„Ihre Spende hilft behinderten Menschen aus Österreich wieder zurück ins Leben“

Wenn ich Werbebotschaften wie diese lese, beginnt es mich zu frösteln - und zwar nicht wegen vorweihnachtlicher Witterungsverhältnisse.

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Abgesehen der Tatsache, dass sich das Menschenbild des bedauernswerten hilflosen Behinderten, das solche Werbekampagnen suggerieren, in meinem Alltag des öfteren hinderlich manchmal auch demütigend auswirkt, kommen mir da so einige Gedanken …

Das Werbeplakat der aktuellen „Licht ins Dunkel“ – Kampagne zeigt ein offenbar von Geburt an körperlich behindertes, tanzendes (?) Mädchen in Schienen und im Hintergrund jemand Nichtbehinderten, der ihr (am Boden hockelnd) die Hand entgegen streckt. Damit die Beinschienen deutlich sichtbar sind, trägt das Mädchen einen Minnirock. Um die „Trostlosigkeit“ ihrer Lebenssituation noch eindrucksvoller in Szene zu setzen, haben sich die Marketingstrategen ein zerknittertes Foto als „Bühne“ einfallen lassen. Es wird gerade von einer Hand geglättet.

Darunter prangt der Slogan „Ihre Spende hilft behinderten Menschen aus Österreich wieder zurück ins Leben“. Das erinnert mich nur an das Motto der vorweihnachtlichen Spendenaktion der Christoffel Blindenmission vor etwa zwei Jahren „blind sein oder leben“.

Ich möchte hier niemandem negative Absichten unterstellen. Dieses Menschenbild erhöht einfach die Spendenwirksamkeit und dies scheint das einzige Ziel der Werbespezialisten zu sein. Auch will ich keineswegs die Notwendigkeit von Augenoperationen oder anderen Hilfsangeboten in Frage stellen. Es ist unumstritten, dass alle Menschen von den medizinischen Möglichkeiten profitieren sollen.

Aber bei solchen Slogans fallen mir unweigerlich Schlagworte wie Pränataldiagnostik und Eutanasie ein. Ich bin prinzipiell eine Optimistin, das Leben behinderter Menschen als derart trist darzustellen führt, wenn auch wahrscheinlich nur unbewusst, zur Frage ob es überhaupt lebenswert ist …

Ich würde mir Menschen, die für den Sozialbereich Werbekampagnen erarbeiten mehr Feingefühl erwarten.

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0 Kommentare

  • was bedeutet „zurück ins leben“? leben wir den nicht???

  • Ja,wenn ich die ganzen Beiträge unten lese dann läuft mir ein Schauer über den Rücken!Meine Tochter, 18 Monate,hat SMA, dh spinale Muskelatrophie, unheilbar, im Volksmund Muskelschwund! Ich weiss von einer Internet Freundin, dass sie für ein Stehgerät für ihren Sohn, der ebenfalls SMA hat, 5000 Euro zahlen musste, weil die Krankenkasse die Kosten nicht übernahm! Ein Stehgerät ist jedoch gerade bei diesen Kindern sehr wichtig für die Knochen und auch für die Psyche! Das war nur ein Beispiel, auch diese Mutter hat nicht gebettelt sonder mußte zahlen,weil es um die Gesundheit des eigenen Kindes ging. Wo bleibt der Sozialstaat, wenn ein Kind,dass wirklich Hilfe braucht, ein Hilfsmittel braucht und dieses nicht unterstützt wird. Was soll eine Mutter in Karenz in diesem Fall tun? Zusehen wie das eigene Kind vor den eigenen Augen stirbt? Auch ich hatte so meine Bedenken wegen „Licht ins Dunkel“ aber wenn man selbst betroffen ist, denkt man anders, glauben sie mir. mfg Fr. Yildirim

  • ich bin überzeugt davon, dass unsere gesellschaftlichen, leider seit langem unhinterfragten Rahmenbedingungen dafür verantworlich sind, und wir alle auch die „Normalen“, die sich einreden lassen und mitspielen beim großen „Der Stärkere gewinnt und es geht nicht anders -Spiel“
    umso mutiger von Alexandra bei sich selbst anzufangen – und ich glaube die einzige Chance, die wir Menschen – ob behindert oder nicht – haben, wenn wir uns für menschliche Werte einsetzen wollen – jede/r muss für sich dahinterkommen, was das Leben eigentlich wert ist, und von wem ich mir das diktieren lasse,und auch, ob es wirklich verzeihlich ist, aus lauter Bequemlichkeit oder Angst wegzuschauen – es fehlt uns allen miteinander an Vertrauen in uns selbst – mit „Innenschau“ kann man dieser Lücke erfolgreich entgegentreten – sich beobachten, zu sich stehen und trotz allem ein Mensch(der diesen Namen auch verdient) bleiben zu wollen

  • Wer ist denn dafür verantwortlich, dass unsere behinderten Mitmenschen draussen sind aus dem Leben? Oft sind es wir (die Betroffenen) selbst – leider. Ich kann mich mit dieser Spendewerbung und Bildnis von behinderten Menschen nicht identifizieren, daher seh ich es bei weitem nicht so tragisch.

