Umfrage ergibt: Österreich überholt nur Albanien!

Nun positive Signale des ORF in Richtung Gehörlosengemeinschaft

Helene Jarmer
ÖGLB

Österreich liegt mit knapp 60 Minuten Sendezeit in Gebärdensprache überhaupt an letzter Stelle im europäischen Vergleich. Ausnahme: Albanien, wo 0 Fernsehstunden pro Monat in albanischer Gebärdensprache übertragen werden.

Das staatliche österreichische Fernsehen überholt – in Bezug auf Angebote in Gebärdensprache – also knapp Albanien. Dies geht aus einer vom Österreichischen Gehörlosenbund erstellten Umfrage „TV for the Deaf“ hervor. Die Ergebnisse liefern einen einmaligen Überblick über die europäische Medien-Situation für gehörlose Menschen, für die Untertitel und Gebärdenspracheinblendungen unersetzlich sind.

Derzeit gibt es im gesamten TV-Programm des ORF nur eine Sendung wöchentlich, in der eine ÖGS-Dolmetscherin (für die kurzen, moderierten Teile) eingeblendet wird, die Wochenschau am Sonntag. Der Anteil aller untertitelten Sendungen insgesamt beträgt nur ca. 200 Stunden (=ca. 10%) monatlich.

Alle anderen TV-Angebote des ORF sind für schwerhörige und gehörlose Menschen überhaupt nicht zugänglich. Der Zugang zu wichtigen politischen Information aber auch Unterhaltung ist daher ausgesprochen beschränkt.

Das Fernsehen ist die elementare Informationsquelle für ca. 400.000 gehörlose und schwerhörige Menschen in Österreich. Um Fernsehen für Gehörlose und Schwerhörige rezipierbar zu machen, müssen entweder Untertitel vorhanden sein oder eine Gebärdensprachdolmetscherin eingeblendet werden, was in Printmedien und Radio nicht möglich ist.

Beide Wünsche wurden in den vergangenen 5 Jahren oftmals an den ORF herangetragen aber – vor allem aus Kostengründen – vom ORF abgelehnt.

Generalintendantin Lindner sichert ernsthafte Überlegungen zu
Am Donnerstag kam es nun zu einer positiven Klärung durch den ORF: die meisten Wünsche der gehörlosen SeherInnen könnten – so Lindner – aus Kostengründen nicht erfüllt werden. Sie sicherte jedoch zu, die grundlegendsten Anliegen ernsthaft überdenken und konkrete Angebote erarbeiten zu wollen.

Für die österreichische Gehörlosengemeinschaft ist dies erstmals ein positives Signal und – so die Präsidentin des Österr. Gehörlosenbundes, Helene Jarmer: „Wir haben den Eindruck, dass die Intendantin wirklich daran interessiert ist, auch uns als SeherInnengruppe ernst zu nehmen. Wir sind auf das Fernsehen angewiesen. Wir wollen teilhaben an dieser Gesellschaft! Dafür brauchen wir genau die selben Informationen wie hörende Menschen auch – nur eben für uns verständlich, in unserer Sprache, der Österreichischen Gebärdensprache!“

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0 Kommentare

  • Ich verstehe folgende Feststellung nicht: „müssen entweder Untertitel vorhanden sein oder eine Gebärdensprachdolmetscherin eingeblendet werden, was in Printmedien […] nicht möglich ist“. Printmedien sind ja sowieso für Gehörlose zugänglich (oder?) … Deshalb verstehe ich auch diese Angst vor einem Zu-wenig an (politischer) Information nicht. Was ich in den Fernsehnachrichten sehe/höre, das kann ich allemal aus Zeitungen erfahren. Anregung: Gehörlose sollten daher Zeitungen billiger abonnieren können und nur soviel der Fernsehgebühr bezahlen müssen, wie viel % für sie zugänglich ist.