Was man aus dem Brand in der Caritas-Werkstätte lernen kann

Üben, was passiert, wenn was passiert

Feuerwehr
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Die Liste der Vorwürfe nach dem verheerenden Brand in Baden-Württemberg war lang und deren Inhalt teils recht heftig. So wurde dem Personal in Leserforen unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen, dem Träger zu große Gruppen mit viel zu wenig Personal.

Ideologen kritisierten generell das Konzept der Werkstätten mit seiner systemimmanent übergroßen ‚Anhäufung‘ behinderter Menschen, während Technik-Freaks ausführlich über die Vorzüge von Sprinkleranlagen debattierten.

Heimelig im Konjunktiv

Lässt man einmal den bislang durch nichts erhärteten direkten Vorwurf an die BetreuerInnen beiseite, so verbindet die anderen vor allem das Element der Unverbindlichkeit betreffend konkreter Handlungsverantwortung. Die Debatte der Gruppengröße lässt sich problemlos auf die Frage von Vergütungssystemen verlagern.

„Könnte man reduzieren, wenn …!“ Der Forderung nach Abschaffung der Werkstätten mag man zustimmen oder nicht – mittel- oder gar kurzfristig ist von daher keine Verringerung des Risikopotentials zu erwarten. Und zur flächendeckenden Nachrüstung bestehender Gebäude sind, neben dem „wäre technisch machbar“ längst jene Killer-Kostenschätzungen publiziert, welche auch diese Lösung fest im Bereich der Möglichkeitsform zementieren.

Alles ist lernbar

Immer wieder wurde auch der Ansatz eines präventiven Notfall-Trainings als Element des organisatorischen Brandschutzes ins Treffen geführt. Schade aber, dass hierbei dem schnellen Vorurteil von Feuerwehrleuten, Menschen mit geistiger Behinderung reagierten bloß panisch und seien mithin im Rettungsgeschehen lediglich als passives Element vorstellbar, von pädagogischer Seite kaum widersprochen wurde.

Panik mag zutreffen, befällt aber einerseits nicht vorrangig Menschen mit Behinderung, und lässt sich andererseits am wirkungsvollsten durch rechtzeitiges Üben von passendem Verhalten in Gefahrensituationen reduzieren. Wer jemals die Ruhe und Effizienz bei der Räumung nordirischer Behinderteneinrichtungen erlebte, weiß, wie viel hier erreichbar ist. Bombendrohungen gehörten dort zu Zeiten des Bürgerkrieges beinahe zum Alltag.

Sie wurden ernst genommen und das Verhalten für den Alarmfall geübt. Fazit: Binnen Minuten waren dort selbst Häuser mit hohem Anteil an hilfe- und pflegebedürftigen NutzerInnen in aller Ruhe geräumt, während BesucherInnen aus unseren Breiten noch darüber rätselten, ob man nun das Schrillen der Sirene wirklich ernst zu nehmen habe oder nicht.

Praxis-Training kann übermorgen beginnen

Aus eigener Erfahrung heraus (den Umzug in ein neues Gebäude vor gut einem Jahr nahm man zum Anlass für einen Brandschutz-Schwerpunkt) entwickelte capito in Kooperation mit dem Brandschutzexperten Noris ein Lösungspaket für den organisatorischen Brandschutz, das andere Maßnahmen zwar nicht ersetzt, aber den großen Vorteil hat, binnen kurzer Zeit wirksam zu sein.

Die Grunderkenntnis ist simpel: Brandschutzkonzepte, die den Faktor Mensch unberücksichtigt lassen, sind vor dem Faktum, welch kurze Zeitspanne im Ernstfall über Wehe entscheidet, wertlos. Der berechtigten Angst, realistische Übungsannahmen könnten zu unnötiger Aufregung bei Personal und KlientInnen führen, kann nicht mit dem Entfall gemeinsamen Übens begegnet werden, sondern vielmehr mit besonders sorgfältiger Planung der Übungen.

Sicherheitsberatung für Sozialeinrichtungen braucht neben Fachkompetenz im Feuerschutz zusätzlich den Erfahrungshintergrund aus dem Anwendungsfeld, um passende Sicherheitskonzepte zu erstellen. Gezielte Beobachtung und Dokumentation ermöglichen in der Auswertung von Übungen die Identifikation von Schwachstellen im Evakuierungskonzept, neuralgischer Gebäudepunkte, sowie von Regelungs- und Nachschulungsbedarf.

Zentrale Bedeutung kommt dabei der Schulung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Werkstättenangeboten zu. Denn sie verbessert nicht nur deren objektives Wissen über richtiges Verhalten in der Brandverhütung und schlimmstenfalls im Brandfall. Sie erhöht auch deren subjektives Sicherheitsempfinden, speziell im ambulant betreuten Wohnen, bei dem Betreuung über weite Strecken nur auf Abruf bereitsteht.

Vermittelt ihnen die interaktive capito Lern-CD-Rom im Leicht-Lesen-Format das nötige Basiswissen, so ermöglicht die neu entwickelte Ausbildung zum Peer-Brandschutzwart mit TÜV-Zertifikat der Zielgruppe den Erwerb speziellen Fachwissens und die Übernahme von Mitverantwortung im laufenden Betrieb.

Klar, eine Garantie, die Verantwortliche vor der Haftung in jedwedem Unglücksfall schützt, gibt es im organisatorischen Brandschutz eben sowenig wie im technischen. Der große Vorteil aber liegt darin: Sie können sich heute dafür entscheiden, morgen planen und übermorgen – mit relativ geringem Mitteleinsatz – mit der Umsetzung beginnen.

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0 Kommentare

  • … „Menschen mit geistiger Behinderung reagierten bloß panisch“:

    Wie wäre es denn mit einer Überrpüfung dieser Behauptung?

    Und: Wenn Menschen mit geistiger Behinderung TV schauen, und den fiktionalen Charakter dort erkennen können, halte ich das Argument für unzulässig.

    Man verzeihe mir den Vergleich: Mein Kater hat als Junger nur 2 x geglaubt, dass er Fische im TV fangen kann. Das funktionierte nicht, seither lässt er sie dort schwimmen…

    Frage: Wieso glauben so viele, „alle anderen sind blöde“?