Rechtliche Absicherung von Laienhilfe in Pflege und Persönlicher Assistenz ist unverzichtbar

Seit dem Aufkeimen der aktuellen Pflegedebatte werden die Betroffenenorganisationen nicht müde darauf hinzuweisen, dass Persönliche Assistenz oder ähnliche Formen von Unterstützung durch Laienkräfte unverzichtbar sind.

Selbstbestimmt-Leben-Initiative Oberösterreich
SLI Oberösterreich

Konsequent wird diese Forderung ignoriert und von der öffentlichen Debatte ausgeblendet, obwohl sich Persönliche Assistenz als mit öffentlichen Mitteln finanzierte Dienstleistung immer mehr etabliert.

Warum sich diese Form so bewährt ist einfach erklärt: Durch die Nicht-Spezialisierung der Laienkräfte, helfen sie bei der (pflegerischen) Grundversorgung, im Haushalt, im Garten, begleiten unterwegs, auch auf Urlaub und helfen bei der Kommunikation bei Sinnes- und Sprachbeeinträchtigung, kurzum – in fast allen Lebensbereichen. Die Diplomkrankenschwester wäscht die Wäsche nicht und geht auch nicht einkaufen. Eine Begleitung auf Urlaub ist ausgeschlossen und für die oft benötigte Hilfe beim Gang auf die Toilette mit beinhaltenden „pflegerischen Maßnahmen“ kann auch nicht jedes Mal eine Krankenschwester herbeigerufen werden.

Durch Laienhelfer kann auf fachpflegerische Hilfe nicht verzichtet werden, diese stehen jedoch nur selten zur Verfügung. Deshalb kommen Persönliche AssistentInnen leicht in Situationen, wo sie Hilfestellungen leisten sollen oder müssen, die sie eigentlich nicht dürften, auf die Assistenznehmer aber im Moment angewiesen sind. Das ist nun mal die Realität der Alltagspraxis behinderter Menschen und die darf nicht ignoriert werden.

Besonders pikant ist die Tatsache, dass es Betroffenen untersagt ist, die Verantwortung über ihren eigenen Körper zu übernehmen. Selbst eine schriftliche Erklärung darüber nützt angesichts der aktuellen Gesetzgebung nichts. Nur Angehörige dürfen jede Unterstützung leisten. Laienhelfer haften persönlich, da ihnen ihre Organisationen in der sie tätig sind auch nicht gestatten können ungesetzliches zu tun. Sie können in konkreten Situationen aber nicht einfach davonlaufen.

Das ist für Assistenznehmer und AssistentInnen ein unhaltbarer Zustand und muss dringend vor allem im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) geändert werden. Dieses Berufsschutzgesetz für Fachkräfte hat als solches durchaus seine Berechtigung. Aber wo es unmittelbaren Bedürfnissen Betroffener entgegensteht, hat es diese Berechtigung nicht. Auch das Argument einer Qualitätssicherung für behinderte Menschen muss dem Gesetz in dieser Form abgesprochen werden, denn eine Pflege- und Unterstützungsleistung, die nicht stattfindet, hat keine Qualität.

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  • Obiger Artikel und ähnliche Stellungnahmen aus Sicht der Betroffenen (z.B. von NR-Abg. Dr. Huainigg) skizzieren den Ausweg mit praktikablem Realismus. Ich schlage ich, im Rahmen eines Grundkurses für AssistentInnen, mindestens einen Erste-Hilfe-Kurs im Ausmaß von 16 Stunden vorzuschreiben. Zur Vertiefung sollen Anreize geschaffen werden, einen Sanitätsgrundkurs im Ausmaß von 40 Stunden, sowie Auffrischungskurse zu belegen. Es ist vorstellbar, dass im Rahmen der Rettungsorganisationen, wie dem Roten Kreuz, diese Kurse kostenlos belegt werden könnten, da diese Qualifikationen in deren und der ganzen Gesellschaft Interesse liegen. Die vermittelten Grundkenntnisse und die Einübung lebensrettender Erstmaßnahmen geben den AssistentInnen und und den Pflegebedürftigen Sicherheit.
    Zusätzliche Teilqualifizierungen in „pflegerischen“ Maßnahmen, wie Sondenernährung, Inkontinenzversorgung, Mundpflege bis hin zu Tracheostoma- Pflege, etc. sollen individuell in Spezialkursen vermittelt werden. Bei Pflegebedürftigen mit Eigenkompetenz sollten diese alltäglichen Handlungen durch solche „teilqualifizierten Laienpfleger“, rechtlich abgesichert (und auch haftpflichtversichert), mit Zustimmung des Assistenznehmers, durchgeführt werden dürfen. Zur Beratung und Qualitätssicherung soll nach Bedarf fallweise Fachpersonal hinzugezogen werden können.
    Wenn es jedoch um Kinder oder Menschen mit eingeschränkter oder fehlender Eigenkompetenz geht, sieht die Sache der Verantwortung und Verantwortbarkeit anders aus. Hier ist das Problem etwas komplexer zu behandeln, ist aber auch nicht unlösbar. Bei Personen ohne Eigenkompetenz und ohne permanente Vertretung sollten pflegerische Alltagshandlungen, wie bisher, nur durch Pflege-Fachpersonal oder durch eingeschulte Angehörige erfolgen dürfen.

