„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“ …

… oder warum Nerven sparen nichts mit Bahn fahren zu tun hat. Ein Erlebnis mit einem Rollstuhl, einem Auto, den ÖBB und der Deutschen Bahn.

ÖBB Bahnhof
BIZEPS

Heuer wollten wir einmal anders reisen: mit dem Autoreisezug nach Hamburg und weiter an die Nordsee, gemütlich über Nacht, um uns einen Reisetag und ein Mietauto zu sparen. An sich wäre das nichts Außergewöhnliches, wenn ich nicht Rollstuhlfahrerin wäre. Dass man sich mit Rollstuhl für eine Ein- bzw. Ausstiegshilfe anmelden muss, wussten wir schon. Schließlich muss ein Hebelilft für den Rollstuhl zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Bahnsteig bereitstehen.

Mobilitätsservice Wien

Eine gute Woche vor Abfahrt rief ich bei der Hotline in Wien an. Die Einstiegshilfe für Wien war rasch organisiert, nur für Deutschland, da könne er mir nicht helfen, meinte der Herr am Telefon. Über die örtlichen Gegebenheiten der deutschen Bahnhöfe wisse nur die Deutsche Bahn (DB) Bescheid.

Sonderfall Autoreisezug

Beim Mobilitätsservice der DB wurde ich jedoch abgewiesen, als sich herausstellte, dass ich mit dem Autoreisezug fahre: „Das geht nur über die Autoreisezug-Hotline.“ Es nützte nichts, dass mein Mann das Auto verlädt und ich dafür keine Hilfe brauche, ich wurde weitervermittelt.

Bei der Autoreisezug-Hotline nahm man meine Daten zwar entgegen und versprach, sie an den Mobilitätsservice weiterzuleiten, als ich aber nach ein paar Tagen noch immer keine Bestätigung der Anmeldung bekam, rief ich noch einmal an. Wieder wurde ich sofort weitervermittelt, nur dass dort diesmal eine resolute Dame behauptete, ich könne überhaupt nichts bei ihr anmelden, da ich nicht bei ihr gebucht hatte, ich müsse das über das Reisebüro erledigen, die hätten ein Formular dafür.

Auch österreichische Reisebüros? Ja, auch die. Natürlich hatte mein Reisebüro keine Ahnung von diesem Formular. Ein weiterer verzweifelter Anruf bei den ÖBB ergab, dass sie meine Anmeldung nun doch entgegennahmen und an die DB weiterleiteten.

Ankunft in Hamburg Altona

Das Einsteigen in Wien Westbahnhof funktionierte tadellos. Am nächsten Morgen kam im Hamburger Hauptbahnhof die Überraschung: Man wollte mich schon hier aus dem Zug hieven. Ich weigerte mich standhaft, was damit belohnt wurde, dass in Hamburg Altona kein Hebelilft bereitstand.

Mein Mann „durfte“ mich gemeinsam mit dem ÖBB-Schaffner aus dem Zug heben. Sicherheitshalber fragten wir deshalb am dortigen Info-Schalter wegen der Rückreise nach – „kein Problem“, hieß es.

Trauriges Ende – München-Ost

Bei der Rückreise nach München hielten wir zuerst in München Hauptbahnhof, wo ich prompt wieder zu früh aussteigen sollte. Und wieder war am Endbahnhof München-Ost kein Hebelilft zu sehen. Das Bahnhofspersonal hob mich aus dem Wagon. Nur diesmal war die Situation verschärft: Der Bahnhof war eine einzige Baustelle, es gab nur eine Untergrund-Passage zum Ausgang.

Nach einigen (nutzlosen) Telefonaten und Bemühungen der Zugbegleiter konnte endlich nach ca. einer Stunde eine Treppenraupe organisiert werden. Alle Mitreisenden, die ihr Auto hinter unserem verladen hatten, mussten auf uns warten. Und dazu noch die Vorwürfe: „Sie müssen sich anmelden!“ Ja gerne, aber wie? „Sie haben den falschen Bahnhof angegeben!“ Kann nicht sein, wenn ich vom Ticket ablese beim Telefonat mit der Hotline.

Nachspiel

Ein Beschwerdebrief an ÖBB und DB ergab zwei interessante Antworten: Die DB meinte, „die ursprüngliche Ablehnung des ÖBB Mobilitätsservice, sich um Sie zu kümmern, hatte einen Teufelskreis ausgelöst“, schickte aber trotzdem einen Reisegutschein über 40 Euro mit.

Die ÖBB legten uns in ihrem Brief sehr ausführlich dar, wie sehr ihnen Reisende mit eingeschränkter Mobilität am Herzen liegen, ließen sich aber über die Schuldfrage nicht aus. „Als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten bezüglich unterlassener Hilfestellungen“ bekamen wir von ihnen Gutscheine im Wert von 30 Euro – „ohne Präjudiz für künftige Fälle“, versteht sich.

Wir haben beschlossen, nächstes Jahr im Urlaub wieder in die USA zu fliegen. Das ist einfacher.

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0 Kommentare

  • Ich kann dir nachfühlen, liebe Brigitte, auch wenn nicht ganz so gereist. Das würden meine Nerven wohl auch nicht aushalten! Es ist mühsam mit einem Rolli ins nahe gelegene Ausland zu reisen, wie nach Deutschland.

  • Ich kenne das Problem zu gut, mit den Hebeliften im Ausland! Bei uns in der Schweiz kann ich das Reisen als Rollifahrer/in problemlos empfehlen! Wir sind gut ausgerüstet!