Lektion 15: Schulintegration aus Kindersicht

Nachhilfe für einen Sektionschef: So geht Inklusion in der Schule

Genug versucht - nun Gesetz umsetzen
Orschulik f. Monitoringausschuss

Sehr geehrter Herr Sektionschef,

im Allgemeinen diskutieren, ja streiten vor allem Erwachsene über die Frage, ob und wie Kinder mit Behinderungen in der Schule integriert werden sollen.

In unserer letzten Lektion vor der Sommerpause rücken wir die Perspektive von Kindern in den Mittelpunkt. Wie erleben sie den Alltag in einer Integrationsklasse? Und was denken sie nach ein paar Jahren Integrationserfahrung darüber?

Wir empfehlen dafür zwei Texte, zufälligerweise beide aus dem Jahr 1996, beide in bidok wiederveröffentlicht und daher sehr gut zugänglich. Den ersten, kürzeren Text hat Petra Flieger auf der Basis von Interviews verfasst, die sie mit ihren eigenen SchülerInnen nach knapp vier Jahren Integration in der Volksschule geführt hat. Die Kinder beschreiben darin, wie sie ihre Mitschülerin Ana, ein Kind mit sogenannter schwerer geistiger Behinderung, erleben und erlebt haben.

Besonders bemerkenswert ist die nachdenkliche Betrachtung einer 10-jährigen Mitschülerin, die über Ana sagt: „Früher hat sie nicht reden können, oder wir haben sie vielleicht auch nicht so gut verstanden.“

Der Text „Biene, Biene, Honigbiene. Ana – Integration aus Kinderperspektive“ kann hier nachgelesen werden.

Der zweite Text stammt von Ines Boban, die auch selbst viele Jahre in Integrationsklassen gearbeitet und dabei viele Gespräche mit SchülerInnen geführt hat. Sie erläutert u.a. Fragen der Integration in der Sekundarstufe 1 und lässt an vielen Stellen Jugendliche ausführlich zu Wort kommen. Boban reflektiert differenziert Hoch- und Tiefphasen des Gruppen- und Zugehörigkeitsgefühls, Spannungen zwischen den Jugendlichen und ihre Identitätssuche.

Die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Klassengemeinschaft führt, so Boban, zu einer hohen Qualität der Pädagogik in Integrationsklassen für alle SchülerInnen. Ein Jugendlicher drückt das am Ende seiner Schulzeit so aus: „Ja, wie soll ich sagen, hier wird einander wirklich zugehört und man geht mit Konflikten viel konstruktiver um, als ich das aus meiner alten Klasse gewohnt war. Und, also ich will hier jetzt keine Bonuspunkte sammeln, aber das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Schülern ist schon auch sehr anders, sehr gut – hoffentlich wißt ihr, wie gut ihr das habt, auch so mit der Sozialpädagogin und so. Man wird eben einfach sehr ernst genommen als Person, habe ich das Gefühl.“

Der Text „Voll peacy!?!“ – Integration aus der Sicht der SchülerInnen von Ines Boban kann hier nachgelesen werden.

Wir wünschen Ihnen erholsame Sommerwochen und werden die Nachhilfe ab Mitte August fortsetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Flieger und Volker Schönwiese

Teil der Serie: So geht Inklusion in der Schule

Dieser Text ist Teil der Serie „Nachhilfe für einen Sektionschef: So geht Inklusion in der Schule„. Mit dieser Informations- und Materialsammlung soll Wissen zur Umsetzung von inklusiver Bildung vermittelt werden.

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0 Kommentare

  • Sehr toll, dass auch mal Kinder danach gefragt wurden, wie sie sich fühlen. Meist wird ja nur über ihren Kopf hinweg entschieden.

    Die beiden Texte lassen klar erkennen, dass die alle Kinder bereits sehr viele Erfahrungen im Umgang miteinander gemacht haben und die Fortschritte bewundern. Ich denke, dass Integration die bestmögliche Lösung für alle ist. Wie im Text der Junge sagt “ Sonderschulen sind wohl die hirnrissigsten Ideen“… viel dazu muss man wohl nicht mehr sagen.