Christine Lapp

Lapp: Regierung muss sich Gesamtpaket für Pflege überlegen

Pflegende Angehörige müssen mehr Unterstützung bekommen - Pflegegeld regelmäßig valorisieren

„Die Bundesregierung muss sich ein Gesamtpaket überlegen“, wie die zukünftigen Anforderungen im Bereich der Pflege bewältigt werden können, verlangte SPÖ-Behindertensprecherin Christine Lapp am Donnerstag in einer Pressekonferenz.

Oberste Maxime einer umsichtigen und vorausschauenden Politik wäre eine möglichst lange Erhaltung der Gesundheit, der Unabhängigkeit und der Mobilität, um ein sanftes Altern zu ermöglichen, erklärte die SPÖ-Behindertensprecherin. Ein besonderes Anliegen ist Lapp die Unterstützung pflegender Angehöriger: Zentrale Forderung ist, dass die derzeitig begünstigte Weiterversicherung in der Pensionsversicherung auch in Kombinationen zwischen Teilzeitarbeit und Pflege von Angehörigen möglich sein soll. Zudem fordert Lapp eine regelmäßige Valorisierung des Pflegegeldes.

Viele Teile der Gesellschaft fürchten, dass ein rasches Ansteigen des Durchschnittsalters der Bevölkerung zu einer nicht beherrschbaren Kostenexplosion bei Gesundheitsversorgung und Sozialversicherung sowie bei Betreuung und Pflege führen könnte, stellte Lapp fest. Natürlich würde eine zunehmend ältere Bevölkerung höhere Anforderungen an diesen Bereich stellen und auch stärker einfordern. Jedoch müsse der zum Teil betriebenen „Panikmache“ aus Sicht der SPÖ-Behindertensprecherin ein „Riegel vorgeschoben werden“.

Notwendig sei vor allem, Voraussetzungen zu schaffen: Innovationen, gute Vorausplanungen und übergreifendes Zusammenwirken der einzelnen Bereiche könnten gerade in Betreuung und Pflege Schreckensszenarien vermeiden, betonte Lapp.

Ganz wesentlich ist für die SPÖ-Behindertensprecherin die Unterstützung pflegender Angehöriger. Aus Untersuchungen geht hervor, dass zu 80 Prozent Frauen ihre Angehörigen pflegen, mehr als die Hälfte ist dabei zwischen 40 und 60 Jahre. 44 Prozent arbeiten mehr als 30 Stunden, knapp 60 Prozent sind teilzeitbeschäftigt. In einer empirischen Erhebung geben erwerbstätigen Angehörigen eine starke Beanspruchung an, weil sie Erwerbsarbeit und Pflegearbeit alleine meistern müssen. Bei drei Viertel aller Befragten sind mobile Dienste ergänzend tätig, dann verringert sich auch die Belastung für die Angehörigen.

Zur Zeit gibt es an Unterstützung für pflegende Angehörige die begünstigte Weiterversicherung in die Pensionsversicherung für jene Personen, die einen nahen Angehörigen ab Pflegegeldstufe 3 bis 7 pflegen und aus dem Erwerbsleben aussteigen, erläuterte die SPÖ-Behindertensprecherin. Weiters gibt es eine begünstigte Selbstversicherung bei Pflege eines behinderten Kindes im gemeinsamen Haushalt. Dann gibt es noch die Familienhospizkarenz bis zu sechs Monate, wobei hier das Problem sei, dass es keinen Anspruch auf finanzielle Absicherung gibt.

Zentrale Forderung der SPÖ ist ist, dass die derzeitig begünstigte Weiterversicherung in der Pensionsversicherung auch in Kombinationen zwischen Teilzeitarbeit und Pflege von Angehörigen möglich sein soll, unterstrich Lapp. Derzeit müssen pflegende Angehörige ganz aus dem Erwerbsleben aussteigen, um eine begünstigte Weiterversicherung in die Pensionsversicherung zu erhalten. Weiters müssten Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige durch flankierende Maßnahmen wie etwa Schaffung von unbürokratisch zugänglichen Unterstützungsangeboten (Urlaubsbetreuung, Tageszentren, Kurzzeitpflege,..) geschaffen werden, fordert Lapp.

Überdies dürfe die vermehrte Betreuung zu Hause nicht zu Lasten der Eigenständigkeit von Frauen gehen, sondern es soll Männern wie Frauen ermöglicht werden, Erwerbstätigkeit und Pflege zu vereinbaren, machte die SPÖ-Politikerin deutlich. Überdies sei eine Erweiterung (Verlängerung und bessere finanzielle Absicherung) der Familienhospizkarenz notwendig.

Aus Sicht der SPÖ müsse das Augenmerk außerdem auf die Gesundheitsprävention gelegt werden, erklärte Lapp. Wichtig sei auch, durch notwendige Infrastruktur eine barrierefreie Umwelt zu ermöglichen, die auch altersgerechte Bedürfnisse abdeckt (Bauvorschriften, Infrastruktur, mehr Förderungen für bauliche Adaptierungen usw.).

Besonderen Wert legt die SPÖ-Behindertensprecherin auch darauf, dass Informationsveranstaltungen zum Thema Pflege (Pflege für zu Hause – von Profis lernen, Pflegestammtische – Infoaustausch von betroffenen Angehörigen) angeboten werden. „Damit soll verhindert werden, dass für Betroffene die Pflege von Angehörigen ein Sprung ins kalte Wasser wird“, so Lapp abschließend.

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0 Kommentare

  • Die finanzielle Absicherung der Angehörigen ist sicher ganz wichtig. Es wird jedoch leider übersehen, dass behinderte Menschen, die von Geburt an behindert sind, nur die doppelte Familienbeihilfe bekommen. Das ist zu wenig und somit werden die Angehörigen zusätzlich belastet!

    Wenn ein behinderter Mensch um einen Zuschuß für ein Hilfsmittel ansucht, wird der Angehörige miteinbezogen und zahlt daher wieder indirekt mit! Es wird von jedem, der im gemeinsamen Haushalt lebt, eine Einkommemsbestätigung verlangt und mit berechnet. Um so höher das Gesamteinkommen ist, desto weniger zahlen die Ämter für Hilfsmittel, auch wenn ich als Ansuchender nur die Familienbeihilfe bekomme!

    Meines Wissens, ist Wien das einzige Bundesland, das jedem eine Pension oder Rente bezahlt. Das finde ich sehr gut!!!! BEHINDERTE MENSCHEN BRAUCHEN ENDLICH EINMAL EIN EIGENES EINKOMMEN, sodass sie finanziell nicht mehr von den Angehörigen abhängig sind!!!!!!!!!!