Lektion 13: Soziales Lernen

Nachhilfe für einen Sektionschef: So geht Inklusion in der Schule

Genug versucht - nun Gesetz umsetzen
Orschulik f. Monitoringausschuss

Sehr geehrter Herr Mag. Nekula,

ein zentraler Punkt bei schulischer Integration ist das soziale Lernen. Dieses steht im Mittelpunkt der heutigen Lektion von „So geht Inklusion in der Schule“.

Die Entwicklung von Gemeinsamkeit in Schulklassen ist ein komplexes Geschehen. Es ist vom Lernen von Nähe und Distanz geprägt, davon, wie Kinder sich selbst sehen und wie sie von anderen gesehen werden. Diese beiden Perspektiven müssen immer wieder neu verhandelt werden, oder, wissenschaftlich ausgedrückt, es geht um Identität, um das Eigene und das Fremde.

Eine inklusive Schule, die auf gemeinsames Handeln der Kinder setzt, bietet einen verlässlichen Rahmen dafür, dass soziales Lernen zwischen behinderten und nichtbehinderten Kindern stattfinden kann. Reinhard Markowetz (1998) beschreibt mehrere Stufen dieses Lernprozesses. Zuerst geht es darum, sich selbst und die anderen zu entdecken, sich auf einander einlassen.

Oft folgt ein Aneinandergeraten: Gegensätze werden wahrgenommen, Verschiedenartiges, Abweichungen, Bedürftigkeit, Hilflosigkeit, Schwäche werden ausgemacht. Es gibt bisweilen schmerzhaftes, nicht angenehmes Austragen, aber auch Durchstehen von Turbulenzen, Streit und Verletzungen. Dieses Ausleben von Selbst- und Fremdwahrnehmungen ermöglicht ab einem gewissen Punkt ein Nachspüren, das zu einem Abbröckeln von Gegensätzlichkeiten führt. So kann nun nachgearbeitet werden, Gespräch und Dialog sind möglich. Durch gemeinsames Handeln und Leben verändern sich die Selbst- und Fremdbilder.

Soziales Lernen ist damit noch nicht zu Ende, es kommt zu neuen Krisen. Probleme und Konflikte tauchen auf, können nun aber besser verstanden werden. Es entwickeln sich ausreichendes Verständnis und Haltungen von gegenseitiger Fürsorge, die Ansätze einer Kultur der Gemeinsamkeit. Krisen sind also nicht grundsätzlich Störungen für das Lernen, sondern im Gegenteil charakteristisch für Lernen und Kreativität in sozialen Beziehungen.

Kinder, die mit entsprechender Unterstützung gelernt haben, derartige Krisen in heterogenen Gruppen zu durchleben und zu bewältigen – Markowetz nennt das „dialogische Validierung“ – sind sozial viel sicherer und erfolgreicher als Kinder, die voneinander getrennt werden. Dies lässt sich auch empirisch belegen.

Selbstverständlich betrifft das beschriebene soziale Lernen nicht nur die Kinder, sondern auch alle an einer inklusiven Schule beteiligten Erwachsenen.

Wir empfehlen, den ganzen hier knapp zusammengefassten Text zu lesen:

Reinhard Markowetz (1998): Dialogische Validierung identitätsrelevanter Erfahrungen – ein Konzept zur Entstigmatisierung von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen als Gegenstand und Ziel einer integrativen Pädagogik. (Im Internet)

Mit freundlichen Grüßen
Petra Flieger und Volker Schönwiese

Teil der Serie: So geht Inklusion in der Schule

Dieser Text ist Teil der Serie „Nachhilfe für einen Sektionschef: So geht Inklusion in der Schule„. Mit dieser Informations- und Materialsammlung soll Wissen zur Umsetzung von inklusiver Bildung vermittelt werden.

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0 Kommentare

  • Die Wichtigkeit des sozialen Lernens darf nicht unterschätzt werden. Ich denke, dass man Aspekte des sozialen Lernens stets in den regulären Unterricht einbauen kann. Zudem macht es den Kindern Spaß, da es einen auflockernden Effekt hat soziale Spielen zwischendurch durchzuführen. Ihnen ist hier die Möglichkeit gegeben, sich gegenseitig und auch sich selbst besser kennen zu lernen. Für Kinder ist dies besonders wichtig, um sich in der Zukunft im sozialen Gefüge gut zurecht zu finden.

