Barrierefreiheit im Sinne von gutem Hören

Schwerhörigkeit und "Barrierefreiheit im Sinne von gutem Hören" kein Thema im Nationalen Aktionsplan (NAP)?

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ÖSB

Auszugsweise das Impulsreferat von ÖSB-Präsidentin Mag.a Brigitte Slamanig zum NAP (Nationaler Aktionsplan) am 27. Februar 2012 im Kardinal König Haus:

Obwohl Schwerhörigkeit eine der größten Behindertengruppen weltweit dargestellt, wird dieser „unsichtbaren Behinderung“ nach wie vor zu wenig Beachtung geschenkt. So unter anderem auch im Entwurf des Nationalen Aktionsplans, wo das Wort Schwerhörigkeit nicht ein einziges Mal erwähnt wird!

Als Selbstbetroffene und Interessensvertreterin fordere ich, dass der Thematik Schwerhörigkeit endlich mehr Augenmerk geschenkt wird.

Wir fordern, dass barrierefreies Bauen im Sinne von gutem HÖREN auch umgesetzt wird, denn induktive Höranlagen sind ein Teil der Ö-Norm B1600 und die Raumakustik der Ö-Norm B-8115. Lediglich an einer Stelle im NAP wird auf INDUKTIVE HÖRANLAGEN, aber ohne jede Zusatzerklärung verwiesen. Das ist uns zu wenig!

Sowie das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz vorsieht, müssen alle öffentlichen Gebäude, wie Arztpraxen, Apotheken, diverse Informations- oder Kassenschalter, aber auch im Bereich Kultur, Tourismus, Bildung – um nur einige zu nennen – barrierefrei ausgestattet werden, so auch für Hörbehinderte. Immer wieder stoßen wir als Betroffene und in unserer Tätigkeit als Interessensvertreter auf Stolpersteine und erleben, dass Barrierefreiheit für Schwerhörige in der Praxis entweder kein Thema ist oder nur bedingt und qualitativ schlecht umgesetzt wird.

Es wäre angebracht, dass bei der Ausbildung von Architekten und Baufacharbeitern im Lehrplan „Barrierefreies Bauen“ ein Pflichtfach wird, denn viele wissen und kennen die Normen gar nicht, was eigentlich bedauerlich ist.

Des Weiteren ist es unser Anliegen, dass Hörbehinderung ehestmöglich erfasst wird und eine individuelle Behandlung und Betreuung erfolgt. Ebenso, dass hörbehinderte Kinder optimal versorgt werden, dass sie eine adäquate audioverbale Hörfrühförderung bekommen und dass eine optimale Förderung und der Einsatz von Hörsystemen und Technischen Hörhilfsmitteln in Kindergarten, Schule, auf der Hochschulebene und Ausbildung gewährleistet wird.

Aber auch, dass für Erwachsene eine bestmögliche Versorgung mit Hörsystemen gesichert wird, um weiterhin aktiv im Berufs- und Alltagsleben bestehen zu können, dazu zählen unter anderem

  • Finanzierung der Hörsysteme und technischen Hilfsmittel,
  • Übernahme von Schriftdolmetschkosten,
  • gezielte Rehabilitationsmaßnahme für hochgradig Schwerhörige und CI-(Cochlea Implantat)TrägerInnen.

Wir wünschen uns für die Zukunft, dass Schwerhörigkeit als Sinnesbehinderung endlich ernst- und wahrgenommen wird und Lösungsmöglichkeiten, sowie Maßnahmen zur Integration und Inklusion Schwerhöriger in allen Belangen selbstverständlich erfolgen.

Ganz im Sinne der UN-Konvention, die ja von der Republik Österreich anerkannt und unterzeichnet wurde.

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0 Kommentare

  • das ist eine verständliche und mehr als berechtigte Forderung.

  • Diese Problematik ist in Deutschland anscheinend noch größer als in Österreich. (Auch wenn rehawillige schwerhörige Österreicher bis jetzt nach Deutschland fahren müssen, weil es in Österreich keine Rehamöglichkeit gibt).
    Wer in Österreich ein CI braucht bekommt es. (Auch wenn es in manchen Kliniken passieren kann, dass er warten oder in eine andere Klinik ausweichen muss, weil das entsprechende Klinikum sein Kontingent für das aktuelle Jahr bereits aufgebraucht hat). In Deutschland muss man mit den Kassen rumstreiten, was sich manchmal ganz schön zieht. Außerdem gehen die aus meiner Sicht manchmal recht seltsame Wege. Habe in Bayern eine stark schwerhörige Frau getroffen, die ein CI wollte und der es auch sicher viel gebracht hätte. Der hat die Kasse allerdings eine Reha verordnet, wodurch es mit dem CI wohl vorerst nichts wird. Auch der Aufklärungsstand zum Thema Induktion scheint in Deutschland noch schlechter zu sein, als bei uns. Hatte in Bayern meinen Funkhörverstärker dabei. Die anderen Rehateilnehmer die in probieren wollten mußten erstmal ihre Fernbedienung holen, weil sie nicht einmal wußten, dass ein CI auf „T“ gestellt werden muss, damit man so etwas nutzen kann.
    Detail am Rande: In Deutschland gibt es mit dem ehemaligen bayerischen Staatsminister Günther Beckstein auch zumindest einen sehr bekannten CI-Träger. Die Anstrengungen von Herrn Beckstein sich öffentlich für CI-Träger einzusetzten scheinen sich bis jetzt aber in Grenzen gehalten zu haben.

  • Seit 4.Lebensjahr bin ich selbst an Taubheit grenzend schwerhörig.
    Daher weiss ich aus Erfahrung,dass man als schwerhöriger Mensch
    immer wieder auf Barrieren trifft. Vielmehr noch aber leiden jene,
    die erst im Alter schwerhörig geworden sind. Soviel ich weiss,
    bekommen ältere Schwerhörige zwar Hörgeräte,aber es fehlt (in der BRD)an Angeboten zur Rehabilitation,damit diese Patienten darin motiviert werden,sich die Hörgeräte zum Freund zu machen. Somit sind gerade hochbetagte schwerhörige Personen der Gefahr der Vereinsamung besonders ausgesetzt.Eine zusätzliche Schwierigkeit entsteht da,wo man eigentlich Demenz und Hörschädigung voeinander abgrenzen müsste. Aber welcher Betreuer/Arzt denkt daran ?
    Das Personal in der ambulanten und stationären Betreuung ist auch nicht immer in der Lage,angemessen umzugehen mit diesem Personenkreis.Kommt hinzu,dass die Pflegesätze den erhöhten Aufwand im Bereich Kommunikation nicht abbilden(können?)Also beschränkt sich die Ansprache auf das Nötigste.
    Ich für meinen Teil bin schon froh,dass es im Gegensatz zu meinen Jugendzeiten heutzutage viel mehr visuelle Informationen gibt.Fax,Handy,Internet machen es mir leicht,selbständig Infos zu suchen und auszutauschen.Wenn ich doch einmal eine Ansage nicht verstehe,findet sich jemand,der mir hilft.Gruss D.Isserstedt