50. Woche 2025 – Schmalster Gehsteig St. Pöltens?
Dieser Gehsteig in der Steinergasse in St. Pölten ist wohl nur für besonders schmale Menschen. In einem Rollstuhl, mit Kinderwagen …
Der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) hat in Berlin seinen zweiten Bericht zur "Qualität in der ambulanten und stationären Pflege" vorgelegt, Missstände aufgezeigt und damit Beschwichtigungsparolen ausgelöst.
Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) sieht in einer Pressemitteilung „die Pflege auf dem richtigen Weg“, weil die Zahlen hungernder und vernachlässigter Menschen zurück gegangen seien. Für Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, ist ein Bild-Zeitungsbericht „verantwortungslose Stimmungsmache und unhaltbares Zahlenspiel“ (siehe auch). Und auch andere Heimbetreiber empören sich über den Bericht des MDS.
Es ist widerlich! Da liegt der 2. Bericht zur Pflegesituation des MDS vor und was geschieht? Allüberall werden die Zahlen beschönigt. Wenn „nur“ noch ein Drittel aller Heimbewohnerinnen und -bewohner nicht ausreichend mit Essen und Trinken versorgt wird, ist das demnach ein „Erfolg“, denn schließlich war es nach dem 1. MDS-Bericht vom November 2004 eine noch größere Anzahl von Menschen, denen selbst die existenziellen Bedürfnisse verweigert wurden. Als wenn es nicht schon zuviel ist, wenn auch nur ein einziger Mensch hungert, austrocknet oder in seinen Exkrementen liegen muss.
Der Zynismus ist grenzenlos, mit dem über die Lebenssituationen pflegebedürftiger Menschen diskutiert wird. Als wenn es nicht seit vielen Jahren bekannt ist, wie diese in Anstalten dahinvegetieren, von der sozialen Euthnasie, die noch dazu kommt, ganz zu schweigen.
Anstatt sich darüber zu empören, dass die Würde alter, kranker und behinderter Menschen mit den Füßen getreten wird, dass es wieder einmal „amtlich festgehalten“ werden musste, wie Menschen ihrer Grundrechte beraubt werden, empören sich Betreiber von „Heimen“ darüber, dass Menschenrechtsverletzungen angeprangert werden, wo doch so tolle Arbeit in ihren Anstalten geleistet wird. Wenn das stimmen würde, wäre es ein Leichtes – auch für die „Heim“-betreiber – die angeblich wenigen schwarzen Schafe anzuprangern, die nichts anderes im Sinne haben, auf einem lukrativen Markt den schnellen Euro zu machen.
Übrigens, wie soll sich der behinderte Mann aus Wittenberg fühlen, der von seinem Sozialhilfeträger in dieser Woche auferlegt bekommt darzustellen, warum es ihm nicht zuzumuten ist, in ein „Heim“ zu ziehen? Seine ambulante, selbst organisierte Hilfe sei zu teuer.
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
Dieser Gehsteig in der Steinergasse in St. Pölten ist wohl nur für besonders schmale Menschen. In einem Rollstuhl, mit Kinderwagen …