„Inklusive (Aus-) Bildung – ohne wenn und aber“

Seit den Jahren 1993 und 1997 haben Eltern das Recht zwischen einer Integrationsklasse oder einer Sonderschule zu wählen.

Integration Wien
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„Es ist höchste Zeit für eine Schule für alle Kinder und Jugendlichen und zwar bis zum Ende der Sekundarstufe II“ fordert Fritz Neumayer, Vorstandsmitglied des Vereins ‚Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen – Integration Wien’, und schließt sich damit dem gestrigen beim Pressefrühstück der Lebenshilfe Österreich präsentierten Stufenplan zur inklusiven Schule an.

Seit den Jahren 1993 und 1997 haben Eltern das Recht zwischen einer Integrationsklasse oder einer Sonderschule zu wählen. Die Erfahrungen in der Beratungsstelle für (Vor-) Schulische Integration des Vereins Integration Wien zeigen jedoch, dass Eltern, nach wie vor, in vielen Fällen unzureichend über gesetzliche Grundlagen zur schulischen Integration und Angebote informiert und aufgeklärt werden.

Insbesondere bei Kindern mit einer intellektuellen Beeinträchtigung oder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf ist auffallend, dass sie vermehrt Sonderpädagogische Zentren, insbesondere in der Sekundarstufe I, besuchen.

„Eltern werden dahingehend beraten, dass ihre Kinder in Sonderpädagogischen Zentren bessere Rahmenbedingungen wie z.B. kleinere Klassen, mehr Lehrpersonal, die Möglichkeiten zur Therapie, Hallenbad u.a. vorfinden, und somit besser gefördert werden können“, so Neumayer.

In vielen Beispielen zeigt sich, dass schulische Integration so wie in ihrer Ursprungsidee gedacht, nicht mit der entsprechenden Qualität und Haltung umgesetzt wird.

Dies zeigt sich daran, dass teilweise ein Ausschluss von SchülerInnen mit Sonderpädagogischem Förderbedarf stattfindet, SchülerInnen in separaten Räumen unterrichtet werden, sich nicht beide LehrerInnen für alle Kinder verantwortlich fühlen, dass Nachmittagsbetreuung fehlt, etc. „Von einem Wahlrecht kann in diesem Zusammenhang nicht die Rede sein“, setzt Neumayer fort.

Dass eine „Schule für alle“ funktionieren kann, zeigen einige Schulstandorte, die auch als „Best-Practice-Beispiele“ gelten. In diesen Schulen werden zumeist Mehrstufenklassen geführt, differenzierter und individualisierter Unterricht, projektorientiertes Arbeiten sowie Arbeit im Team sind selbstverständliche Teile des gelebten Schullalltags.

„Mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Oktober 2008 bekennt sich Österreich zu einem inklusiven Bildungssystem. Dabei ist der Begriff ‚Bildungssystem’ umfassend zu verstehen und beinhaltet nicht nur Schulen, sondern alle Einrichtungen, die einen Bildungsauftrag haben – von Einrichtungen der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung bis hin zur universitären Weiterbildung, Erwachsenenbildung, lebenslangem Lernen u.a.“ – so Neumayer.

„Dazu reicht es aber nicht aus, lediglich gesetzliche Grundlagen zu schaffen, sondern notwendige pädagogische Konzepte, Ressourcen, und Rahmenbedingungen bereit zu stellen. Es ist unabdingbar, dass alle Kinder und Jugendlichen schulische (Aus-) Bildung erfahren, um selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Inklusive (Aus-) Bildung für alle – und zwar ohne Wenn und Aber“, fordert Neumayer.

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0 Kommentare

  • Dieses „Wahlrecht“ sieht in Wirklichkeit so aus, dass man das Kind in die nach Sprengel zugeordneten SPZ Klassen geben MUSS, sonst hat man die grössten Probleme, wenn man als Eltern nur in Erwägung zieht, dass man eine andere Schule für das eigene Kind gewählt hätte. Da wird nicht gefragt, da hat man Pech! So siehts in Wirklichkeit aus!
    Auch ich hätte beim Schuleintritt meiner Tochter eine andere Schule gewählt, wurde aber sofort aufgeklärt, dass meine Tochter in das SPZ gehen MUSS, weil sonst die Schule zusperren müsste, weil sonst zu wenig Kinder sind. Dass in dieser Schule natürlich kein Nachmittagsbetrieb ist- im Gegensatz zur anderen mir gewählten Schule, muss ich hinnehmen ob ich will oder nicht- ich kann mich sowieso nicht wehren. Auch der Betreuungsschlüssel lässt zu wünschen übrig, so sind z.B. in dieser Schule mehrere Kinder, die eine 1:1 Betreuung nötig hätten, diese aber nur für aufgerechnet 6 Stunden in der Woche bekommen, weil das Budget es nich anders zulässt. S
    o werden Kinder unter teilweise für die Lehrer fast nicht machbaren Bedingungen unterrichtet, und man wird gleich als Mutter gefragt, wie man sich das eigentlich vorstellt, wenn man „verlangt“ dass das Kind mit der Notwendigkeit einer 1:1 Betreuung auch wie die anderen Kinder, die weniger Beaufsichtigungsnotwendigkeit haben ebenso in der Zeit beaufsichtigt werden würde, wenn sie auf den Bus warten müssen. Solange man keine Alternative hat selbst zu wählen, wo das Kind zur Schule geht, muss man das so hinnehmen, obwohl es manchmal zum heulen ist. Die paar Stunden die meine Tochter ins sonderpädagogische Zentrum „darf“ sind aber wirklich super, die Lehrerinnen bemühen sich sehr und meiner Tochter geht es sehr gut dort. Der Betreuungsschlüssel wird auch von MEnschen vorgeschrieben, die keine Ahnung haben, wieviel aufwand die einzelnen Kinder bedeuten, da haben auch die Lehrer keine Chance sich dagegegen zu wehren!