Aktionsplan zum Ausbau der Barrierefreiheit im ORF-Publikumsrat präsentiert

Bis 2030 muss der ORF sein Angebot barrierefrei gestalten. Am 25. November 2021 wurde im ORF-Publikumsrat ein Aktionsplan zum Ausbau des barrierefreien Programms präsentiert. Doch einige Publikumsratsmitglieder sind skeptisch.

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BIZEPS
ORF barrierefrei Aktionsplan 2021-2024
ORF

Bis 2024 soll die Untertitelquote auf 49,6% gesteigert werden, audiodeskribierte Programme sollen täglich von vier auf rund fünf Stunden ausgebaut werden, Nachrichten in einfacher Sprache in Radio und TV und eine Schwerpunktsetzung von österreichischer Gebärdensprache bei Kinder- und Infosendungen – das sind nur einige Eckpunkte des „ORF barrierefrei – Aktionsplans 2021 – 2024“.

Dieser ORF-Aktionsplan wurde am 25. November 2021 im ORF-Publikumsrat präsentiert. Um die im Aktionsplan formulierten Ziele zu erreichen, sollen die dafür eingesetzten Budgetmittel erhöht werden.

Derzeit sei eine Kooperation mit einem Start-Up im Gange, um ein Sprachmodell zu entwickeln, das Dialekte besser erkennt. Testversuche zur voll automatischen Live-Untertitelung von Pressekonferenzen habe es gegeben, die vielversprechend verlaufen seien, informiert der ORF.

Aktionplan: Fortschritte sind zu gering

Wie in einem Beitrag von HORIZONT zu lesen ist, bezog der ORF Organisationen für Menschen mit Behinderungen (wie beispielsweise: den Österreichischen Gehörlosenbund, den Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich, BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben) mit ein und gab an, auch zukünftig mit diesen und anderen Stakeholdern zusammenarbeiten zu wollen.

Trotzdem stieß der „Aktionsplan barrierefrei“ bei den Organisationen und Verbänden auf Skepsis. Eine Anhörung sei zu wenig gewesen und die Fortschritte im ORF-Aktionsplan deutlich zu gering.

ORF-Publikumsrat Walter Ablinger: Wollen Programm wie alle anderen nutzen

Walter Ablinger, der vom Österreichischen Behindertensportverband nominiert wurde und im Publikumsrat Menschen mit Behinderungen vertritt, äußerte sich daher folgendermaßen: Wenn Barrierefreiheit weiterhin in dieser Geschwindigkeit ausgebaut werde, wird sich das bis 2030 unmöglich ausgehen.

Die Verbände und Organisationen seien nicht sonderlich begeistert vom Aktionsplan gewesen, schilderte Walter Ablinger und ergänzte:

Wir wollen das Programm wie alle anderen nutzen können.

Wie ist es derzeit um die Barrierefreiheit bestellt

Anlässlich der Präsentation des Aktionsplans wurden auch die bisherigen Fortschritte in Sachen Barrierefreiheit vorgestellt. Die Leiterin des Access Services des ORF, Lisa Zuckerstätter, stellte die Ergebnisse von 2009 bis 2020 vor. In diesem Zeitraum habe man beispielsweise die Quote der untertitelten Sendungen von 24 auf 43 Prozent angehoben.

Wenn man nur ORF1 und ORF2 betrachtet, dann läge die Quote bei ca. 70 Prozent, bei Audiodeskription wurde eine Steigerung von 0,4 auf 4,3 Prozent erreicht. Das mit österreichischer Gebärdensprache versehene Programm steigerte sich im Zeitraum von 2009 bis 2020 von 123 auf 596 Stunden. Auch habe es einen Ausbau von Nachrichten in einfacher Sprache sowie barrierefreiem Angebot in der ORF-TVthek gegeben.

Publikumsrat fordert stärkere Berücksichtigung von Empfehlungen

In dieser Publikumsratssitzung stellte sich auch der neue ORF Generaldirektor Roland Weißmann vor. Dieser gab an, ein Arbeitsprogramm für die kommenden Jahre auf die Beine zu stellen und eine Strategie für verstärkte ORF-Präsenz auf Drittplattformen entwickeln zu wollen.

Weißmann betonte auch, zukünftig das Publikum mehr in den Mittelpunkt stellen zu wollen, der Publikumsrat sei in diesem Zusammenhang als Inputgeber wichtig.

Der Publikumsrat legte daraufhin eine Liste mit Empfehlungen vor, die in den vergangenen Jahren an die bisherige Geschäftsführung gerichtet worden waren, jedoch noch nicht oder nur teilweise umgesetzt worden sind. Man forderte die neue Geschäftsführung auf, Empfehlungen künftig stärker zu berücksichtigen.

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Ein Kommentar

  • Ich bin ja schon über diesen Fortschritt beim ORF erfreut!
    Ich habe mir nämlich erlaubt, bei Servus TV, bei dem es (natürlich…?) bis dato keine Untertitel gibt, nachzufragen, wie es um die Planung der Untertitelung bis 2030 bestellt ist. Zur Antwort erhielt ich lediglich: „……Nach Rücksprache muss ich Ihnen aber mitteilen, dass wir aktuell leider noch keine Aussage treffen können, wann es eine Untertitelung beim Programm von ServusTV geben wird.“
    Insgesamt entspricht die Aussage anscheinend der Gesamthaltung des Senders, also nicht weiter verwunderlich.