  • Ich denke, es geht hier weniger um die Frage, wie gut die Assistentinnen eingeschult werden, sondern es geht um die Verantwortlichkeit und die Frage nach der rechtlichen Absicherung.

  • Wir meinten hier vor allem wirklich alltägliche Tätigkeiten, die einfach manchmal bzw. regelmäßig NOTWENDIG sind, z.B. Einführen eines Tampons oder Zäpfchens zur Darmentleerung, das Vorbereiten und Eingeben von Medikamenten, normale (sterile) Wundversorgung, die jedeR mal in Anspruch nehmen muss, der LEBT. Nämlich auch dabei dürf(t)ten AssistentInnen nach dem GuKG nicht helfen. Zuckermessen ist auch keine Hexerei – mein Vater lebte seit seinem 18 LJ damit. Wir alle in der Familie konnten das. Warum sollte ein Betroffener das nicht einem Assistenten od. einer Assistentin beibringen können? Ich glaube nicht daran, dass ÄrztInnen all das besser können… Schwierigere „Vorhaben“ müssten halt ärztl. angeleitet, gelehrt und unterstützt werden, wie dies auch bei nahen Angehörigen, denen diese Tätigkeiten zugemutet bzw. zugetraut werden, geschieht.

  • lieber herr bauer, sie haben recht, alle müssen zusammenhelfen, wenn was funktionieren soll! zucker messen kann heute schon jeder lernen, physiotherapeuten kommen überall ins haus, auch der friseur (der mobile) – und beatmete menschen müssen nicht mehr im krankenhaus leben. beatmete kinder gehen in schule und kindergarten mit begleitung – in deutschland alltag, bei uns noch exotisch. setzen wir uns dafür ein, dass der fortschritt auch zu uns kommt!

  • Liebe Fr. Charlotte, Pflege zu Hause kann nur ganzheitlich funktionieren, so gehören auch alle medizinischen (und hier bringt sich unser Hausarzt 100%ig ein) Aspekte dazu, zB. Decubitus, Medikamente,messen von Zucker,aber auch Übungen um den Bewegungsapparat wieder zu mobilisieren. Auf was ich aber konkret hinweisen möchte, das die PFLEGE zu Hause so vielseitig ist, das sie ohne Eigeninitiative und den Einsatz von „Nachbarschaftshilfe“ gar nicht machbar ist und dann kommt eben die Masseurin zu uns ins Haus.

  • lieber herr bauer, ich glaube kaum, dass ein arzt eine pflegerische anleitung geben wird (oder überhaupt könnte …) ärzte kennen sich in pflegerischen angelegenheit kaum aus 8manche waschen sich nicht mal korrekt die hände, bevor sie einen patienten angreifen …), außer sie haben eine pflegerische ausbildung!
    sie haben recht, die 24 std versorgung funktioniert nur dort, wo zumindest eine person auf ein gehalt verzichten kann – und genau dagegen sollte das volk ankämpfen und sich nicht abspeisen lassen mit einer als großzügig verkauften pensionsversicherung. unterschreiben auch sie bei unserer bürgerinitiative http://www.daheim-statt-heim.at

  • Als Angehöriger darf ich alle Leistungen bei der Pflege erbringen, natürlich unter ärztlicher Anleitung, dies ist ja auch im Sinne des zu Pflegenden. Was geschieht aber bei einer 24 Stunden Versorgung.Dieser Pflegeaufwand funktioniert nur im Familienverband und ist auf keinen Fall finanzierbar, € 5000,- Vermögen oder € 2500,- Einkommen, um sich als Plegender absichern zu können muß man schon einiges aufwenden.