Behinderten-un-gerechtes Ver-Bauen sinnvoller Lösungen

Verkehrssicherheit und Mobilität sehgeschädigter Menschen

Blindenleitliniensystem
Votava

Um ein sicheres Überqueren von Mittelbahnsteigen der U-Bahnstationen ohne lebensgefährlichen Absturz auf Gleisanlagen zu gewährleisten, haben sehbehinderte und blinde Menschen gemeinsam mit den Wiener Verkehrsbetrieben, den ÖBB und dem Fachreferat für behindertengerechtes Bauen und Planen der MA 12, ein Modell taktiler Bodenleitstreifen entwickelt und mehrfach mit Betroffenen getestet.

Alle Tests gingen positiv für diese Leitstreifen – an denen man mit Stock und Füßen wie an einer Schiene gehen kann (3 mm hoch) – aus und dies könnte seitens der Verkehrsbetriebe auch sofort umgesetzt werden.

Doch anscheinend traut Oberamtsrat Ing. Peter Groiss der von ihm selbst mitentwickelten Verkehrssicherheitseinrichtung nicht mehr so ganz. Er wähnt sich also bei der Beurteilung kompetenter, als die betroffenen Menschen selbst, und versucht auch die Umsetzung nun erheblich zu bremsen.

Maßnahmen, die für hochgradig sehbehinderte und blinde Menschen extrem wichtig wären, deren konzeptionelle Ausarbeitung es teilweise längst gibt und deren Notwendigkeit weder von der politischen noch beamteten Ebene bestritten wird. Immerhin könnten damit lebensgefährliche Situationen, beispielsweise auf Mittelbahnsteigen der U-Bahn oder im Bereich von zumeist schlecht abgesicherten Baustellen, entschärft bzw. vermieden werden.

  • Tastbare Warn/Leitstreifen auf
  • U-Bahnsteigen …
  • Effiziente Baustellenabsicherungen …
  • Akustische Verkehrsampeln bei gefährlichen Straßenkreuzungen …
  • Tastbare Warnung vor Hindernissen im Kopf/Brustbereich …
  • Farbkontrastreiche Kennzeichnung von Stangen, Pollern, Glastüren und

    -wänden, etc. …

  • Gut lesbare Beschilderungen, u.v.m. …

Woran scheitert also im Raum Wien die Umsetzung all dieser so dringend benötigten Maßnahmen, die obendrein sämtlichen schwächeren Verkehrsteilnehmern zugute kommen würden?

Hier ist zunächst anzumerken, daß es bei der Gemeinde Wien zwar ein Fachreferat für behindertengerechtes Bauen gibt, das jedoch anscheinend reine Alibifunktionen erfüllt und keineswegs die Interessen sehgeschädigter Menschen vertritt!

Das heißt im Klartext, daß dort weder sinnvolle Lösungskonzepte bis dato erstellt wurden – diese mußten nämlich die betroffenen sehbehinderten und blinden Menschen, gemeinsam mit einem, sich Gott sei Dank dafür einsetzenden sehenden Verkehrsingenieur in mühsamer, zeitaufwendiger und natürlich unbezahlter Kleinstarbeit selbst zustandebringen – noch, daß das von den sehgeschädigten Mitbürgerinnen und Mitbürgern geschnürte Maßnahmenpaket endlich umgesetzt wird.

Ganz im Gegenteil!

Das von den sehbehinderten und blinden Menschen eingebrachte kostengünstige Realisierungskonzept wird vom Leiter des Fachreferates für behindertengerechtes Bauen, Oberamtsrat Ing. Peter Groiss nur kritisiert und nicht zur Kenntnis genommen, obwohl es von sämtlichen Sehbehinderten-, Blindenorganisationen und -schulen im Raum Wien und durch das Österreichische Normungsinstitut bereits im August 1994 unterstützt worden ist und noch dazu auf Grundlage einschlägiger Testversuche und im Sinne der beinahe fertigen ÖNORM 2102 verfaßt wurde.

Ing. Groiss hat nur dilettantische Einwendungen gegen die erwähnten sinnvollen Maßnahmen vorzubringen, ist aber selber nicht imstande, bessere Ideen oder eigene Arbeiten zu liefern.

Da Groiss scheinbar in erster Linie Gegenargumente der Baubehörde ins Treffen führt und immer für sie Partei ergreift, stellt sich ernsthaft die Frage, ob er nicht eher der Vertreter der Baubehörde ist und nicht der behinderten MitbürgerInnen. Vielleicht hat er ja sogar den Auftrag, darauf zu achten, daß kein Geld für sehgeschädigte Menschen im Raum Wien „verbaut“ wird.

Sein gängigstes Statement: „Ich bin der Vertreter der Stadt Wien und ich sage Ihnen …“ und die Tatsache, daß er behinderte Menschen nicht für voll nimmt, untermauern diese Schlußfolgerung.

Da die Wiener Verkehrsbetriebe, wie uns ihr Direktor versicherte, sofort bereit wären, die so wichtigen Leitstreifen auf den Bahnsteigen der U-Bahn aufzubringen und auch Frau Landtagspräsidentin Stubenvoll, als Vorsitzende der Behindertenkommission der Stadt Wien, die Sache unterstützt, scheitert die Angelegenheit sowohl an der grotesken Haltung des Fachreferates für behindertengerechtes Bauen der Stadt Wien (MA 12), als auch an der mittlerweile laut Aussage von Groiss auf den Plan gerufenen Baupolizei, die sich gegen 3 mm „hohe“ Leitstreifen ausspricht, weil angeblich Stolpergefahr damit verbunden wäre.

Naja, da müßte man ja jeden Gehsteig, jeden Kanaldeckel, jedes Katzenkopfpflaster etc. aus dem Weg räumen.

Es bleibt nur zu hoffen, daß nicht noch mehr blinde und sehbehinderte Menschen wegen derartig unverständlicher Standpunkte auf Wien’s U-Bahnbahnsteigen verunglücken oder in Baugruben stürzen. Wäre doch schade, wenn gerade jetzt, wo die entscheidenden Instanzen und Institutionen sensibilisiert und bereit sind, endlich zu handeln, es an einzelnen Personen, wie Ing. Peter Groiss, scheitern würde!

Vielleicht findet sich ein mutiger Stadtpolitiker, der die nötigen Konsequenzen zieht und diese Mißstände abstellt.

Jedenfalls sind bereits mehrere Behindertengruppen über die „Arbeit“ des „Referates für behinderten-un-gerechtes Ver-Bauen sinnvoller Lösungen“ verbittert und werden sich sicherlich bald zu Wort melden! Nur Mut!

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