Bekommen die Niederlande „zertifizierte Selbstmord-AssistentInnen“?

Von der "Letzte-Wille-Pille" für Menschen über 70 bis zum Verbot im Verfassungsrang reicht die Bandbreite der Forderungen in Zusammenhang mit Euthanasie. Ein Kommentar.

Flagge Niederlande
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Gegensätzlicher könnte der Umgang mit dem Leben wohl kaum sein. Dies zeigt ein aus drei Kurzmeldungen bestehender Überblick in der Ausgabe 2/10 vom info-dienst bio-ethik der aktion leben österreich.

Der Dachverband Hospiz Österreich, der Katholische Laienrat Österreichs und die Caritas Wien setzen sich dafür ein, dass das Verbot der Sterbehilfe in der Österreichischen Bundesverfassung festgeschrieben wird. Dadurch sowie durch „ein klares Ja der Bundesregierung zur Hospizarbeit“ erhoffen sie sich ein Signal über die Landesgrenzen hinaus. Dies ist dem Beitrag aus IMABE, April 2010 zu entnehmen.

Ein solches Bekenntnis scheint – will man sich auf die Seite des Lebens stellen – angesichts der aktuellen Entwicklung in anderen europäischen Ländern dringend vonnöten.

Der zweite im info-dienst abgedruckte Artikel aus dem „Daily Telegraph online“ 10. 3. 2010 beschäftigt sich mit der aktuellen Entwicklung in den Niederlanden. Dort will der Verein „Right to die“ erreichen, dass jedem Menschen über 70 Jahren unabhängig von dessen Gesundheitszustand ein Recht auf Selbstmord eingeräumt wird. Geht es nach den Vorstellungen des Vereines, sollen „zertifizierte Selbstmord-AssistentInnen“ sicherstellen, dass es sich nicht um eine vorübergehende Depression des Betroffenen handelt. Nach einer groß angelegten Unterschriftenaktion ist nun das Parlament am Zug.

Es geht offenbar nur noch um die Frage, ob bei „anhaltendem Herzenswunsch zu sterben“ auch nicht-medizinisches, aber eigens dazu ausgebildetes Personal, die so genannte „Letzte-Wille-Pille“ oder eine tödliche Injektion verabreichen darf.

In den Niederlanden ist Euthanasie seit neun Jahren legal möglich. Es scheint sich um die nächste Grenzverschiebung zu handeln.

Der letzte Beitrag – entnommen dem Ärzteblatt (www.aezteblatt.de 18. 5. 2010) – schließlich beschäftigt sich mit der Euthanasie in Flandern. Einer Befragung belgischer Medizinerinnen und Mediziner aus dem Jahr 2007 zufolge, sind dort bereits 3,8 Prozent aller Todesfälle auf aktive Sterbehilfe zurückzuführen. Fast die Hälfte davon ohne Zustimmung der PatientInnen. „Es handelte sich dabei überwiegend um demente und komatöse PatientInnen“, ist über jene 1,8 Prozent zu lesen.

Eine Umfrage unter Krankenschwestern ergab, dass nahezu die Hälfte der Befragten bereits an der Zubereitung der tödlichen Mittel beteiligt waren. „Bei der Euthanasie muss in Belgien allerdings eine Ärztin oder ein Arzt die Medikamente verabreichen“, informiert der Beitrag. Laut Umfrage ist die Medikamentengabe aber in 12 Prozent der Fälle durch eine Krankenschwester erfolgt.

Angesichts solcher Fakten bleibt nur zu hoffen und dafür zu kämpfen, dass Österreich das Modell des selbstbestimmten Lebens mit Persönlicher Assistenz dem niederländischen Ansatz des „selbstbestimmten“ Sterbens mit „Selbstmord-Assistenz“ entschieden entgegensetzt.

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0 Kommentare

  • Verstehe die künstliche Aufregung nicht, allein die Wortwahl spricht Bände: „Recht auf Selbstmord“. Nein, da geschieht kein Mord, man erlaubt Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes Lebensmüde, des Lebens also Müde sind, diesen erlaubt man, human zu sterben. Nicht erhängen, vor den Zug, von Klippen oder Hochhäusern und ähnlichem springen zu müßen. Was ist verkehrt daran?
    Man stirbt sowieso, warum sollte man den Zeitpunkt des Todes da nicht selbst vorziehen, wenn man doch schon bei der Geburt nicht „Nein“ sagen durfte?
    In einer vernünftigen, humanen Welt — von der wir weit entfernt sind — gäbe es ein internationales Recht auf Freitod, das es jedem ermöglichen würde, sanft und sicher zu sterben, keinerlei entwürdigende Methoden vonnöten.

    Ich verstehe auch nicht, weshalb es überhaupt noch Katholiken gibt. Man muß nun wirklich nicht jeden Unsinn, nur weil er Tradition ist, weitertragen: es gibt keinen Gott. Man lebt, weil man Opfer eines primitiven Triebes ist, mehr ist da nicht. Hörten die Menschen auf, Kinder zu zeugen, dann stellte sich solch eine Frage gar nicht. All die Fragen, die man sich (unnötigerweise) stellt, sind erst durch die Geburt möglich, und diese, die Geburt, ist irrational. In jeder Maschine, jedem Auto steckt mehr Rationalität, steckt mehr Vernunft als in der Zeugung eines Kindes.

