Ein Verkehrsstadtrat, der den Fußgängerverkehr behindert

Der Wiener Stadtrat DI Rudolf Schicker (SPÖ) hat bisher mit Erfolg einen barrierefreien Fußgängerübergang im Herzen der Stadt verhindert.

Rudolf Schicker
Votava

Es begann mit einem Artikel in BIZEPS-INFO im Jänner 2010: Dort wurde berichtet, dass die U-Bahnstation Oper nur über einen einzigen barrierefreien Zugangspunkt von einer Seite mittels Schutzwegen bzw. geregelten Verkehrslichtsignalanlagen erreicht werden kann. Dadurch müssen Rollstuhlfahrer einen Umweg von 400 Metern in Kauf nehmen. Bemühungen um Beseitigung dieser Barriere wurden von der Stadt abgeschmettert.

Weil wir das nicht glauben konnten, wandten wir uns am 15. Februar 2010 an den dafür zuständigen Stadtrat, DI Rudolf Schicker (SPÖ), mit dem Ersuchen, einen Auftrag zur raschen Beseitigung dieses Missstands zu erteilen.

Am 10. März 2010 erhielten wir von der Büroleiterin des Stadtrats die Antwort: „Die Gehsteigkanten im Bereich der Kärntner Straße / Herbert-von-Karajan-Platz sind deshalb nicht behindertengerecht abgesenkt, da an dieser Stelle ein Überqueren der Fahrbahn über die Kärntner Straße aus verkehrssicherheitstechnischen Gründen (kein Schutzweg sowie keine Fußgängerampel vorhanden) nicht vorgesehen ist.“ Weiters wurde angekündigt, dass im Zuge des Umbaus der Opernpassage beabsichtigt ist, einen zweiten Lift zu errichten, der dann ohne größere Umwege barrierefrei erreichbar sein soll.

Weil es das nicht war, was wir vom Stadtrat wollten, schrieben wir am 1. April 2010 abermals an ihn und führten an, dass auch bei vielen anderen Kreuzungen an der Ringstraße mit abgesenkten Gehsteigen weder ein Schutzweg noch eine Fußgängerampel vorhanden ist.

Daraufhin erhielten wir am 26. April 2010 ein Schreiben der Magistratsabteilung 28, zuständig für die Verwaltung und den Bau der Straßen. Diese stimmte unserer Argumentation teilweise zu, meinte aber auch, dass dies nur bei Nebenstraßen mit geringerer Verkehrsfrequenz gilt. Bei Kreuzungen, in die eine Hauptstraße mündet werden die Übergänge mit einer Ampel und mit Bodenmarkierungen geregelt. Dies ist auch an der Kreuzung Opernring/Kärntnerstraße der Fall.

Die MA 28 überraschte uns jedoch mit der Aussage, dass bereits ein Schutzweg mit Ampelregelung angedacht worden sei, was jedoch daran scheitere, dass „die zusätzliche Ampelregelung der Nebenfahrbahn und der Garagenausfahrt im Koordinierungsprogramm der gesamten Ampelanlage nicht untergebracht werden kann“!! Daher ist derzeit nicht vorgesehen, eine behindertengerechte Absenkung des Gehsteiges auf der Seite der Oper herzustellen.

Weil der Mediensprecher des Stadtrats, Mag. Martin Schipany, in einer ähnlichen Situation an uns apelliert hatte, sich zuerst an ihn zu wenden, bevor wir an die Öffentlichkeit gingen, taten wir dies. Am 26. Mai 2010 erhielten wir von ihm jedoch die Nachricht, dass zum momentanen Zeitpunkt nicht die Voraussetzungen vorhanden seien, um ein „legales, verkehrssicheres Queren der Fahrbahn zu ermöglichen.“

Fazit: Nichtbehinderte Fußgänger können die Kreuzung jederzeit überqueren und tun dies auch, Menschen im Rollstuhl müssen Umwege in Kauf nehmen. Nichtbehinderte Fußgänger können unbehelligt vom Gehsteig Kärntner Ring kommend entlang der Oper weiter in Richtung Opernring flanieren, Menschen im Rollstuhl müssen zeitraubende und mühsame Umwege in Kauf nehmen.

