Gebärdensprachen in der EU

Brüsseler Deklaration am 19. November 2010 unterzeichnet

EU-Parlament
BilderBox.com

Der ungarische Jurist Ádám Kósa ist einer der wenigen gehörlosen Europäer, die eine parlamentarische Tätigkeit ausüben. In seiner Funktion als Abgeordneter des Europäischen Parlaments lud er zu einer eintägigen Konferenz ins Europäische Parlament in Brüssel, die er gemeinsam mit der Europäischen Union der Gehörlosen organisiert hatte.

Aus 30 Ländern (allen Mitgliedsländern plus Island, Norwegen und Schweiz) waren am Freitag, den 19. November die RepräsentantInnen der Gehörlosenverbände angereist, um sich zur gesetzlichen Anerkennung und Umsetzung von Gebärdensprachen-Rechten auszutauschen. Kommissärin Viviane Reding, Vize-Präsidentin der Europäischen Union, machte mit ihrer Anwesenheit und Rede zur Eröffnung des Ereignisses deutlich, wie wichtig das Thema ist.

Weiters waren die Präsidentinnen und Präsidenten der Weltunion der Gehörlosen, der Europäischen Union der Gehörlosen, des Weltverbands der GebärdensprachdolmetscherInnen und des Europäischen Forums der GebärdensprachdolmetscherInnen anwesend. Zahlreiche weitere TeilnehmerInnen, z.B. Prof. Dr. Christian Rathman von der Universität Hamburg, unterstrichen die Relevanz des Ereignisses durch ihre Anreise und Teilnahme.

Neben Ansprachen von gehörlosen ParlamentarierInnen aus Ungarn (Dr. Gergely Tapolczai) und aus Belgien (Helga Stevens) gab es einen einzigen Beitrag einer hörenden Linguistin, Dr. Csilla Bartha, der jedoch weit hinter den Erwartungen zurück blieb und keinerlei neue Einsichten präsentierte.

„Warum spricht hier eine Frau, die nicht einmal Gebärdensprachforscherin ist,“ fragten sich die rund um die Autorin sitzenden TeilnehmerInnen – u.A. gehörlose Linguisten aus Deutschland und Frankreich – und nutzten die Zeit, um zu plaudern. Die Zeiten, in denen man hörenden ExpertInnen höflich zusieht, wie sie sich verbreitern, sind eindeutig vorbei.

Schließlich schritt man zur Präsentation der von EUD und MEP Kósa sorgfältig vorbereiteten „Brüsseler Deklaration zu Gebärdensprachen in der Europäischen Union“ und alle anwesenden RepräsentantInnen – auch die beiden Präsidentinnen der Gebärdensprachdolmetsch-Vertretungen, die als wichtige Alliierte im Streben nach gesellschaftlicher Inklusion angesehen werden – unterzeichneten das Dokument.

„Die Brüsseler Deklaration ist ein wichtiges Dokument, um gebärdensprachrelevante Gesetzgebung in Europa voranzubringen,“ so Mark Wheatley, EUD-Geschäftsführer, „und es wird einerseits eine Orientierungshilfe für hörende EntscheidungsträgerInnen sein und andererseits ein wichtiges Werkzeug für Gehörlosenorganisationen und ihre nationale Arbeit.“

Zum Abschluss der Konferenz wurde das von der EUD herausgegebene Buch „Sign Language Legislation in the European Union“ kostenlos (!) an alle TeilnehmerInnen ausgegeben: Es stellt das derzeit aktuellste und vollständigste Werk mit einem gut strukturierten Überblick über die vielen verschiedenen europäischen Rechtslagen der Gebärdensprachen des Kontinents dar.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • Welche Botschaft wird da vermittelt, wenn man einer hörenden Repräsentantin nicht mehr „zuschaut“. Für mich eine Frage der Höflichkeit!

  • Ich bin selbst nicht gehörlos, aber anderweitig behindert. Muss sagen, die gehörlosen TeilnehmerInnen haben ein souveränes Selbstbewusstsein, was ihre Selbstvertretung angeht und das kann ich nur unterstreichen. Ich bin allerdings der Meinung, dass es vor allem darauf ankommt, WAS, wer, wann und wo „verzapft“ – ob es im eigenen Sinn unterstütztend ist oder nicht, wenn beim Redner/der Rednerin selbst keine Behinderung vorliegt. Für mich ist jede Sprache gleich viel wert.