Daheim statt im Heim: Wirtschaft fordert Anreize für seniorengerechte Sanierung

700 Mio. Euro für Pflege sinnvoll investieren - Studie der Bundesinnung Bau zeigt: Seniorengerechter Umbau von Bestandswohnungen rechnet sich bereits nach zwei Jahren

barrierefreies WC
BIZEPS

Nach der kürzlich erfolgten Einigung zur Aufstockung des Pflegefonds um fast 700 Mio. Euro drängen Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Bundesinnung Bau darauf, einen Teil dieser Mittel für seniorengerechte Baumaßnahmen zu verwenden.

Nach dem Motto „Daheim statt im Heim“ fordern Bau-Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel und Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der WKÖ und Mitinitiator der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich, Investitionen in die seniorengerechte Sanierung. Zusätzlich zur stärkeren Schwerpunktsetzung bei bestehenden Fördermodellen der Länder, wie der Wohnbauförderung, solle eine spezielle Förderschiene für barrierefreies Sanieren geschaffen werden.

In Hinblick auf die fortschreitende Überalterung der österreichischen Bevölkerung – in 40 Jahren wird es über 650.000 über 80jährige mehr geben – betont Gleitsmann: „Menschen wollen möglichst lange selbstbestimmt leben und sich selbst versorgen können. Wir wollen ihnen das durch spezielle Sanierungen ermöglichen und damit gleichzeitig unsere Sozialsysteme nachhaltig entlasten und die Wirtschaft stärken.“

Bei der Wohnraumsanierung fordert die WKÖ einen Schwerpunkt auf Barrierefreiheit: „Während im Neubau bereits seniorengerechtes Bauen sehr effektiv umgesetzt wird, gibt es in der Bestandssanierung wenig effiziente Impulse zur Umsetzung dieser Maßnahmen. Des öfteren sind daher ältere Menschen, die in Wohnungen leben, die nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet sind, gezwungen, in ein Pflegeheim zu wechseln, obwohl noch keine volle Pflegebedürftigkeit gegeben ist. Dabei würden sich die Kosten für die Barrierefreimachung äußerst überschaubar gestalten.“

Die Bundesinnung Bau hat diese Kosten berechnet: „Der barrierefreie Umbau in Einfamilienhäusern und im Mehrgeschosswohnbau einschließlich Liftanteil beschränkt sich auf Einmalkosten pro Kopf von durchschnittlich rund 20.000 Euro“, so Bundesinnungsmeister Frömmel.

„Demgegenüber beträgt der öffentliche Kostenanteil im Pflegeheim pro Bezieher von kleinen Pensionen jährlich circa 23.000 Euro. So rechnet sich der seniorengerechte Umbau von Bestandswohnungen bereits in den ersten zwei Jahren.“ Neben den wirtschaftlichen Argumenten, die für den möglichst langen Verbleib in den eigenen vier Wänden sprechen, deckt sich – so ein Befragungsergebnis – diese Möglichkeit auch mit dem Wunsch von 95 Prozent der Senioren.

Infolge der demografischen Entwicklung werden bereits 2020 tausende seniorengerechte Wohnungen fehlen und der Bedarf durch Neubauten nicht annähernd abzudecken sein. „Angesichts der unzureichenden Maßnahmen auf dem Wohnungsmarkt ist die Politik gefordert, die alten- und behindertengerechte Adaptierung von Bestandswohnungen auch mit Mitteln aus dem Pflegefonds voranzutreiben“, so Frömmel und Gleitsmann unisono.

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0 Kommentare

  • Die Forderung finde ich grundsätzlich gut und richtig, allerdings dürfen die Gelder – im Sinne des Normalitätsprinzips – keinesfalls aus dem „Pflegetopf“ genommen werden. Es handelt sich hier um Versäumnisse im Baubereich, wo nicht schon wieder vor allem behinderte Menschen „die Zeche“ zahlen wollen. Das Geld geht nämlich sonst bei der „Pflege“ ab!