktiert werden, ist mehr als begründet!

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0 Kommentare

  • Ich bin oft erstaunt über die Naivität in dem Forum. Natürlich ist Geld ein wunderbares und im Grunde das beste Mittel, um Leute fern zu halten. Man will halt nicht unbedingt, dass zu viele „kostspielige Adaptierungen“ für die Wirtschaft am Ende rauskommen. Da ist es es doch gscheit, möglichst wenige lästige behinderte Menschen mit am Tisch zu haben. Das sollte nicht einmal geringfügig verwundern…

  • Ein Skandal!

  • ASI (ÖNORM Institut) hat immer schon seltsame Regeln hinsichtlich der Mitarbeit vorgegeben. So dürfen ehrenamtliche Experten kostenlos an der Erarbeitung von Normen mitarbeiten (plus zeitaufwendiger Anreise aus Innsbruck oder Klagenfurt) und dann diese nach Fertigstellung auch noch kaufen. Hinsichtlich der Mitarbeit gibt es Altersbegrenzungen, die schon deutlich in Richtung Diskriminierung derjenigen gehen für die die Normen gedacht sind.
    ASI wurde heuer umgebaut, da blieb im EG und OG 1 kein Stein auf den anderen. Technische Hilfen für blinde Menschen wurden keine vorgesehen und mussten nach vehementer Einforderung dann ruck-zuck vor der offiziellen feierlichen Eröffnung unter Zeitdruck hergestellt werden. In vielen Fällen hat sich ASI beim Umbau nicht an die eigenen Normen (B 1600) gehalten. Der neue Angriff auf behinderte Experten ist absolut unverständlich, reiht sich aber lückenlos in die anscheinend derzeit herschende ASI Auffassung hinsichtlich der Mitarbeit von behinderten und älteren Menschen an den eigenen Normen ein …

  • Als Mitwirkender Experte in einigen einschlägigen Normenausschüssen teile ich diese Meinung. Experten und Expertinnen von öffentlichen Einrichtungen wurden wegen der Zuschüsse der öffentlichen Hand pauschal von der Zahlung ausgenommen. Es ist daher zu fordern, daß Privatpersonen und Vertreter/-innen von gemeinnützigen Organisationen gleichgestellt werden.

    Es wäre daher durchaus zu überlegen, bis zu einer Klärung der finanziellen Verpflichtungen, die Normungsarbeit in allen Fragen der Barrierefreiheit auszusetzen und sowohl die Politik als auch die breite Öffentlichkeit darüber in Kenntnis zu setzen. Es kann doch einfach nicht wahr sein, daß man von ehrenamtlichen Mitarbeitern/-innen, die nicht einmal einen Spesenersatz für Reisen und Zeitaufwand erhalten dann auch noch einen Kostenbeitrag einhebt.

    Zahlen eigentlich unsere Politiker/-innen dafür, daß sie an Sitzungen im Parlament oder in einem Untersuchungsausschuß teilnehmen „dürfen“ dafür einen Eintritt?

  • Tja, natürlich passen wir nicht in die Auffassung von Ethik, über die Lobbyisten verfügen. Ich selbst habe zu meiner beruflichen Tätigkeit auch für den Ausschuss Blindenhilfsmittel im Österreichischen Normungsinstitut als Schriftführerin mitgearbeitet und ich erhielt damals jede Arbeitsstunde sowie jeglichen Mehraufwand finanziell abgegolten. Und ich denke, dass auch die mitunter aus den Bundesländern angereisten Sitzungsteilnehmer/innen ihre Fahrtspesen rückerstattet erhielten.
    Aber jetzt leben wir ja in der Moderne *lach*, in der rein gar nichts mehr ohne Lobbyisten zu gehen scheint. Wohin uns das führen kann, das beweist uns ohnehin die österreichische Zeitgeschichte mit ihren hinlänglich anhängigen Gerichtsverfahren. Und sie geben immer noch nicht auf! Respekt!!

  • Für das Privileg umsonst arbeiten zu dürfen, darf man also noch zahlen? Das nenne ich höhere Chuzpe (von Chuzpa, hebräisch Frechheit)