BZÖ-Bucher: Minus bei Behinderteneinstellung in Ministerien

Sogar Bundesministerien versagen bei Einstellung Behinderter

Bündnis Zukunft Österreich
BZÖ

Das BZÖ hat mit einer parlamentarischen Anfrage von Behindertensprecher Sigisbert Dolinschek an das Bundeskanzleramt aufgedeckt, dass nicht nur manche Bundesländer bei der gesetzlich vorgeschriebenen Einstellung von behinderten Menschen säumig sind, sondern auch die Ministerien.

BZÖ-Chef Klubobmann Josef Bucher sieht hier „ein fatales Signal an die Privatwirtschaft und eine unmoralische Entwicklung“.

Österreichs Bundesministerien haben mit Stichtag 31.12.2011 laut Bundeskanzleramt um 103 Behinderte weniger eingestellt als 2010, das ist ein Minus von 2,32 Prozent. Insgesamt stehen bei 156.569 öffentlich Bediensteten in den Ministerien, der Pflichtzahl von 6.089 Beschäftigten nur 4.336 behinderte ArbeitnehmerInnen gegenüber.

Wenn man doppelt anrechenbare Behinderte einrechnet, dann bleibt noch immer eine inakzeptable Untererfüllung von 258 Behinderten übrig. Bucher kritisiert massiv, dass sich die Situation verschlechtert und nicht verbessert. So hat beispielsweise das Umweltministerium ein Minus gegenüber 2010 von 8,15 Prozent, gefolgt vom Wissenschaftsministerium mit minus 7,52 % und dem Wirtschaftsministerium mit minus 5,8 Prozent. Einzig positive Ausnahme ist das Außenministerium mit plus 6,25 Prozent.

Besonders tragisch ist für Bucher der Fakt, dass es einen überproportionalen Rückgang bei der Einstellung Schwerstbehinderter, also Menschen mit Minderung der Erwerbsfähigkeit von 70 Prozent, gibt, jener Menschen die in der Privatwirtschaft fast überhaupt keine Chance haben, eine Anstellung zu finden: Hier gibt es im Vergleich 2010 zu 2011 einen Rückgang von 3,67 Prozent. Unrühmlicher Spitzenreiter ist das Infrastrukturministerium mit einem Rückgang von 27,27 Prozent, gefolgt vom Wissenschaftsministerium mit 13,95 Prozent. Nur das Wirtschaftsministerium hat ein Plus von 2,63 Prozent.

Laut Gesetz muss jedes Unternehmen pro 25 Mitarbeiter einen Mitarbeiter mit Behinderung einstellen. Falls dies nicht erfolgt, muss es eine Ausgleichzahlung leisten.

Bucher fordert die hundertprozentige Erfüllung des Behinderteneinstellungsgesetzes.

„Hier werden Menschen die es im Leben schon schwer genug haben, zusätzliche Hürden aufgebaut. Das Ziel des Gesetzes ist es, Behinderte ins Arbeitsleben zu integrieren und nicht, sich mit Geld freizukaufen. Gerade behinderte Mitbürger haben sowieso schon ein viel höheres Risiko arbeitslos zu werden. Das BZÖ fordert von der Bundesregierung eine Beschäftigungsoffensive für Behinderte und die Durchsetzung der Einstellungsverpflichtung besonders in den Ministerien. Gerade der öffentliche Bereich muss hier eine Vorbildfunktion einnehmen. Oft werden auch behinderte Arbeitnehmer im Vorfeld krass unterschätzt. Gerade Menschen mit Behinderungen machen oft Handicaps durch doppelten Einsatz wieder wett und sind wertvolle, produktive Mitarbeiter in einem Unternehmen“, so Bucher.

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0 Kommentare

  • Bitte, machen Sie schnell und teilen Sie mir mit wann ich unterschreiben gehen kann!
    derpradler@yahoo.com

  • @@Anti-Müller

    Wollen Sie uns mit Ihren Aussagen weismachen, dass die doppelt und dreifach abgesicherten (Beendigungssschutz nach BDG, VBG, staatsdienerlichen „Behinderten“-Gesetzen…) Arbeitsplätze mit den Fluxflex-Schleudersitzen in der Privatwirtschaft vergleichbar sind?