Wird hier nicht eine technische Frage, die mit einigem guten Willen sicherlich zu lösen ist, vorgeschoben, um eine Lösung für Menschen mit Behinderung zu verhindern?

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0 Kommentare

  • Lieber Frau Haberfroh, solch Aktionen wurden schon gemacht – jedoch wäre es sinnvoll, es medienwirksam immer wieder zu versuchen, da Betroffene nicht eingebunden werden. Scheinbar ist Barrierefreiheit – Gehseigabsenkungen – ein politisches „Stiefkind“! Auch sehe ich immer wieder Ulfstationen, die mit Rollstühlen nicht oder nur sehr schwer befahrbar sind – Kaum zu glauben, doch war..

  • Ich würd einmal die Politiker und Leute von der Presse einladen, ein paar Rollstühle zur Verfügung stellen und mit ihnen die 400 m abfahren.

  • es ist nichts anderes zu erwarten von einem kopflosen und sehr abgehobenen stadtpolitiker noch dazu mit unterstützung unseres behinderten feindlichen bürgermeister diese herrn sollten einmal nur einen tag in einem rollstuhl verbringen damit sie wissen was sie mit ihrer unkenntniss anrichten traurig traurig wien ist anders leider noch trauriger bestückt mit unwissenden politikern und beamte

  • vielleicht nutzt es, wenn man an das Stadtratbüro und die Bezirksvorstehung schreibt, das ja der Bezirk das bezahlen muss – doch denke ich dass es einen „Masterplan“ bezgl. Gehsteigabsenkungen geben muss, wenn Wien bis 2015 diesbezüglich barrierfrei sein will- wie es das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz es vorsieht – jedoch bezweifle ich, ob Kitzbühl in Tirol oder Oberpullendorf in Burgenland ebenfalls das schafft – bzw. die jeweiligen Bürgermeister es schaffen wollen..

  • @ richard – walter: Noch besser ist es, ein mail mit der Forderung gleich direkt an den dafür verantwortlichen Stadtrat Rudi Schicker zu schreiben: rudolf.schicker@gsv.magwien.gv.at

  • mit etwas guten willen würde es gehen aber wenn man nicht will dann will man nicht vermutlich weil sich halt nur 1 rollstuhlfahrer sich darüber aufregt. würde vorschlagen alle die dies lesen schreiben ein e-mail mit der forderung einer absenkung des gehsteig an die bezirksvorstehung aus solidarität

  • Der Einwand mit der Garagenausfahrt und der dafür notwendigen weiteren Ampelphasenprogrammierung, die nicht möglich sei, klingt nach einer vorgeschobenen Ausrede – denn seltsamerweise geht dies für den parallel in gleicher Höhe verlaufenden Radwegübergang (mit Ampel und Ampelphase), was für den fehlenden daneben liegenden Fußgeherübergang nicht geht. Als Rollstuhlfahrer verwende ich deshalb dort den Radweg – gezwungener Maßen, denn die Oper einmal zu umrunden und auf der anderen ist mir zu blöd.

  • Auch ich habe den Eindruck, dass diese Thematik seitens des Stadtratsbüro nicht wirklich ernst genommen wird. Auch ich bekomme ähnliche Antworten von der MA 28, wo mit Fotos dokumentiert ist, dass falsch gebaut wurde – Gehsteigabsenkungen – eine Qualitätskontrolle seitens der STADT WIEN wäre dringlich erforderlich – Gehsteigabsenkungen sind Bezirksangelegenheit, doch es kennen sich die wenigsten Bezirksräte diesbezüglich tatsächlich aus – auch bei Neueröffnungen (Lokale, Geschäfte, etc.) sollte schon laut Wiener Bauordnung ebenfalls ein barrierefreier Zugang geschaffen werden – ebenfalls Bezirksangelegenheit – doch sehe ich immer wieder dass dies nicht eingehalten wird. Wem soll man verklagen? Die Inhaber oder die, die die Genehmigungen bewilligen?