Das Armutsrisiko bleibt hoch!

Ergebnisse der Armutsforschung belegen, dass Menschen mit Beeinträchtigung im Wohlfahrtsstaat Österreich einem hohen Risiko ausgesetzt sind unter die Armutsgrenze zu rutschen oder sogar von manifester Armut betroffen zu sein.

kein Geld
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Die Selbstbestimmt-Leben-Bewegung formulierte schon vor Jahren zu Recht, dass Menschen mit Beeinträchtigung nicht behindert sind, sondern (von der Gesellschaft) behindert werden. Auch im Bereich Einkommen spiegelt sich diese Sichtweise wider.

Der Anteil armutsgefährdeter Menschen in Österreich liegt laut Statistik Austria (EU-SILC) bei knapp über 14 Prozent, das sind rund 1,2 Millionen Menschen in Einkommensarmut. Ohne Transferleistungen (Beihilfen, Sozialleistungen, Förderungen) würde der Prozentsatz österreichweit auf unglaubliche 44 Prozent einkommensarmer Menschen hinaufschnellen.

Die EU-SILC-Daten weisen für die „Risikogruppe“ der Menschen mit Behinderungen mit 16 % eine noch höhere Armutsgefährdung als die Gesamtbevölkerung aus.

Manifeste Armut, die sich durch dauerhafte Ausgrenzung und Einkommensarmut definiert, zeigt die Notlage noch dramatischer: Rund 5 Prozent der österreichischen Bevölkerung müssen unter den Bedingungen manifester Armut ihr Leben meistern. Menschen mit Behinderungen sind mehr als doppelt so oft betroffen: bei rund 11 % bzw. 93.000 Menschen mit Beeinträchtigung besteht sowohl Einkommensarmut als auch Deprivation, also finanzielle Notlage und soziale Ausgrenzung.

In EU-Statistiken wird manifeste Armut als „erheblich materiell depriviert“ ausgewiesen und geringfügig anders erhoben, sodass sich niedrigere Zahlen ergeben, außer bei der Gruppe der Menschen mit Behinderungen. Hier ergeben sich statistisch sogar 103.000 Personen und mit 12 % eine dreifach höhere Gefährdung als beim Bevölkerungsdurchschnitt.

Statistische Erhebungen können die vielfältigen Facetten der Lebenssituationen nur vereinfacht und damit indifferent abbilden. So besteht auch eine gemeinsame Schnittmenge mit weiteren „Risikogruppen“, z.B. Menschen mit Pflegebedarf oder Alleinerziehende. Damit lässt sich vermuten, dass die Anzahl der von Einkommensarmut betroffenen Menschen mit Beeinträchtigung noch höher ist.

Wie wichtig gerade für diese „Risikogruppe“ die Transferleistungen sind, um Armutsgefährdung zu miniminieren, zeigen die Erfahrungen im Sozial- und Beratungsbereich.

Beispielsweise können mit dem – mühsam erkämpften – Pflegegeld, private Unterstützungen zugekauft und weitere Ausgrenzung verhindert werden. Oder es wird bei der Bezirksverwaltungsbehörde eine Unterstützungsleistung (Behindertengesetz, Sozialhilfe) beantragt.

Bei manchen Leistungen ist das Pflegegeld sogar Voraussetzung für eine Kostenübernahme, zum Beispiel bei stationären Einrichtungen, bei einigen mobilen Betreuungsangeboten und bei Persönlicher Assistenz. Ohne Pflegegeld, das zumeist bis auf ein kleines Taschengeld eingesetzt werden muss, könnten die notwendigen Hilfen nicht finanziert, organisiert oder beantragt werden. Hier hilft die Transferleistung manifester Armut zu vermeiden.

Wenn beispielsweise bei betreutem Wohnen die vorgeschriebene Eigenleistung nur mehr ein Taschengeld übrig lässt, dann ergibt sich ein Zwiespalt: Gut, dass es die Hilfestellung – Beispiel Betreuung – gibt, schlecht, dass die Selbstständigkeit durch den minimalen finanziellen Spielraum (Taschengeld € 44,30) sehr eingeschränkt wird. Manchmal wird daher die Transferleistung als nicht ausreichend zu beurteilen sein. Oder die Eigenleistung als überschießend.