    Haben Sie schon mal die Arbeitskräfte-Fluktuation im Privatbereich (jede/r Fünfte mind. einmal im Jahr arbeitslos) mit der jener im ÖD (jede/r 150.te m.e.i.J arbeitslos) verglichen?

    Um zu Vergleichziffern zu kommen müssten sie also die Hosek-Statistik mit dem Faktor 30 aliquotieren!

  • du bist ein/e wilde/r Checker/in – meine Kritik an der Pseudorechnerei hast du aber nicht begriffen! Das Gesetz und die Anfrage-Beantwortung lesen könnte dir dabei helfen!
    Ich hab bis gestern auch nicht gewusst, dass es Behinderte gibt, die doppelt zählen in diesem Rechnen-Unsinn! So funktioniert Politik! Polemisieren und falsche Zahlen verwenden spielt genau den Leuten in die Hände, die sich mit solchen Statistiken aus ihrer Schuld oder ihrem Versagen herausreden!!
    Ich finde es auch skandalös, das hier alle Bereiche zusammen gezählt werden, damit z.B. das BMUKK ihr Defizit von -1435 Angestellten mit Behinderung auf die Pflichtzahl verschleiern kann!
    Solche Sachen fallen dir nicht auf! Du hast anscheinend andere Interessen!

  • Auch die Lockerung des Mutterschutzes geht auf Hundstorfers Konto: „2011 wurden 15,75 Prozent weniger Kärntnerinnen vorzeitig freigestellt“, sagt Helgard Kerschbaumer, die Verantwortliche bei der Gebietskrankenkasse Kärnten (GKK). „Das brachte der Kasse Einsparungen von 5,5 Millionen Euro.“

    Und wieder ein paar Mio mehr „freigebeutet“…

  • „der Pflichtzahl von 6.089 Beschäftigten nur 4.336 behinderte ArbeitnehmerInnen gegenüber“ das Genosse sind somit: ca 30 PROTZENT U n t e r e r f u e l l u n g ! ! ! !

  • Was soll diese Diskussion? Herumstreiten um ein paar Prozentpunkte. Ja, es ist eine Schande, dass nicht einmal der Staat in der Lage ist seine eigenen Gesetze einzuhalten und sich frei kauft! Die Wirtschaft bewegt sich aber trotzdem in einer anderen Liga: dort erfüllen 80% der Betriebe dieses Gesetz NICHT (bzw. kaufen sich mit 9,- bis 14,- Euro je MitarbeiterIn und Monat frei)! Daran wird sich sicherlich nichts ändern, wenn der Staat seine fehlenden 4% auf 100% Erfüllung schafft, wie von Hrn. Bucher gefordert.
    Interessanter wären statistische Daten wie viele Menschen mit Behinderung es in Österreich gibt? Sind das wirklich nur 2-4% „bevorzugt Behinderte“????

  • Intizial zwei Milliarden in der Garderobe „vergessen“. Zscherst als Minista –> Lockerung des Kündigungsschutzes. Dann beharrlich Nichterscheinen zu Schlichtungsterminen. Jetzt penetrant Rausekeln der „Aussätzigen“ ….

    Sag, Hundstorfer, bist eigentlich ein PIRAT ?

  • Den Ministerien kann es ja egal sein, wenn diese die Ausgleichstaxe bezahlen – ist ja nur ein Budgetposten, der in den Ausgleichstaxenfonds wandert – und – was haben die betroffenen Arbeitslosen davon? Es wird im Behindertenbereich schamlos gekürzt … und wie richtig geschrieben wird, die Vorbildwirkung ist fatal.

  • Quelle: ORF Teletext, 03.03.2012, Seite 115 (http://teletext.orf.at)

    Weniger Behinderte in Ministerien: Die Zahl der Behinderten in Ministerien ist 2011 um 103 Personen oder um 2,3 Prozent zurückgegangen. Das geht aus der Beantwortung einer Anfrage des BZÖ an Beamtenministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) hervor. Insgesamt steht einer Pflichtzahl von 6.089 die Zahl von 4.336 Beschäftigten mit Handicap gegenüber.

    Für BZÖ-Chef Bucher ist das ein fatales Signal an die Privatwirtwirtschaft. Er fordert eine Beschäftggungsoffensive für Behinderte und die Durchsetzung des Behinderteneinstellungsgesetzes besonders in Ministerien.