Die Paralympics sind toll, schafft sie ab!

Wisst ihr, was die mir am häufigsten gestellten Fragen der vergangenen Wochen sind?

Logo Paralympics 2012 in London
Paralympics

Mich haben x Leute gefragt, warum die Olympischen Spiele und die Paralympics eigentlich zwei verschiedene Veranstaltungen sind, warum es zwei Eröffnungs- und zwei Abschlussfeiern gibt und was es mit dieser Pause von zwei Wochen zwischen den beiden Veranstaltungen auf sich hat. Jedes Mal musste ich den mich erwartungsvoll anschauenden Gesichtern sagen: „Ich weiß es nicht. Ich kann es auch nicht nachvollziehen.“

Natürlich kenne ich die Argumente, aber nachdem ich einen Großteil meiner Zeit in den letzten Wochen in paralympischen Spielstätten verbracht habe, verstehe ich sie noch weniger.

Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich 2012 ganze Wochen in Stadien verbringe, von der Rollstuhlrugbyveranstaltung zum Schwimmen und vom Schwimmen zum Rollstuhlbasketball düse – ich hätte die Person für verrückt erklärt. Aber nachdem ich durch eine Verkettung glücklicher Umstände doch noch eine Akkreditierung bekam, konnte ich mir die ganzen Paralympics anschauen, nachdem ich mit meinem Chor bereits bei der Eröffnungszeremonie gesungen habe. Und es war richtig toll!

Dass ich dort gesungen habe, ist nicht selbstverständlich. Ich habe ziemlich mit mir gerungen als mein Chor gefragt wurde, ob wir auftreten würden. Ich hatte die Zusage für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele schon und ich war immer schon große Skeptikerin, was die Paralympics angeht. Sollte ich also auf einer Veranstaltung singen, die ich eigentlich nicht mag?

Ich mochte die Paralympics deshalb nicht, weil ich mir selbst immer die Frage gestellt habe, warum das eigentlich zwei Veranstaltungen sind. Ich empfand die Paralympics als eine ziemlich klischeemässige Behindertenveranstaltung, auch weil ich den Behindertensport selbst so erlebt habe. Als immer sehr integrativ aufgewachsener Teenager musste ich in einen Behindertensportverband gehen, um Sport zu machen, weil mich der örtliche Sportverein nicht genommen hat. Da ging es nicht um spezielle Förderung, sondern ganz klar um Ausgrenzung. Und ich verlor deshalb auch schnell den Spaß daran.

Nun habe ich wirklich Tage in Stadien und anderen Sportstätten verbracht und habe sehr viel von den Paralympics gesehen. Und meine Skepsis ist völlig gewichen. Die Paralympics sind großartig. Es hat Spaß gemacht, das alles zu erleben. Vor allem das Publikum hat das zu einem wahren Erlebnis gemacht. Ich bin sehr stolz auf die Briten. Die haben es wirklich rocken lassen. Aber die Frage, warum das zwei Veranstaltungen sind, wird für mich immer lauter: Ausverkaufte Spielstätten, ein begeistertes Publikum, super Berichterstattung im ganzen Land. Die Briten haben also gezeigt, dass die Paralympics nicht mehr stiefmütterlich neben den Olympischen Spielen ihr Dasein fristen müssen.

Ich habe mit vielen Sportlern gesprochen, interessanterweise sind vor allem die behinderten Sportler nicht sehr dafür, die Spiele zusammen zu legen. Man hat Angst, dass sich niemand mehr für sie interessiert, wenn Usain Bolt läuft. Aber das Problem gibt es jetzt auch schon. Wenn Usain Bolt läuft, schaut auch keiner Judo, wenn das parallel läuft, auch nicht bei nicht behinderten Athleten. Und die Spiele 2012 haben bestens bewiesen, dass sich das Publikum für behinderte Sportler genauso begeistern kann wie für nicht behinderte Athleten – wenn man sie sich begeistern lässt.

