Trends und Perspektiven eines Tourismus für alle

Experten aus 24 Ländern diskutierten in Wien beim zweiten internationalen Kongress des Europäischen Netzwerkes Barrierefreier Tourismus - ENAT über Trends und Perspektiven im barrierefreien Tourismus. Von kobinet-Korrespondent Hartmut Smikac

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In Europa wird das Marktpotenzial auf 127 Millionen Menschen mit Behinderungen geschätzt, die auf Reisen mehr als 80 Millionen Euro auszugeben bereit wären. Prognosen zur demografischen Entwicklung im EU-Raum zeigen bis 2030 ein Wachstum der Generation 60plus, das deutlich über 30 Prozent liegt. Dieser Wandel wird nach Einschätzung der Experten ebenfalls als starker Motor für barrierefreie Tourismusangebote fungieren.

Mit großem Interesse wurden im Plenum und den Workshops die Präsentationen über barrierefreie Destinationen und Tourismusprojekte aus verschiedenen EU-Ländern wie Deutschland, Spanien, Portugal, Italien, Ungarn und Tschechien verfolgt. Dabei wurde sichtbar: Vor allem Osteuropa setzt bei neuen Projekten mit Erfolg auf barrierefreien Tourismus und investiert in Ausbildungs-, Standardisierungs- und Zertifizierungsmaßnahmen.

Vorgeschlagen wurde, mit dem Europäischen Behindertenforum in Verbindung zu treten und sich gemeinsam für einen verbindlichen Ausbildungs- bzw. Studienplan zum barrierefreien Tourismus einzusetzen. Eine große Rolle spielte weiterhin die Herausforderung, ein global gültiges System zur Bewertung touristischer Angebote für alle zu schaffen.

Die Teilnehmer des zweiten internationalen ENAT-Kongresses konnten nicht nur viele Ideen, Anregungen, Perspektiven und neue Kontakte mit nach Hause nehmen, sie bekamen auch noch die Möglichkeit, im Rahmen von Exkursionen Barrierefreiheit in der Praxis zu erleben. So lud die Österreichische Bundesbahn zur Besichtigung des neuen Railjet am Wiener Westbahnhof ein und die Postbus AG stellte einen barrierefrei zugänglichen Bus mit einer ausfahrbaren Hebebühne für die Fahrt zur Verfügung. Bei den Wiener Linien konnten neue barrierefreien U-Bahnstationen besichtigt werden. Außerdem wurde ein akustisches Orientierungssystem für blinde und sehbehinderte Menschen für die Wiener U-Bahn vorgestellt und die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs lud Interessierte zur Besichtigung ihres barrierefreien Beratungszentrums in die Brigittenau ein.

Dabei ist all das augenscheinlich nicht nur für den Tourismus von Interesse. So verwies ein anwesender Vertreter des Königreichs Saudi Arabien in seinem Vortrag darauf, dass dort während der traditionellen Wallfahrt nach Mekka jährlich drei bis vier Millionen Pilger zwischen den heiligen Stätten unterwegs sind. 20 Prozent dieser Menschen weisen Behinderungen auf. Damit sind beträchtliche logistischen Herausforderungen verbunden. Für deren Bewältigung, so der Gast, sind die Erfahrungen des barrierefreien Tourismus von großem Interesse.

Das Europäische Netzwerk für Barrierefreien Tourismus hat, wie der ENAT-Vorstand nach dem Kongress einschätzt, viele Anregungen für die weitere Arbeit auf dem Weg zu mehr Aufmerksamkeit für den barrierefreien Tourismus in ganz Europa, die Mobilisierung seiner Entwicklung auf dem Weg von EU-Förderprogrammen, die Vermarktung des barrierefreien Tourismus sowie die Förderung nationaler Anstrengungen aus diesem Kongress mitgenommen.

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0 Kommentare

  • Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – und ein einzelnes behindertengerechtes Hotel macht noch keinen „Barrierefreien Tourismus für Alle“
    Unter dieser Aussage lässt sich der Stand des „Barrierefreien Tourismus“ in Österreich ( Europa ) derzeit kennzeichnen.
    Solange man nicht bereit ist „Barrierefreiheit“ in ein solides Wirtschaftspaket zu schnüren ( Barrieren in den Köpfen von Entscheidungsträgern abbauen ) sind solche Veranstaltung nicht mehr als ein neues knüpfen von Kontakten.