Auch Wien lehnte Adoptionsantrag ab

Elfriede Dallinger und ihr Lebensgefährte, Dietmar Janoschek, (beide sind blind), stellten in Oberösterreich erfolglos einen Adoptionsantrag - und probierten es in Wien nochmals.

Dietmar Janoschek und Elfriede Dallinger
freiraum

Sie fühlten sich von den OÖ-Behörden ungerecht behandelt, dokumentierten die Vorfälle und klagten das Land Oberösterreich wegen Diskriminierung. Die Klage läuft noch.

Anschließend hat das Paar seinen Hauptwohnsitz von Oberösterreich nach Wien verlegt, um in Wien einen neuerlichen Adoptionsantrag stellen zu können. Die Wiener Magistratsabteilung zeigte sich über dieses Vertrauen erfreut.

„Das Paar hatte große Hoffnungen auf Erfolg in Wien: Es wusste von zwei blinden Paaren, die bereits Kinder adoptiert hatten“, so die Tageszeitung Heute in ihrer Online-Ausgabe.

Der konkrete Antrag wurde allerdings kürzlich ebenfalls abgelehnt. „Die Behinderung der Betroffenen habe dabei keine große Rolle gespielt, wurde betont“, vermeldet der Standard und ergänzt: Vielmehr habe der „Gesamteindruck“ der beiden Bewerber den Ausschlag gegeben, die gewünschte Bewilligung zu verweigern.

Auch wenn Wien aus inhaltlichen Gründen abgelehnt hat, wird es interessant zu beobachten sein, wie das Gericht die Vorfälle in Oberösterreich bezüglich des Diskriminierungsvorwurfes bewertet.

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0 Kommentare

  • Man muss den beiden zu ihrem Mut gratulieren und ihnen weiterhin Ausdauer und schliesslich Erfolg wünschen. Meine Frau und ich befanden uns in der gleichen Situation als wir hier in Stockholm 1990 Genehmigung zur Adoption suchten. Wir wurden abgelehnt, ausdrücklich wegen meiner Behinderung (brauche elektr Rollstuhl und Atemgerät). Nach 4 Jahren in den Instanzen, wo wir immer gewannen und die Stadt immer wieder Einspruch erhob, gewannen wir zwar, aber die negative Beurteilung der städtischen Sozialarbeiter konnten auch Gerichtssurteile nicht aufheben. Mir wurde z.B. in der ausschlaggebenden Beurteilung die Fähigkeit aberkannt, einem Kind die körperliche Nähe zu vermitteln, die es brauche. Unsere Lösung war, fast ein Jahr bei Freunden in Costa Rica zu wohnen, um dort eine Adoption ganz von vorne nach costarricanischem Recht durchzuführen. Dort fanden wir unsere Tochter, die dann bis zu ihrem 9. Lebensjahr auf meinem Schoss sass. Von wegen Unfähigkeit zur körperlichen Nähe.
    Unser Schlussatz: Sozialarbeiter und städtischer Adoptionsausschuss waren damals vollkommen überfordert; viel zu wenig konkrete Erfahrungen und viel zu viele Vorurteile. Es würde mich wundern, wenn das in Wien anders wäre.

  • Was meine Lebensgefährtin Elfriede Dallinger und mich auch sehr irritiert ist, dass die Stadt Wien eine Presseaussendung zu einem Zeitpunkt macht, wo wir noch immer auf die uns versprochene schriftliche Ablehnung mit Gründen warten. Frau Mag.a Tanja Guserl gerichtliche Sachverständige für Psychologie hat auf 28 Seiten sowie Dr. rudolf Istok gerichtlicher Sachverständiger für Psychologie auf 8 Seiten Gutachten verfasst, die klar nachweisen, dass wir als Adoptiveltern geeignet sind. Das alles wird vom Land OÖ und der Stadt Wien ignoriert. Leider leben wir offenbar in einer Politiker und Beamten Monarchie. Wir werden aber trotzdem nicht aufgeben!