Mit der Entscheidung des deutschen Fernsehens nur wenig live und wenn, dann vor 16 Uhr, zu berichten, haben die Deutschen die besten Wettkämpfe verpasst. Die Silbermedaille von Manuela Schmermund zum Beispiel oder die Goldmedaille für die deutschen Basketballfrauen in einem super Spiel gegen Australien. Oder Gold für Schwimmerin Kirsten Bruhn. Oder wie Oscar Pistorius von einem Brasilianer geschlagen wurde. Und was ich der ARD noch in 10 Jahren nachtragen werde, ist, dass sie bei der Eröffnungsfeier der Paralympics erst eingestiegen sind als diese schon über 30 Minuten lief. – Ihr habt mich und meinen Chor also verpasst.

Dann gibt es noch das Argument, die Spiele würden zu groß. Das kann schon sein, aber es ist jetzt schon ein gigantisches Unternehmen, da machen zwei drei mehr Häuser im olympischen Dorf den Bock auch nicht mehr fett. Zudem finde ich, dass nicht jede Sportart olympisch sein muss. Mir fallen sofort bei olympischen wie paralympischen Spielen Sportarten ein, auf die ich verzichten könnte.

Ich glaube zudem, dass es das deutsche Problem mit der Sportförderung lösen könnte, wenn man die Olympischen Spiele und die Paralympischen Spiele zusammen legt. Behinderte Leistungssportler werden im Vergleich zu ihren nicht behinderten Kollegen geradezu mit Brotkrumen abgespeist. Es gibt derzeit nur 10 behinderte deutsche Berufsportler, die in einem Programm gefördert werden, sagte der Bundespräsident im Deutschen Haus und fand das auch noch fortschrittlich. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das ein Witz. Wenn es aber nur noch einen Topf gibt, aus dem alle finanziert werden, gebe es auch für die behinderten Sportler genug Geld. Sie könnten sich aus dem großen Topf bedienen und bekämen nicht nur Brotkrumen hingeschmissen. Und auch die Sponsoren müssten nicht behinderte und behinderte Sportler gleichermaßen unterstützen, wenn sie die Olympischen Spiele als Plattform nutzen möchten. Es wäre eben eine große Veranstaltung. Und die Fernsehsender würden sicher nicht die Liveschaltung unterbrechen, nur weil zwischen den beiden Leichtathletikwettkämpfen ein Rollstuhlrennen angesetzt ist. Es würde die Medienberichterstattung tendenziell verbessern.

Die Spiele dieses Jahr haben gezeigt, dass behinderte Athleten genauso Stars werden können, wie nicht behinderte Sportler. In UK kennt jeder Ellie Simmonds, von Oscar Pistorius ganz zu schweigen. Hannah Cockroft wirbt für meinen Internetprovider mit einem unverwechselbaren Lachen und mit super Aussagen über ihre Behinderung. Ich bin mir durchaus bewusst, dass behinderte Sportler den Umgang damit erst lernen müssen, aber ob behindert oder nicht – zu einer erfolgreichen Sportlerkarriere gehört eben auch die Außendarstellung.

Also was ist dann eigentlich das Problem? Mein Verdacht ist ein bisschen, dass es nicht zuletzt ein politisches ist. Derzeit gibt es sehr viele Funktionen und Jobs zweimal – einmal für die Olympischen Spiele, einmal für die Paralympics. Es müssten also einige Leute ihren Job aufgeben. Der erste Schritt dahin, ist in London allerdings schon vollzogen worden, indem es nur eine Organisation (LOCOG) für beide Spiele gab.

Ich glaube, dass diese Bewegung hin zu Inklusion auch in anderen Ländern möglich ist. Man braucht keine getrennten Spiele für behinderte und nicht behinderte Sportler mehr. Gerade der Sport hat eine riesen Möglichkeit, Vorbild für andere Gesellschaftsbereiche zu sein. Deshalb: Integriert die Paralympics in die Olympischen Spiele. Es ist Zeit.

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0 Kommentare

  • Wie jedes Jahr hat der ORF nicht sehr viel von den Paraolympics gezeigt. Ich finde es schade. Auch deshalb schon gehören die Spiele zusammengelegt.
    Ein jeder Mensch hat besondere Bedürfnisse. Bei einem sieht man sie und bei anderen nicht.

  • @Anna Meier – Ich verstehe nicht was das mit der Diskussion zu tun hat aber das sind einige Sportler aus Österreich die seit ihre Kindheit oder Geburt eine Behinderung haben und bei London 2012 mitgemacht haben: Natalja Eder, Stanislaw Fraczyk, Wolfgang Eibeck, Anita Rütz, Günther Matzinger, Bil Marinkovic.

