Deutschland: Bundesfamilienministerium hat Studie zu Gewalt vorgestellt

Wenige Tage vor dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November gibt es durch die vom Bundesfamilienministerium geförderte Studie erstmalig repräsentative Daten.

Abwehrhaltung einer Frau
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Auf der Fachtagung „Nein zu Gewalt gegen Frauen mit Behinderung in Einrichtungen“ des Weibernetzes und von Mensch zuerst in Berlin hat das Bundesfamilienministerium Ergebnisse der Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderung und Beeinträchtigung in Deutschland“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wenige Tage vor dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November gibt es durch die vom Bundesfamilienministerium geförderte Studie erstmalig repräsentative Daten über Umfang und Ausmaß von Gewalt an einer bisher wenig beachteten Gruppe.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen mit Behinderungen viel öfter in ihrem Leben Gewalt erfahren, als andere Frauen und Mädchen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Dr. Hermann Kues, bei der Eröffnung der Fachtagung.

„Besonders alarmierend ist, dass Frauen mit Behinderung und Beeinträchtigung zwei- bis dreimal häufiger sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgesetzt waren als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt. Auch im Erwachsenenleben erfahren sie überdurchschnittlich häufig sexuelle Übergriffe und Gewalt. Frauen, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben und arbeiten, sind in hohem Maße Gewalt ausgesetzt.“

Mit der Studie konnten erstmals repräsentative Daten zu Lebenssituation, Belastungen, Diskriminierungen und Gewalterfahrungen von Frauen mit Behinderungen erfasst werden. Die Befragung umfasste insgesamt 1.561 Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren, die in Haushalten und in Einrichtungen leben und starke, dauerhafte Beeinträchtigungen und Behinderungen haben, heißt es in einer Presseinformation des Bundesfamilienministeriums.

Wesentliche Ergebnisse:

  • Frauen mit Behinderungen haben ein stark erhöhtes Risiko Opfer von Gewalt zu werden: Mit 58 bis 75 Prozent haben fast doppelt so viele Frauen im Erwachsenenalter körperliche Gewalt erlebt als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (mit 35 Prozent)
  • Von sexueller Gewalt im Erwachsenenleben waren die Frauen der Befragung etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt (21 bis 44 Prozent versus 13 Prozent)
  • Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend tragen maßgeblich zu späteren gesundheitlichen und psychischen Belastungen im Lebensverlauf bei: Sexuelle Übergriffe in Kindheit und Jugend durch Erwachsene gaben 20 bis 34 Prozent der befragten Frauen an. Sie waren damit etwa zwei- bis dreimal häufiger davon betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (zehn Prozent)
  • Psychische Gewalt und psychisch verletzende Handlungen in Kindheit und Jugend durch Eltern haben etwa 50 bis 60 Prozent der befragten Frauen erlebt (im Vergleich zu 36 Prozent der Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt)

„Die Studie macht deutlich, dass Frauen mit Behinderungen körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt besonders stark ausgesetzt sind und vielfältige Formen von Diskriminierung und Gewalt erleiden müssen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär, Dr. Hermann Kues. „Wir müssen diesen Frauen deshalb besonderen Schutz und besondere Unterstützung geben.“

Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und dem Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld.

Um behinderte Mädchen und Frauen besser zu schützen, hat das Bundesfamilienministerium bereits vor drei Jahren gemeinsam mit den Vereinen „Weibernetz“ und mit „Mensch zuerst“, die auch die Tagung organisiert haben, das Projekt von „Frauenbeauftragten“ ins Leben gerufen.

Die Frauenbeauftragten haben selbst Behinderungen und haben gelernt, Mitbewohnerinnen oder Kolleginnen in Werkstätten oder Wohnheimen zur Seite zu stehen und ihnen als Ansprechpartnerin zu dienen, wenn diese Gewalt erlebt haben oder fürchten. Ergebnisse dieses Projekts wurden ebenfalls auf der Fachtagung präsentiert.

Das Bundesfamilienministerium wird darüber hinaus gewaltbetroffene behinderte Frauen mit dem im Aufbau befindliche Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unterstützen, das Ende 2012 starten soll. Das kostenlose Hilfeangebot ist täglich 24 Stunden zu erreichen und bietet kompetente Erstberatung und Weitervermittlung an das Unterstützungssystem vor Ort.

Frauen mit Behinderung, die oftmals einen erschwerten Zugang zu den örtlichen Hilfeeinrichtungen haben, können von diesem Hilfeangebot besonders profitieren, heißt es in der Presseinformation des Bundesfamilienministeriums.

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0 Kommentare

  • Ich habe s´Dolferl bereits am 1.9. den SREP geheissen. Der tolle, ischiasgeplagte, zahnfaule Hund hat mehr als ein Jahr gebraucht, um zu verstehen, was drinsteht. Erst als Blondie es ihm morste, isses eam kumma…

  • … leider kaum ein Thema in Österreich. Die Situation behinderter Mädchen und Frauen in Österreich ist sicher mit der in Deutschland vergleichbar, auch wenn es keine aktuellen Daten und Fakten dazu gibt.