  • man mag bei alternativer pädagogik, wie etwa walorfpädagogik, genug angriffsfläche finden.
    was jedoch diese pädagogik mit abstand am besten vermittelt ist soziale kompetenz. der klassengemeinschaft wird hier große bedeutung zugemessen und von anfang an vermittelt und gefördert. das kind lernt dadurch automatisch soziale kompetenz, wie etwa solidarität, auch auf die gesamte gesellschaft anzuwenden.
    der „klassenkreis“ am ende der woche bietet jedem kind die möglichkeit, mut und unmut zu äußern.

    waldof-schülerInnen sind ganz besondere menschen in Bezug auf sozialer kompetenz …!

  • Acho… Die sozialen Kinder vom Spielplatz… Noch dazu unglaublich kreativ… 😉

  • Soziales Lernen geschah früher am Spielplatz oder im Versteckspielen mit den Nachbarskindern. Einigen Kindern fehlen heute diese Möglichkeiten der
    Kommunikation. Unser Leben wird immer hektischer und der Terminkalender ist von Woche zu Woche voller.
    Das Spielen der Kinder mit gleichaltrigen Kindern kommt da meist zu kurz.
    Die sozialen Fähigkeiten sollen von den Kindern nun im Bereich „Soziales Lernen“ erarbeitet werden.
    Schön wäre es wenn die Kinder viel mehr dieser Fähigkeiten von zuhause mitbekommen würden, doch nicht immer ist dies der Fall.
    Da die Spiele fürs soziale Lernen sehr spannend und Spaß betont sind, kann man sie gut in den Unterricht einbauen und hat dabei noch einen
    großen Lerneffekt im Bereich „Sozials Lernen“.

  • Soziales Lernen ist in keiner Schule wegzudenken! Es ist für die Kinder besonders wichtig, dass sie möglichst viele Erfahrungen im Bereich soziales Lernen machen. Die Kinder müssen lernen, dass sie auch manchmal gemeinsam Turbulenzen bewältigen müssen. Vor allem ist es auch wichtig, dass sie ihre eigenen Stärken und Schwächen wahrnehmen und erkennen. Für zukünftige LehrerInnen sollte das soziale Lernen einen wichtigen Bestandteil darstellen.

  • Viele Kinder brauchen die Erfahrung, dass jemand für sie da ist und wertschätzt.
    So können sie lernen sich selbst anzunehmen und ihre eigene Stärken und Schwächen zu erkennen.

    Ich denke, dass Soziales Lernen aus einem zukunftsorientierten Unterricht nicht mehr wegzudenken ist.
    Da Eltern oftmals nicht die Zeit haben sich damit eingehend zu beschäftigen, liegt es in der Hand der Lehrperson die Kinder dahingehend zu fördern.

    Durch Soziales Lernen sammeln Kinder Erfahrungen im Umgang miteinander, werden dadurch psychisch gestärkt.
    Vor allem in dieser immer schneller werdenden Welt, in der immer mehr Leistung erwartet wird, brauchen die Kinder eine starke emotionale Fundierung.
    Daher sollte Soziales Lernen ein wichtiger Baustein des Unterrichts sein.

  • Soziales Lernen ist ein Bereich, welcher in keiner Schule fehlen sollte. Wenn Kinder in diesem Bereich gefördert werden, wird ihr Zukunft und ihr restliches Leben viel einfacher sein, da sie „stabil“ sind.
    Jeder der denkt, dass man für Soziales Lernen keine Zeit hat, ist meiner Meinung nach im Unrecht, da man es ein Bereich ist, welchen man immer und überall einsetzen kann!

  • Gerade auch für Kinder, die schon im Bereich der Elementarpädagogik in den Genuss der Vielfaltigkeit kommen, ist es immer eine Bereicherung ihres Erfahrungsschatzes.

    Im Gegensatz zu den vielen Erwachsenen mit ihren vorgefassten Meinungen haben Kinder keine Schwierigkeiten, sich anzunehmen und liebevoll miteinander umzugehen. Kinder sind sich dessen voll bewusst, dass sie Individuen sind.

    Deshalb so früh wie möglich beginnen und Inklusion auch im Alltag leben – Eltern/Erziehungsberechtigte haben Vorbildwirkung.

  • Auch ich habe in meinen Praxisstunden während meinem Studium schon oft erlebt, wie sehr Kinder zusammenwachsen können, wenn sie gemeinsam „sozial“ lernen und sich einander entdecken können.

    Hierbei wird nicht nur aufgedeckt, dass jedes Kind individuell und anders ist, sondern jedes Kind versteht auch, dass es gut so ist, wie es ist. Jeder darf so individuell sein, wie er möchte und ich finde, dass wir (zukünftigen) LehrerInnen des Öfteren dieses „soziale Lernen“ in den Unterricht mit einbeziehen sollten, damit der Klassenzusammenhalt entsteht bzw. bestehen bleibt.