    Es ist doch gut das London 2012 so ein Hype war! Möge der Hype weitergehen und weiterhin Menschen mit Behinderung ins Mittelpunkt der Gesellschaft rücken, und wenn auch nur für ein paar Wochen alle vier Jahre.

  • Ja, man kann dazu lernen!

    Und ich habe auch gerade etwas dazu gelernt. Nämlich, dass es die Deaf-Olympics gibt. Von denen habe ich, obwohl ich eigentlich ein großer Sportfan bin, bis gestern noch gar nichts gehört.
    @Anna Meier: Bravo! Volle Zustimmung!
    @Sebastian: Genau das habe ich mit meinem letzten Satz gemeint! Würden wir wirtschaftliche und mediale Realitäten akzeptieren könnten wir an dieser Stelle überlegt und sachlich darüber diskutieren, wie wir HIER in der Berichterstattung um einen Schritt weiterkommen könnten.
    Und zu diesen Realitäten zählt nun mal auch, das eine Höchstquote von 119000 Zuschauern bei einer Übertragung bei weitem nicht an das herankommt, was man bei den „normalen olympischen Spielen“ an Quote erreichen kann.
    Und zu diesen Realitäten zählt auch, dass für ein kurzfristiges Ändern eines Sendeschemas wesentlich mehr Quote erforderlich ist!
    Dafür muss man aber bereit sein zu akzeptieren, wo man steht und sich bereits mit kleinen Schritten vorwärts zufrieden geben. (Auch Rom wurde ja nicht an einem Tag erbaut).
    Was hieße das im konkreten Fall?
    Es wurden lediglich die Zusammenfassungen auf ORF 1 für blinde audiokommentiert. Nicht weil der ORF nicht wollte, sondern weil es aus technischen Gründen auf ORF Sportplus nicht geht. Zu fordern, dass die gesamte Berichterstattung auf ORF 1 verlegt wird wäre absolut aussichtslos! Also wäre es doch ein schönes Ziel in Verhandlungen (aber bitte im sachlichen Tonfall und ohne gleich die Rechtskeule zu schwingen) mit dem ORF zu erreichen, dass bei den nächsten olympischen Spielen für behinderte die gesamte Berrichterstattung auf einen Internetstream audiokommentiert wird, oder auf ORF Sport+ die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. (Und beim ORF gibt es durchaus Leute mit denen man vernünftig über so etwas reden kann. Beispiel Sissy Mayerhoffer).
    Und was mein Schimpfen betrifft denke ich, dass ich doch mit Beispielen belegt habe, warum ich von diesem Artikel so wenig halte.

  • @ lukas huber, ich meinte ja nicht die nichtbehinderten mit den behinderten zusammenlegen, was das gebracht hat sieht man an oscar p der bei den nichtbehinderten mitgelaufen ist, meine meinung nach der vollkommen falsche weg!!!!!!!
    fakt is das seine feder besser als beine sind, sah man als er geschlagen wurde von einem mit besseren federn!! der 9.84 die zeiten 1oo meter gelaufen ist. und das is erst der anfang von der federntechnik, sehen wir dann in 4 jahr bei den normalen spielen nur mehr federnläufer?? vollkommen der falsche weg, und ein leicht sehbehindertet is die 100 m in london in gut 10 sec gelaufen, damit wäre er fast im finale der sehenden gewesen:)) ich wollte nur damit sagen das man es nicht vermischen sollte, noch nicht und nicht mit dem system!!!!!!!

  • Ich habe mir das auch schon überlegt wie das gehen könnte. Wird man sich halt zusammen setzen müssen. aber wenn alle das wollen wird es eine lösung geben? Aber zei spiele finde ich sehr ausgrenzend????

