Selbstbestimmt Leben in Tirol

Am 1. März 1997 wurde das Projekt "Selbstbestimmt Leben in Tirol" im Rahmen der Selbstbestimmt-Leben-Initiative (SLI) in Innsbruck offiziell gestartet.

Selbstbestimmt Leben Innsbruck
SLI-Innsbruck

Ziel des Projektes ist es, behinderten Menschen im ländlichen Raum (Bezirke) von Tirol ein selbstbestimmtes Leben in ihrer gewünschten Umgebung zu ermöglichen.

Im Februar 1994 nahm die Selbstbestimmt-Leben-Initiative (SLI) in Innsbruck ihre Arbeit auf. Arbeitsschwerpunkte sind die Vermittlung von Persönlicher Assistenz, Beratung in allen den behinderten Menschen betreffenden Fragen, sowie die politische Arbeit, die hauptsächlich in internen Gruppen organisiert ist.

Ausgehend von den Erfahrungen dieser Arbeit und im Wissen um die unterschiedlichen Lebensbedingungen der Menschen mit Behinderungen in den ländlichen Gebieten Tirols, wurde der Vorsatz gefaßt, die Selbstbestimmt-Leben-Idee in ganz Tirol zu verbreiten. Im Frühjahr 1996 formierte sich in der SLI eine Gruppe, die an der Konzepterstellung von „Selbstbestimmt Leben in Tirol“ zu arbeiten begann. Nach der informellen Genehmigung durch den Sozialreferenten der Tiroler Landesregierung, im Juni 1996, verzögerten ungeklärte arbeitsrechtliche Fragen den Start des Projektes, so daß erst im März 1997 offiziell die Arbeit aufgenommen werden konnte.

Arbeitsweise

Das Projekt „Selbstbestimmt Leben in Tirol“ arbeitet mit dem Ziel, längerfristig in den acht ländlichen Tiroler Bezirken Selbstbestimmt-Leben-Zentren aufzubauen, wobei es Aufgabe der Projektmitarbeiter ist, Unterstützung und Beratung beim Aufbau dieser Bezirkszentren zu gewährleisten.

Vordergründiges Ziel des Projektes ist jedoch die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen durch die Zuhilfenahme von Persönlicher Assistenz. Dabei werden potentielle KundInnen von den Mitarbeitern von „Selbstbestimmt Leben in Tirol“ besucht, um mit ihnen gemeinsam abzuklären, in welchem Ausmaß Persönliche Assistenz benötigt wird. Die KundInnen werden auch über die Finanzierungsmöglichkeit ihrer Assistenz aufgeklärt, die durch das Tiroler Rehabilitationsgesetz (TRG) weitgehend abgedeckt werden kann. Bei der Antragstellung sind die Projektmitarbeiter gerne behilflich. Angeboten wird auch die Vermittlung der AssistentInnen. Dazu besteht die Möglichkeit, über die bestehende AssistentInnenkartei der SLI AssistentInnen auszuwählen oder per Zeitungsinserat gezielt nach der Personengruppe zu suchen, die den jeweils individuellen Bedürfnissen der KundInnen entsprechen.

Mit der Durchführung des Projektes „Selbstbestimmt Leben in Tirol“ sind zwei Mitarbeiter beauftragt. Die Stelle des Projektleiters wurde mit 30 Wochenstunden festgelegt. Darüber hinaus wurde eine halbe Stelle besetzt. Die Dauer des Projektes ist auf 18 Monate beschränkt.

Finanzierung

Die Finanzierung der Projektmitarbeiter einschließlich deren gesamten Nebenkosten wie Fahrtspesen, Taggelder bei Außendienst und Arbeitsassistenz ist über eine einmalige Subvention des Landes Tirol gesichert. Allerdings sind dabei für den Geldgeber keine Mehrkosten entstanden, da für das Projekt nicht verbrauchte und vom Trägerverein der SLI, dem Mobilen Hilfsdienst Innsbruck, zurückgezahlte Subventionsgelder verwendet werden.

Mit der Sozialabteilung des Landes Tirol wurde ferner ein einheitlicher Stundensatz für die KundInnen von „Selbstbestimmt Leben in Tirol“ nach dem Tiroler Rehabilitationsgesetz vereinbart, der wegen der Projektfinanzierung deutlich unter dem Stundensatz der Innsbrucker SLI liegt, so daß selbst ein hoher Assistenzbedarf von seiten des Landes in der Regel genehmigt wird. Für die Infrastruktur des Projektes entstehen derzeit nur geringe Kosten, da „Selbstbestimmt Leben in Tirol“ in den Räumlichkeiten der SLI untergebracht ist und deren gesamte Infrastruktur mitbenutzen kann.

Erfahrungen

Die Mitarbeiter von „Selbstbestimmt Leben in Tirol“ machen im Rahmen ihrer Arbeit unterschiedlichste Erfahrungen. So konnte beispielsweise für einen 38-jährigen Mann, der auf den Rollstuhl angewiesen ist und zu Hause bei seiner Mutter lebt, nach dem Tod seines Vaters, der ihn ständig gepflegt hatte, Persönliche Assistenz im Ausmaß von sieben Stunden/Tag gefunden werden. Durch diese Maßnahme konnten wir vorläufig verhindern, daß dieser Kunde in ein Heim eingewiesen werden muß. Allerdings gibt es dabei auch Widerstände. So betreibt die Familie dieses Mannes noch immer seine Heimunterbringung.

Bei Kontakten mit KundInnen in den ländlichen Gebieten fällt oft auf, daß diese sich keine Persönliche Assistenz zugestehen wollen. Viele sind auch noch im Familienverband integriert und denken im Augenblick nicht daran, diesen alsbald zu verlassen.

Die Zusammenarbeit mit den etablierten Behindertenverbänden (z. B. ÖZIV) gestaltet sich noch schwierig, da Konkurrenzdenken und Vorurteile gegenüber „Selbstbestimmt Leben in Tirol“ in starkem Ausmaß vorhanden sind.

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