Lektion 19: LehrerInnen erforschen ihren Unterricht

Nachhilfe für einen Sektionschef: So geht Inklusion in der Schule

Nina überwindet Schranken und Grenzen
Bews, Susanna

Sehr geehrter Herr Mag. Nekula,

wir haben in den vergangenen Lektionen vielfach darauf hingewiesen, wie viel Erfahrung in Österreich schon zur Praxis der schulischen Integration/ Inklusion existiert.

Diese Praxis ist mit unterschiedlichsten und lange etablierten Zugängen zu Entwicklungstheorie verbunden. Namen wie Maria Montessori, Celestin Freinet, Paolo Freire sowie die grundlegenden Entwicklungstheorien von Alexej Leontjew sind hier zu nennen.

Diese jetzt genannte Auswahl stammt aus dem Buch von Susanna Bews: „Integrativer Unterricht in der Praxis. Erfahrungen, Probleme, Analysen“, das 1992 in Österreich (Studienverlag) erschienen ist. Es zeigt, wie schon vor über 20 Jahren in Österreich LehrerInnen selbst ihren Unterricht erforscht und die Kluft zwischen Theorie und Praxis überwunden haben.

Bews schreibt „Die hier exemplarisch skizzierten Theorien, wie Lernen stattfindet und welche grundsätzlichen Bedingungen geschaffen werden müssen, um pädagogisch sinnvoll unterrichten zu können, stimmen in einigen wesent­lichen Fragen überein:

  • Eigentätigkeit von Schüler und Lehrer
  • Lernen durch Aktivität und Handeln
  • Beachtung der Selbstbestimmtheit
  • Subjektbezogenes Lernen
  • Lernen durch Emotion
  • Das dialogische Schüler-Lehrer-Verhältnis
  • Die radikale „Wende hin zum Schüler“ (FEUSER)
  • Aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt
  • Umdenken des herkömmlichen Leistungsbegriffes.“ (Bews, S. 77)

In dem Buch reflektiert Bews anhand unzähliger Protokollaufzeichnungen die Praxis der Teamarbeit, die Unterrichtsgestaltung und die Entwicklung von Kindern.

Da gerade Nationalfeiertag war, empfehlen wir aktuell aus dem Buch den Bericht und die Reflexion über einen Lehrausgang über die Ringstraße in Wien, wobei die Schulklassen auf Parade übende Soldaten des Bundesheeres treffen. Ein Kind erforscht dabei aktiv die Situation (Bews S. 96 ff, siehe das Foto in groß).

Dieses „LehrerInnen erforschen ihren Unterricht“ ist als Handlungs- oder Aktionsforschung bekannt. „Aktionsforschung ist Forschung, die von den direkt Betroffenen einer sozialen Situation betrieben wird. Im Falle der ‚sozialen Situation Unterricht‘ sind das zunächst einmal die Lehrer, weil sie berufliche Verantwortung tragen“. So zitiert Bews (139f) die beiden österreichischen Wissenschaftler Posch und Altrichter, die zu den Pionieren der Handlungsforschung in Österreich zählen. Verantwortung für alle Kinder zu tragen, Kinder willkommen zu heißen ist dabei der entscheidende Grundsatz.

Heute empfehlen wir, dieses überzeugende Buch zu lesen:
BEWS, Susanna: Integrativer Unterricht in der Praxis. Erfahrungen, Probleme, Analysen. Innsbruck (Studienverlag) 1992

Mit freundlichen Grüßen
Petra Flieger und Volker Schönwiese

Teil der Serie: So geht Inklusion in der Schule

Dieser Text ist Teil der Serie „Nachhilfe für einen Sektionschef: So geht Inklusion in der Schule„. Mit dieser Informations- und Materialsammlung soll Wissen zur Umsetzung von inklusiver Bildung vermittelt werden.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich denke wir haben in Österreich so viele Ressourcen, die wir nicht nutzen.
    Wieso werden immer mehr Schulen auf dem Land geschlossen, während in der Stadt Familienklassen gebildet werden?
    Wieso gibt es nicht mehr grüne Klassen?
    Es gibt manchmal nichts das von Leben weiter entfernt ist als Unterricht an manchen Schulen.