  • Das mit dem Sendeschema spricht für mich nicht gegen eine ausführlichere Berichterstattung. Ich weiß nicht, wer sich heutzutage noch das Fernsehprogramm antut, das mit drittklassigen Serien völlig überfrachtet ist. Spielfilme sind, wenn überhaupt, nur noch nachts anzutreffen, in den meisten Sendern gibt es nur noch Serien, Serien, Serien. Warum darf da kein Platz für eine Großveranstaltung sein? Warum ist die Berichterstattung des ORF zu den Paralympics so miserabel? Aber in so einer Medienrealität wirds wohl schwer: http://www.ardmediathek.de/radio-bremen-tv/ansichten/medien-ueber-menschen-mit-behinderungen?documentId=11537792

  • @Christiane: deine Vorstellung kann ich nur unterstützen. D.h. die Klassen und Teilnahmenormen bleiben so wie sind, nur teilnehmen können sie an einer Veranstaltung. Warum nicht? Organisatorisch und logistisch will das alles gut überlegt sein, aber ich halte sowas nicht für unmögloch.

  • Lukas, es geht nicht darum, dass die behinderten und nicht behinderten Sportler gegeneinander antreten, sondern dass es EINE Veranstaltung ist, nicht zwei im Abstand von zwei Wochen.

  • an no: Zusammenlegung Paralympic und Deaflympic? Spricht nichts dagegen, nur fürchte ich dass gehörlose und schwerhörige SportlerInnen übervorteilt wären. Bei den Paralympic in London hat ein tauber Läufer aus Russland die 100, 400 und 800 Meter haushoch überlegen gewonnen, dass man sich fragt wo bleibt die Fairness? 😉

  • reini sampl: soweit ich mitbekommen habe, bei den Paralympics lief der schnellste Läufer von allen Behindertenklassen ca. 12 Sekunden. Die Olympia-Norm liegt bei ca. 10 Sekunden. Ob die behinderten Sportler dann begeistert sind, wenn die Spiele zusammen gelegt werden? Dann müssen die Behinderten-Klassen und Normen beibehalten werden, aber im Rahmen der Olympiade zugelassen und spielberechtigt = immer noch Exklusion, wenn ich nicht gegen Bolt antreten möchte? 😉

  • Ergänzung: damit man an einer Olympiade teilnahmeberechtigt ist, müssen alle SportlerInnen vorher Olympia-Normen erfüllen. Bei einer Zusammenlegung befürchte ich, dass kein oder nur sehr wenige behinderte SportlerInnen entsandt werden, weil zuerst Leistung zählt. Sportler sollen selbst entscheiden können, ob er/sie an der Olympiade, Paralympic und/oder Deaflympic teilnehmen will. Es soll ihm/ihr nur keine formale Steine in den Weg gelegt werden.

  • Wie könnte Inklusion in der Olympiade aussehen? Ich kann mir nicht vorstellen dass z.B. behinderte 100-Meter Läufer mit den haushohen Favoriten wie Usain Bolt, Carl Lewis, Linford Christie, u.a. zusammen legen lassen wollen. Da wären sie schon in den Vorläufen ausgeschieden und der soziale Aspekt für diese Sportler ginge verloren und ihren Sinn verfehlt. Man müsse auch die behinderten Sportler selbst zu Wort kommen lassen, wie sie sich das vorstellen.

  • also ich war auch in london als zuseher, stimmt die stimmung ware genial, das ganze land stand hinter dem event. das deutsche tv hat meiner meinung nach super berichtet, verleicht man mal mit dem ORF:(((( mag sein das nicht live im hauptprogramm aber doch sehr viel und hochwertig, die paralympics haben halt nun mal nit den stellen wert wie die normalen!!! eine zusammenlegung macht meiner meinung nach in der form und zeit keinen sinn, es ist anders und eigen und sollte es bleiben!!

    das streichen von klassen oder bewerben mag sinn machen aber is es gerecht, diverse behindertensportler heulten doch schon wochen lang in den medien weil bewerbe bewerb gestrichen wurde (ev weil in peking nur 5 starter waren?) man muss wenn man zusammenlegt das level auch im behindertensport steigern, viel weniger mediallen vergeben, zb gab es auf den 100 metern weit über 20 paralympicsieger!!!

    dazu müsste man aber die hobbysportler kürzen. diese würden dann aber wieder jammern das der soziale hintergrund verloren geht. die frage ist, will man sozialen sport oder leisungsport verkaufen. gerecht ist spitzensprot nie, zb wird jemand der nur 160cm gross ist nie ein NBA spieler werden, darf er deswegen näher an den korb? nein, ist halt so, nur im behindertensport wollens ansich alle gleichen rechte aber dann auch wieder die armen behinderten sein wo alles soo unfair ist!!!