  • Dieses und viele andere Bilder sind ganz einfach Zeugnis vom Dunkel unserer Seelen – und da gehört ganz, ganz dringend Licht hinein – wie kommt es, dass es in unserer Gesellschaft, die sooo entwickelt und sooo reich ist, immer mehr kranke, arme, alte, junge, arbeitslose, unglückliche, Menschen gibt, die behindert werden und nicht zu unserer Gemeinschaft dazugehören – sonst müsste ich sie ja nicht integrieren – die klassenlose Gesselschaft ist möglich, wenn wir endlich anfangen den Wert des Lebens zu erkennen, nicht den des Kapitalismus und der Rechte der Stärkeren

  • Diese Bettelei halte ich für ekelig und sollte in einem gut funktionierenden Sozialstaat überflüssig sein. Mich würde mal sehr interessieren, wie hoch eigentlich die Einschaltquoten des ORF für diese Sendung sind, ob da nicht ein gewaltiger Brocken Eigenintersse dahintersteht?

  • Ach ja und der Chef von „Licht ins Dunkel“ hat doch tatsächlich gemeint, dass behinderte Frauen und Männer selbstbestimmt leben können müssen. Eine Aussage, die hoffen läßt. Vor zwei Jahren wären solche Worte noch nicht denkbar gewesen. Wir sollten weitermachen mit unserem Protest, hilft. Auch wenn es lange dauert.

  • und wenn wir uns dann über die Art der Darstellung beschweren sind wir wieder die beleidigten Leberwürste.

  • Mit Verlaub, ich sehe die Sache ein bisserl anders.Menschen, die nichts mit Behinderten zu tun haben, keinen Behinderten oder keine Behinderung kennen, machen halt manchmal Fehler. Aber Menschen die versuchen in irgendwelcher Form zu helfen, sind doch die besseren Zeitgenossen.
    Wäre der Staat nicht so sehr auf Finanzen bedacht, sondern mehr auf die soziale Notlage seiner Bürger, sähe die Sache anders aus. So macher Minister ist in der Südsee auf Uralub und auch bei uns haben Nichtbehinderte nach drei Jahren kein Geld für ein paar neue Schuhe, oder für Weihnachtsgeschenke.

  • „Ich würde mir Menschen, die für den Sozialbereich Werbekampagnen erarbeiten mehr Feingefühl erwarten“ Meine liebe Magdalena!! Feingefühl ist nicht rentabel – aber schlechtes Gewissen schon!! Alexandra

  • Achja, ich finde es eher ammüsant. Oder wann wurden jemals schon behinderte Menschen als selbständige, eigenständige und vor allem selbstdenkende Wesen dargestellt? – Nie … und das ist ja das Lustige an der Sache. Die Meisten lesen halt nunmal lieber die Krone und Bild und „bilden“ ihre Meinungen über Menschen – auch wenn es sehr weit von der Wahrheit entfernt ist. Licht ins Dunkel schafft es aber jährlich Unmengen an Gelder aufzustellen (Spenden an die armen Hascherln), um eben Projekte am Leben zu halten oder ins Leben zu rufen. Es muss ja nicht der eigene Geschmack oder Bedürfnis entsprechen, aber ist halt so. Ich lach mich halb tod, wenn ich „arme“ Kinderlein im Rollstuhl sitzend in die Kamera schniefend auf Mitleidsmasche machend, sehe. Aber es funktioniert, es hat immer schon funktioniert und es wird auch immer funktionieren. Warum sollten Leute für einen behinderten Menschen spenden, der ohnehin alles sagen und fordern kann, was er will? Da fühlt sich ja die breite Masse verarscht? „Ich spende halt lieber für die armen Hascherln, als für die armen aussterbenden Pandabären!“ – das ist ja ein Argument, gell? Ich würde mir daher über solche „Aktionen“ eher weniger Sorgen machen – eher darüber schmunzeln – immerhin heiligt der Zweck die Mitteln – und wenn es um die Würde behindeter Menschen geht, dann geht man doch über Leichen – oder?

    Also, nur keine grauen Haare wachsen lassen. Freuen wir uns lieber darüber, dass wir in der wunderbaren Position sind und die Krone-Bild-Leser mit unserer selbstbewussten Art zu überraschen. Wäre doch echt schade, wenn die uns auch noch gleich wie ihre Mitmenschen behandeln würden. Da wäre der Gag weg … und diesen Trumpf sollten wir uns für harte Zeiten aufsparen. In diesem Sinne … Alexandra

  • Alle Jahre um die Weihnachtszeit steigt die Spendenfreudigkeit, Licht ins Dunkel ist der Hit, da macht man ja so gerne mit, ein Griff ins Börsel man ist dabei, kauft sich fürs nächste Jahr wieder frei, und daß sich Menschenliebe nennt. FROHE WEIHNACHT!