    Aber um auf das Recht auf Freitod zurückzukommen: wenn jemand — wie ich — unter einem niedrigen IQ leidet (~71, ich bin beinahe geistig behindert), dann ist es ja wohl mir überlassen, ob ich mein Versagerleben weiterleben möchte oder nicht. Schließlich habe ich mich nicht gezeugt, habe nie mein Einverständnis gegeben. Was also soll das? Warum erlaubt man es überhaupt j e d e m Menschen, ein Kind zu zeugen? Selbst, wenn er, wie in meinem Fall, arm und dumm ist, dies also weitergibt? Aber das wäre eine andere Debatte, die ebenfalls Wert wäre, diskutiert zu werden.

    Es bleibt dabei: das Leben wurde einem aufgebürdet, also darf man es selbstbestimmt verl

  • @Pepo: Es gab da mal vor einigen Jahren sogar die Formulierung „Sozialverträgliches Frühableben“

    „Sozialverträgliches Frühableben war das Unwort des Jahres 1998. Es spielt darauf an, dass ein Mensch mit Erreichen des Rentenalters volkswirtschaftlich betrachtet mehr Kosten verursacht, als er Nutzen bringt.“
    siehe Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialverträgliches_Frühableben

    In einem Radiointerview hatte ein Ärztevertreter zum Honorarstreit gesagt: „Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen.“

  • @Pepo! Ich hau mich ab mit Deinem Kommentar zu diesem Artikel! Naja, da war ich ja mit meinem Kommentar sogar nahe an dem, was an der WU gelehrt wird, ich bin zufrieden und sehr stolz auf mich. Aber: Pepo, wir können alle trösten, hier muss ich Dich der Pointe willen kurz zitieren:
    Also – Wir Krüppel wollen „ewig“ leben – dies ist nicht als Drohung zu verstehen.
    Es braucht sich niemand bedroht zu fühlen, denn sowohl die Krüppel als auch die „Nichtkrüppel“ können auch ohne die letzte Willenspille, deren verabreichung in den entsprechenden Humangebieten nun ohnehin schon bald von jeder Reinigungskraft vorgenommen werden darf und trotz des enormen Fortschrittes in der Humanmedizin auch niemals „ewig“ leben.
    Und jetzt komme ich leider in Anbetracht eines erneut erbrachten Beweises nicht umhin und ich muss meine These zu den Zuständen auf Erden deponieren, für die ich übrigens immer prompte Zustimmung geerntet habe, Das hier ist eine klassische Psychiatrie, wobei diese Definition ohnehin noch eine „Untertreibung“ darstellt!!!!!!

  • A Wahnsinn – Wenn man jetzt „böse“ denkt, sollte man sich gar nicht, wenn möglich, als „Invalider – Krüppel“ staatlich registrieren lassen. Denn die kosten Geld. Ab dem Zeitpunkt, wo man pensionsberechtigt ist, ist es für den „Staat“ – (und das wir, die Bürger) finanziell am besten, wenn man stirbt, denn dann hat man zwar in das Pensionssystem einbezahlt, doch es nicht konsumiert. – Das wurde auch auf der WU gelehrt – ein Eistudent von Prof. Alexander van der Bellen hat das mir erzählt. Also – Wir Krüppel wollen „ewig“ leben – dies ist nicht als Drohung zu verstehen.

  • @ Sigi Maron: Fürwahr: „What a wonderful world!“
    Will man derartiges Verhalten in Hinkunft vermeiden, kommt man um eine ausdrückliche Festschreibung eines entsprechenden Verbotes nicht umhin! Wir leben nun einmal in einer gefallenen Schöpfung und die
    „Zeichen dieser Zeit“ (Pensionsantritt erst mit 70 etc. etc.) würden ohne entsprechenden Einhalt auch beispielgebend auf andere Länder übergreifen. Man muss den Menschen vor sich und vor seinen Abartigkeiten leider schützen, so weit dies möglich ist. Vieles lässt sich ohnehin nicht vermeiden! Und das ist ein Thema, das nicht nur diejenigen betrifft, die primär dieses Forum frequentieren; das ist das Thema, das irgendwann jeden/e betreffen kann, sofern er/sie dank des medizinischen Fortschrittes ein entsprechendes Alter erreicht.
    Das ist doch alles so krank, echt zum Kotzen ist das.

    Welch eine unvorstellbare Gnade, dass ich eine Ausnahme sein darf:-)! Es geht auch anders! Herzlichen Dank!

  • früher oder später musste das ja kommen. unbrauchbares wird aussortiert, endgültig. was schrieb ich schon vor jahren?

    alt
    krank
    ohne arbeit
    invalid
    es hilft dem staat
    dein suizid

    und waun du net wüst, wird a bisserl nachgeholfen.
    wonderful world?