    im wintersport wirdd shcon seit vielen jahren in dem klassensystem gefahren, damit hat man den sportler zwar die chance auf medaillen erschwert, aber die die gemacht werden sind hochwertig, können auch besser verkauftwerden was schlussendlich auch wichtig ist, da auch sponsoren usw hochwertigen spitzensport „bezahlen“ und nicht a paar euroaus sozialem hintergrund. meien persönliche meinung ist. bei den paralympics sollte nur mehr spitzensport sein, der rest und soziales gehört in den breitensport, gruss vom trainignslager in chile

  • Auch ich finde den Artikel gut, bin jedoch der Meinung, dass die Paralympics nicht mit den anderen „Spielen“ zusammengelegt werden sollten…

  • zusammenlegen der spiele – das kann nicht funktionieren!

    aber was zusammengelegt gehört sind die deaflympics und paralympics. es kann nicht sein, das die gehörlosen eigene olympische spiele verlangen, das ist keine inklusion sondern exklusion!

    viele haben schon gesagt, behinderte menschen wünschen eine inklusion, aber die gehörlose menschen spielen da nicht wirklich mit! sie exklusieren sich selbst mit den deaflympics

  • @ Christiane Link: Danke für den ausgezeichneten Artikel! „Es ist Zeit“, die Spiele zusammenzulegen, der Meinung bin ich auch. Es würde sicher für Aufregung und Kritik auf mancher Seite sorgen (s. Forum), aber es wäre ein symbolisch wertvoller und auch in der Realität wahrscheinlich effektiver Schritt zu mehr Inklusion und zu einer gleichberechtigten Welt, in der sich behinderte Menschen dann allgemein wohler fühlen könnten. Übrigens auch im Sinne des Art. 30 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, wenn ich den richtig interpretiere.

    @ Blindwurm: Schreiben Sie doch Ihren wahren Namen ins Forum, oder trauen Sie sich dann nicht so zu schimpfen? Zu ihrem Satz, dass „Teile der Behindertenbewegung offensichtlich nicht in der Lage“ seien „wirtschaftliche und mediale Realitäten zu akzeptieren“, kann ich nur sagen, ja, zum Glück! Denn wer Realitäten immer nur akzeptiert, wird sie nie ändern!

  • die zeit (mensch) ist nicht reif und wird auch nicht reifer werden das man gottes oder darwins zweite garnitur voll akzeptiert da der egoismus immer überwiegen wird

  • wieder einmal ein hervorragender Beitrag von Christiane Link. Danke dafür!
    Ich finde es unter anderem wohltuend, dass sie den Mut hat zuzugeben, dass sie ihre Meinung auch mal ändern kann, ohne das Gesicht zu verlieren. Und uns alle an dieser differenzierten Meinungsbildung teilhaben lässt. Ohne andere – die vielleicht anderer Meinung sind – zu beschimpfen. Liebe Grüße an Blindwurm – das Leben ist ja dazu da, um zu lernen!

  • Ich kann es nicht fassen, dass soviel von den Paralypics erwartet wird, das ist momentan halt ein Hype. Mit gesellschaftlicher Gleichstellung hat das nichts zu tun.
    An der osterreichischen Mann/Frauschaft sieht man das sehr gut. Die meisten SportlerInnen sind durch einen Unfall behindert worden, sie haben auch schon vor ihrem Unfall Sport gemacht (z.b. Tischtennisspielerin, Reiter…)
    Hat es eine/n TeilnehmerIn im Ö- Team gegeben die/der geburtsbehindert ist? Die meisten der Sportlerinnen und Sportler kommen vom Weißen Hof, wo sie getrimmt, gedrillt, entsprechend psychologisch betreut werden, und dann sind sie Leistungsportler. Ich will die Leistungen der TeilnehmerInnen nicht schmälern . Es erfordert große Disziplin und großen Einsatz so weit zu kommen, vor der persönlichen Leistung der einzelnen SportlerInnen habe ich großen Respekt, aber, dass gerade der Sport zur Gleichstellung von behinderten Menschen geeignet sein soll, glaube ich nicht, der verfestigt eher das Bild des Ausnahmebehinderten, jedenfalls in Österreich!

    Zu Frau Link was ist eine Dipl.Pol?