  • Ich stimme dem Statement von Margit Gusenbauer vollinhaltlich zu! Ansonsten sage ich schade – für das (blinde) Kind und dessen Lebenschancen, das man ihm verwehrt hat mit diesem Entscheid. Ich sehe eine Diskriminierung aufgrund von Behinderung darin und nichts anderes. Das blinde Paar ist mir persönlich bekannt. Ein Kind hätte es gut bei den beiden.

  • Der versuchte Hinweis der Behörden, dass die „Behinderung keine große Rolle spielt“ disqualifiziert nach meiner Ansicht die Entscheidungsträger, denn das kann nicht wahr sein! Eine körperliche Beeinträchtigung -ob sichtbar oder nicht- beeinflusst immer Leben, Arbeit, Freizeit, Familie, Kommunikation und Umgang miteinander – sie ist mit der Entwicklung und Persönlichkeit der Betroffenen untrennbar verbunden und beeinflusst ganz sicher jedes „Gesamtbild“.
    Alleine schon, was für einen Kampf diese Angelegenheit für die Wunsch-Eltern bedeutet ist erschreckend und diskriminierend. Ist es nicht eigentlich üblich, dass jede/r im Laufe seines Lebens über einen Kinderwunsch frei entscheiden kann!

  • @Gertrude Sladek: Vollinhaltliche Zustimmung – Ich denke, ein Entscheidung zu treffen, ob Adoptiveltern geeignet sind – ob eine Behinderung vorliegt oder nicht, ist sicherlich nicht einfach zu treffen. Jedoch: Zuerst macht man dem blinden Ehepaar seitens der Stadt Wien Hoffnung, und dann mit der Definition“ Gesamteindruck“ wird eine Adoption abgelehnt. Ich denke, den Entscheidungsträgern ist das Risiko zu groß, wenn dann Probleme auftauchen, die ja sicherlich auftreten werden – Jedoch traue ich diesem Paar zu, diese Probleme zu meistern, gerade deswegen, da diese ja sogar die Gerichte bemühen, um ihren Wunsch durchzusetzen. Vielleicht wäre nach einer Eheschließung die Chance größer, die Verantwortung einer Adoption zu erhalten. Wir wissen über die näheren Lebensgewohnheiten der Betroffenen nicht bescheid, deshalb ist es für Außenstehende unmöglich ein Urteil zu fellen.

  • @Hoffnungslos Den Begriff „Gesamteindruck“ erachte ich ebenfalls als diskriminierend; als bessser – falls der Wahrheit entsprechend – erachtete ich eine exaktere Definition, um etwas ausdrücken zu wollen, was vielleicht? korrekt sein mag. Ich kann es als selbst blinde Mutter zweier Kinder nicht beurteilen, da ich die Antragswerber nicht persönlich kenne. Eines Faktums müssen wir uns jedoch ebenfalls bewusst sein: Nicht Jeder/e – ob behindert/beeinträchtigt oder nicht – ist grundsätzlich für
    a l l e s auch tatsächlich geeignet, wofür er/sie sich mitunter als geeignet erachtet.

  • „Die Behinderung der Betroffenen habe dabei keine große Rolle gespielt, wurde betont. Vielmehr habe der „Gesamteindruck“ der beiden Bewerber den Ausschlag gegeben, die gewünschte Bewilligung zu verweigern“.
    Dieser Satz der Pressesprecherin der MA11 (Jugend und Familie), wird das blinde Ehepaar sicherlich kein Trost sein – mir erscheint dies ebenfalls diskriminierend… Der „Gesamteindruck“ ist sehr weitläufig definierbar.. Vielleicht denkt man bei den zuständigen Stellen, dass ein „blinder Hund oder ein blindes Tier“ geeigneter für das Ehepaar wäre, um deren soziale Kompetenz – ein Sorgerecht gegenüber einem behinderten Lebewesen wahrzunehmen – zu testen …