Im Bereich stationärer Betreuung wird neben dem Pflegegeld auch das Einkommen bei Eigenleistung herangezogen. Bis zu 80 Prozent der Einkünfte müssen an den Sozialhilfeträger abgeliefert werden. Im Regelfall verbleibt dann nur mehr ein geringes Taschengeld. Menschen mit umfassendem Pflege- und Betreuungsbedarf, die in einer Einrichtung leben, haben damit überwiegend nur mehr € 218 pro Monat zur Verfügung, um die Kosten für private Hygieneartikel, Friseur, Fahrtkosten, Kleiderkauf oder einen Kaffeehausbesuch zu bestreiten. Sonderausgaben sind dann nicht mehr möglich.

Menschen in stationären Einrichtungen sind sehr oft von manifester Armut betroffen, werden aber in den EU-SILC-Statistiken nicht entsprechend hervorgehoben.

Sowohl die Armut in Einrichtungen als auch die überdurchschnittliche Armutsgefährdung von Menschen mit Beeinträchtigung müssen deutlicher aufgezeigt und engagiert bekämpft werden.

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3 Kommentare

  • Nachwuch droht Gehalt auf Hartz-4-Niveau

    Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern

    http://www.stern.de/wirtschaft/geld/mckinsey-studie–die-jungen-werden-aermer-als-ihre-eltern-6971346.html

    oder auch ganz lecker: Verarmung als Megatrend – siehe auch: https://www.berlinjournal.biz/verarmung-kinder-aermer-als-eltern/

    Laut Politik müsse man sich „integrieren“ (nach Definition der Politik was das denn angeblich sei). Dazu braucht es in der heutigen Zeit üppige Geldmittel, die die meisten Leute, die angeblich „nicht integriert“ sind (auch sehr viele Deutsche), gar nicht aufbringen können.

    Auf einen Zusammenhang stieß die britische Soziologin Marii Peskow in der European Social Survey (ESS): Demnach sei die Bereitschaft zur Wohltätigkeit in egalitären Gesellschaften deutlich schwächer ausgeprägt, als in solchen mit großen Einkommensunterschieden. Die Erklärung dafür liege im sozialen Statusgewinn, den Wohlhabende in ungleichen Gesellschaften erfahren würden, wenn sie Schwächere unterstützten. In egalitären Gesellschaften herrsche hingegen das Bewusstsein vor, dass dank des Sozialstaats für die Schwachen schon gesorgt sei.

    Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden.

    Nein, stopp: Nur die armen Arbeitslosen fallen in die Schublade »Ballastexistenz«. Millionenerben, Banker- und Industriellenkinder dürfen durchaus lebenslang arbeitslos und faul sein. Sie dürfen andere kommandieren, während sie sich den Bauch auf ihrer Jacht sonnen.

    Früher glaubten viele Menschen an einen Gott. Wie viele heute noch glauben, da oben säße einer, der alles lenke, weiß ich nicht. Das ist auch egal. Gottes ersten Platz hat im modernen Industriezeitalter längst ein anderer eingenommen: Der »heilige Markt«. Der Finanzmarkt. Der Immobilienmarkt. Der Energiemarkt. Der Nahrungsmittelmarkt. Und der Arbeitsmarkt.

    Der Arbeitsmarkt ist, wie der Name schon sagt, zum Vermarkten von Arbeitskraft da. Wer kein Geld und keinen oder nur sehr wenig Besitz hat, verkauft sie. Die Eigentümer der Konzerne konsumieren sie, um daran zu verdienen. Das geht ganz einfach: Sie schöpfen den Mehrwert ab. Sprich: Der Arbeiter bekommt nur einen Teil seiner Arbeit bezahlt. Den Rest verrichtet er für den Gewinn des Unternehmers.

    Arbeit verkaufen, Arbeit konsumieren: So geschieht es seit Beginn der industriellen Revolution. Denn Sklaverei und Leibeigenschaft wurden ja, zumindest auf dem Papier, abgeschafft.

    Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem Über-Ich zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zur Wort gekommen. (VIKTOR FRANKL)

    Die Todsünde der Intellektuellen ist nicht die Ausarbeitung von Ideen, wie fehlgeleitet sie auch sein mögen, sondern das Verlangen, diese Ideen anderen aufzuzwingen (Paul Johnson)

    Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden, in lockende Gestalt… (Shakespeare)

    Das Heimweh nach der Barbarei ist das letzte Wort einer jeden Zivilisation (Cioran)

    Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher (Voltaire)

    Die Gefahr ist, dass die Demokratie zur Sicherung der Gerechtigkeit für diese selbst gehalten wird (Frankl)

    Absolute Macht vergiftet Despoten, Monarchen und Demokraten gleichermaßen (John Adams)

    Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer (Schopenhauer)

    Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen (Kant)…

    Denn mancher hat, aus Furcht zu irren, sich verirrt (Lessing)

    Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus… (Goethe)

    Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen (Hölderlin)

    So viele Gefühle für die Menschheit, dass keines mehr bleibt für den Menschen (H. Kasper)

    „Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden“ (Helmut Schmidt)

  • WO BLEIBT DIE KONSEQUENZ ?

    Solange sämtliche Absolventen einer einschlägigen Berufsausbildung in der “ Behindertenarbeit “ einen sicheren Posten bei einer “ Einrichtung “ suchen und dort auch noch aufsteigende “ Karriere “ machen wollen — solange wird sich überhaupt nichts ändern und das blöde und öde Gerede von der “ INKLUSION “ bleibt nix anderes als “ ILLUSION “

    Hier in Salzburg verweigert die Landespolitik und damit natürlich auch die Verwaltung nach wie vor jedwede “ persönliche Assistenz “ und zwingt die Klienten nicht nur in die lebenslange artgerechte Stallhaltung bei Lebenshilfe , Caritas und Diakonie etc., sondern auch in die Zwangsbeschäftigung und Zwangsarbeit fragwürdigster Art in dislozierten oder unmittelbar angegliederten Werkstätten etc.

    Nicht einmal das monatliche Taschengeld wird z. B . unserem WOLFGANG S . persönlich ausgehändigt und ihm endlich mit 44 Jahren beigebracht der verantwortliche Umgang mit dem Geld ! Sogar das gesetzlich vorgeschriebene Schonvermögen ist verschwunden durch unverantwortliche Handlungsweise der mittlerweile abgesetzten Sachwalterin RA Dr. Ingeborg HALLER !!!

    Da fragt man sich schon , warum gerade der Bereichsleiter für Sachwalterschaft im “ Vertretungsnetz “ für Salzbzurg hier lamentiert : die Sachwalter hätten es ja leicht in der Hand , jene Änderungen in kürzester Zeit förmlich zu erzwingen , die von der UN – BRK gefordert werden . Natürlich sind die angeblichen “ Rechtsanwälte “ die allerschlimmsten Sachwalter und das Vertretungsnetz kann sich nur um die eigenen Klienten kümmern . Trotzdem würde ich von diesem zu 100 % staatlich finanzierten Verein mehr Konsequenz erwarten .

    Nach wie vor fehlt jedwede TRANSPARENZ in der Salzburger Behindertenhilfe . Die sogenannten “ EIN – RICHTUNGEN “ treiben den Landesrat Heinrich SCHELLHORN gnadenlos vor sich her und jener beschränkt sich auf stereotypes Begrinsen des Volkes aus allen Medien !

  • Und dann wird in OÖ auch noch die Familienbeihilfe auf die Oö. (sogenannte) Bedarfsorientierte Mindestsicherung angerechnet, weil sozialbedürftige Menschen ja sonst „bevorzugt“ wären gegenüber „SozialhilfebezieherInnen“ ohne FB-Bezug … Vom entwürdigenden Eltern-Regress, den es ebenfalls in OÖ gibt, ganz abgesehen. Neid ist echt was Grausliches. Gerne gäbe ich meine Behinderung dafür!