Lektion 20: Es läuft was falsch in Österreich

Nachhilfe für einen Sektionschef: So geht Inklusion in der Schule

Statistik: immer mehr und mehr
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Sehr geehrter Herr Sektionschef,

mit dieser, der 20. Lektion beenden wir unser Nachhilfeprojekt zum Thema Inklusion in der Schule.

Wir nehmen die aktuelle Veröffentlichung der Schulstatistik der Statistik Austria zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass in Österreich die Anzahl der SonderschülerInnen seit über zehn Jahren im Steigen begriffen ist.

Die neue Schulstatistik zeigt, dass die Sonderschulen in Österreich auch im Schuljahr 2012/13 einen Zuwachs an SchülerInnen verzeichnet haben, obwohl die GesamtschülerInnenzahl deutlich gesunken ist: 2012/13 besuchten 13.809 Kinder und Jugendliche eine Sonderschule, im Schuljahr 2011/12 waren es 13.748. Je höher die Schulstufe ist, desto mehr SchülerInnen besuchen eine Sonderschule.

Zu diesem Schluss kommt auch der Nationale Bildungsbericht aus dem Jahr 2012, in dem es heißt: „Betrachtet man die einzelnen Schulstufen, so erhöht sich in allen Bundesländern der Anteil der Sonderschüler/innen im Verlauf von der ersten zur achten Schulstufe kontinuierlich; im Bundesdurchschnitt von 0,9 % in der 1. Schulstufe auf 2,3 % in der 8. Schulstufe. Das zeigt, dass im Schulsystem fortwährend Schüler/innen mit SPF aus dem Regelschulwesen ausgeschieden werden.“ (Nationaler Bildungsbericht 2012, Band 1, S. 90).

Immer wieder erfahren wir, dass neue Sonderschulen gebaut werden oder bestehende mit großem finanziellen Aufwand renoviert werden. Einen Überblick über diese Entwicklung gibt es nicht, denn die Kompetenz für den Bau und die Erhaltung von Schulbauten ist in Österreich extrem zersplittert. Gleichzeitig erfolgt die Verbesserung der Barrierefreiheit vor allem an Pflichtschulen nur außerordentlich schleppend und es kommt regelmäßig vor, dass Kinder und Jugendliche eine Schule aufgrund mangelnder Barrierefreiheit nicht besuchen können.

Erst kürzlich haben wir von einem Jugendlichen erfahren, der aufgrund der Tatsache, dass eine Berufsschule nicht barrierefrei ist, eine andere als seine ursprünglich absolvierte Ausbildung absolvieren musste. Wir sind davon überzeugt, dass in Österreich weitaus mehr Ressourcen in den Erhalt von Sonderschulen als in die Barrierefreiheit von allgemeinen Schulen investiert werden. So wird Aussonderung fortgeschrieben und einzementiert, Inklusion wird aktiv behindert.

Die Nachhilfe-Lektionen haben deutlich gemacht, dass es eine Fülle an Wissen und Erfahrungen für eine erfolgreiche Praxis der Inklusion gibt. Es liegt an uns allen, dieses Wissen zu nützen und nachhaltig im österreichischen Bildungssystem zu verankern. Damit die systematische Aussonderung und Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen endlich beendet wird.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Flieger und Volker Schönwiese

Teil der Serie: So geht Inklusion in der Schule

Dieser Text ist Teil der Serie „Nachhilfe für einen Sektionschef: So geht Inklusion in der Schule„. Mit dieser Informations- und Materialsammlung soll Wissen zur Umsetzung von inklusiver Bildung vermittelt werden.

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0 Kommentare

  • Und meine Hoffnung auf Veränderung – auch unter der neuen Bildungsministerin – schwindet, nachdem es keine wirklichen politischen Zeichen für eine Inklusion im Bildungsbereich bei uns in Österreich gibt!

  • Als aller Erstes einmal ein sehr großes Lob an die fleißigen und tatkräftigen Verfasserinnen und Verfasser dieser Beiträge und ein noch größeres Danke. Sehr stichhaltig und komprimiert werden hier die bedeutendsten Fakten über Inklusion zusammengefasst. Die Einfachheit und Kürze in der Sprache stellt dabei sicher dass sie wichtigsten Eckpunkte und Grundidee der Inklusion auf eine für Jedermann verständliche Weise dargelegt werden. Doch nun konkret:
    Nach dem Motto, das Beste kommt zum Schluss arbeite ich mich gezielt vom letzten bis zum ersten Beitrag durch. Doch hier am Schluss angefangen muss ich feststellen, dass hier keineswegs das BESTE auf mich wartet. Stattdessen werden in dem Text nüchtern die schockierenden Ergebnisse über die stetig steigenden Zahlen von Sonderschülerinnen und Schüler dargelegt. Man möchte meinen dass nach so vielen Jahren des Kampfes und der ewigen Diskussionen die Idee der Integration endlich Fuß gefasst haben sollte in einem der vermeintlich doch „fortschrittlichsten“ Länder der Erde. Doch wie heißt es so schön, die Zahlen lügen nicht! Immer weiter bergab ging es mit dem Ruf des SPF, gar ins Gegenteil wurde er verkehrt. Zu einem Stigmata, mit überwiegend negativem Beigeschmack. Und Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch scheinen diese Etiketten scheinbar auch noch magisch anzuziehen, wenn man kritischen Studien zu glauben vermag.

    Eine traurige Wahrheit, dass während die hohen Herrschaften der Politik sich vermeintlich gönnerisch mit superioren und überzogenen Begriffe wie grenzenloser Barrierefreiheit und der allseits beliebten „Inklusion“ schmücken, auf der anderen Seite doch immer mehr und mehr Kinder ihrem normalen Schulkontext entrissen und in segregierende Einrichtungen zur sicheren Verwahrung verfrachten.(Man entschuldige hier meine beabsichtigt kritische Wortwahl,aber dies verdient meines Erachtens nach keine verschönernden Worte) Hohle Phrasen von Oben, nichts weiter! Doch fälschlich täte jener, der dies nun missbilligend und überzogen zynisch deutet, denn ein solches Bild zu malen lege keineswegs in meiner Absicht. Ganz im Gegenteil, nichts anderes als Hoffnung zeichnet mein Gemüt. Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Eine Zeit in der alle Kinder gemeinsam spielen, lachen und die Schulbank drücken dürfen/ „müssen“. Ganz egal ob schwarz oder weiß, egal ob sie türkisch oder mandarin sprechen , egal ob sie aus Israel oder Palästina kommen, und egal wie gut sie hören, sehen, lernen, laufen oder mit dem Rollstuhl umherflitzen können!
    Nicht auf irgendeinem Blatt Papier oder einer Gesetzesnovelle wird dieser Grundstein gelegt werden, sondern in unseren Herzen und Köpfen. Wir alle können und müssen unser kleines Stückchen beitragen, zu diesem Mosaik, müssen aufstehen, die Idee der INKLUSION weitertragen wie die Olympier das Feuer. Und uns nicht scheuen zu denken, um einer besseren Zukunft Willen. Von ALLEN und für ALLE!!!