Frauen mit Behinderungen deutlich höherem Gewaltrisiko ausgesetzt

Baur fordert konkrete Maßnahmen vom Land Tirol

Christine Baur
Land Tirol/Berger

Die Internationalen Aktionswochen „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ nahmen die Grünen Frauen Tirol zum Anlass, um bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit den Grün-Alternativen StudentInnen und dem Tiroler Frauenhaus am heutigen Donnerstag auf den speziellen Gesichtspunkt „Gewalt an Frauen mit Behinderung“ einzugehen.

Die Frage „Wer glaubt schon einer Behinderten?!“ wurde nach einem Vortrag der Erziehungswissenschaftlerin und Expertin für Dis/Ability-Fragen Tamara Grundstein mit den interessierten TeilnehmerInnen diskutiert.

Tamara Grundstein wies in ihrem Vortrag auf die Tatsache hin, dass Mädchen und Frauen mit Behinderungen Missbrauch und Gewalt wesentlich häufiger erleben als Mädchen und Frauen ohne Behinderungen. Die grüne Sozialsprecherin und Klubobfrau Christine Baur kennt die Problematik: „Sie werden ungefragt angefasst, geduzt und nicht ernst genommen. Wenn sie von anderen z.B. bei der Körperpflege abhängig sind, kommt es zu regelmäßigen Grenzüberschreitungen. In vielen Einrichtungen können behinderte Frauen nicht entscheiden, ob sie von einer männlichen oder einer weiblichen Betreuungsperson Unterstützung erhalten“, zählt Baur nur einige wenige Formen von Gewalt auf, die Frauen mit Behinderungen fast täglich erleben.

Oft müssten sie ungewollt in größeren Gruppen mit Menschen zusammenleben, die sie sich nicht ausgesucht haben. Aber auch in Paarbeziehungen würden Frauen mit Behinderungen oft Dominanz und Missbrauch erleben. „Von Kindheit an lernen sie, nicht anspruchsvoll zu sein und sich mit dem zufrieden zu geben, was sie bekommen“, weist Baur auf das Kernproblem hin.

Christine Baur kritisiert zudem, dass Tiroler Gewaltschutzeinrichtungen nur unzureichend für die Beratung und Unterstützung von Mädchen und Frauen mit Behinderungen vorbereitet seien: „Die meisten Beratungsstellen sind nicht barrierefrei zugänglich, die meisten MitarbeiterInnen haben keine spezifische Ausbildung für die Beratung von Menschen mit Behinderungen und es gibt fast kein Informationsmaterial in Leichter Sprache.“

Obwohl die Steuerungsgruppe „Opferschutz“ bereits im Juli 2010 dringend empfohlen habe, dass Opferschutzeinrichtungen für die Arbeit mit behinderten Menschen sensibilisiert und eingerichtet werden müssen, seien keine konkreten Schritte in diese Richtung erkennbar. „MitarbeiterInnen der einschlägigen Opferschutzeinrichtungen müssen für die Arbeit mit behinderten Frauen und Männern geschult werden. Darüber hinaus – und das erachte ich langfristig für besonders wichtig – müssen Mädchen und Frauen mit Behinderungen lernen können, wie sie sich in problematischen Situationen wehren können!“, fordert die grüne Klubobfrau Christine Baur abschließend.

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  • Genau um das geht es: um Empowerment von Kindheit an. Frauen-Beratungsstellen und Gewaltschutz-Häuser sollen eng mit Peer-BeraterInnen der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung zusammen arbeiten und auch von dort auch wichtiges Know how bekommen.