  • Sendeschemen können sich ändern. Ja die Gesellschaft kann sich ändern. Und sie sollen sich auch ändern und sich der Zeit anpassen.

    Vielleicht ist es wirklich noch zu früh beide Veranstalltungen zusammen zu legen aber London ist unwidersprechlich ein Hoffnungsschimmer für echte Integration und Gleichstellung.

  • Jetzt platzt mir aber endgültig der Kragen!

    So viel Blödsinn wie in diesem Artikel habe ich ja noch nie gelesen!
    Die Paraolympics sind deshalb extra, damit die Zuschauer vor Ort und im TV sich beides ansehen können. (Und vor Ort ja auch zwei mal Eintritt bezahlen). Wären beide zusammen würden die Paraolympics in der medialen Berichterstattung untergehen! Das Argument, dass ja auch Laufen und Judo zu gleich stattfinden klingt oberflächlich zwar gut, geht aber völlig an der Realität der Wettkampfansetzung vorbei. Es ist beispielsweise immer so, dass die Leichtathletikbewerbe zur besten irgendwie möglichen Sendezeit für die amerikanischen Zuschauer angesetzt werden, weil die amerikanischen TV-Anstalten am Meisten bezahlen. Jene TV-Anstalten die weniger bezahlen können zwar im Übertragungspool ihre Wünsche äußern, aber wenn gerade alle Kameras für die Vielzahlenden gebraucht werden haben sie Pech gehabt. (Deshalb sind dem ORF auch immer wieder Übertragungen entgangen).

    Das die Autorin der ARD nachträgt, das sie um 30 Minuten zu spät einstieg empfinde ich als Frechheit dieser Sendeanstalt gegenüber, die wirklich viel Energie darin investiert hat gut zu berichten! Der Chor wurde nicht ausgestrahlt, weil es mit der Sendeschematik der ARD nicht vereinbar war. Glaubt die Autorin wirklich IHR Chor ist wichtiger als die ARD Sendeschemen? Und das betrifft nicht nur behinderte! (Während Taxi Oronsch mußte beispielsweise die Vorberichterstattung für Fußballspiele im ORF eben von 30 auf 10 Minuten gekürzt werden, weil es das Schema vorschrieb).
    Für mehr Beispiele reicht der Platz nicht.
    Dieser Beitrag ist aus meiner Sicht mal wieder ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Teile der Behindertenbewegung offensichtlich nicht in der Lage sind wirtschaftliche und mediale Realitäten zu akzeptieren!

  • Hallo,

    Die Frage habe ich mir auch oft gestellt, warum nicht zusammenlegen!
    Aber das Argument von vielen Sportlern teile ich:
    Es ist noch zu früh beides verschmelzen zu lassen, denn die Medien sind noch nicht bereit den Fokus auch auf Behinderte Menschen zu legen.
    Viele Medien haben noch nicht erkannt, was sich da für eine neue Gesellschaft entwickelt.
    Ich arbeitete für ein Radioteam in London und erlebte meine ersten Paralympics.
    Ich war fasziniert.

    Würde man die Spiele zusammenlegen würde man mit über 8000 Sportlern umgehen müssen, und man müsste die Spiele evt. Verlängern.

    Was die Präsenz der deutschen Medien anbelangt, so waren die Franzosen gar nicht vertreten, die USA haben trotz einer der grössten Delegationen wenig von den Paralympics im Fernsehen zu erleben gehabt.
    Es ist immer Luft nach oben, aber, ich komme nicht von einem Privaten oder öffentlichrechtlichen Medium sondern einem Radiosender der sich dem Thema Behinderung stärker widmet, ich finde das was dieses Jahr geboten wird, war schon ein großer schritt nach Vorne.

    Wir müssen es nun schaffen, dass der Behindertensport Platz in der normalen Sportberichterstattung findet – auch zwischen den Paralympics!

    Ich befürworte die Trennung im Augenblick noch, weil unsere Gesellschaft eine Zusammenlegung nicht verkraftet – noch nicht!!!
    Mich haben Menschen in Deutschland, nicht behinderte, gefragt warum so wenig Paralympics im ARD und ZDF war – Genau dahin müssen wir!

    Viele Grüsse

    Sascha Lang
    http://www.slangradio.de