Ein Leben ohne die nötige Persönliche Assistenz ist eigentlich kein richtiges Leben

Erfahrung einer Informationsreise nach Schweden. Wie gelang es den Schweden die Heime abzuschaffen?

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul

Jens Bertrams, Redakteur vom Internetradio Ohrfunk, hat vor kurzem ein Interview mit dem rheinland-pfälzischen Landesbehindertenbeauftragten, Ottmar Miles-Paul, über die Reise einer rheinland-pfälzischen Delegation nach Schweden zum Thema Behindertenpolitik geführt.

Was ist an Schweden besonders?

Warum ging die Reise in den hohen Norden. „Was ist an Schweden so besonders?“, wurde Ottmar Miles-Paul gefragt.

In Schweden bekommen 16.000 behinderte Menschen Persönliche Assistenz. (Hintergrund: Schwedische Assistenzreform)

Miles-Paul erzählt von der Abschaffung der Heime, die per Gesetz 1994 beschlossen wurde und vom Recht auf die Finanzierung von Persönlicher Assistenz. Das Zweck und das Ziel der Reform, der der 30-köpfigen Delegation aus Deutschland mehrfach in Schweden in diesem Zusammenhang erläutert wurde, lautet: „Leben wie andere!“

„Was kann Deutschland nun lernen?“, wurde Ottmar Miles-Paul gefragt und auch, ob das finanzierbar sei. Hier ein Ausschnitt des Interviews:

Was wir von Schweden lernen können?
SprecherIn: Ottmar Miles-Paul
Audioquelle: Podcast von ohrfunk.de

Also ich glaub‘ der schwedische Zweisprung:

Einerseits zu sagen: Wir wollen nicht, dass behinderte Menschen in diesen großen Einrichtungen leben müssen, sondern dass sie so normal möglich mitten in der Gemeinde leben können, wie es auch die UN-Konvention will. Ich denke: das noch mal bekräftigen. Und die Umsteuerung die Umsteuerung zu veranlassen. Das ist das eine. Eine klare Ansage der Politik, der Verwaltung: „Das wollen wir nicht mehr und jetzt müssen wir uns verändern“

Und der zweite Punkt ist natürlich das Recht auf Persönliche Assistenz. Also im schwedischen Sozialministerium, die haben uns das klar gesagt: „Ein Leben ohne die nötige Persöniche Assistenz ist eigentlich kein richtiges Leben.“ Und das ist so! Wenn ich die Unterstützung als behinderter Mensch nicht habe, die ich eigentlich brauch‘, um wie andere leben zu können. Sondern wenn ich auf irgendwelche Personalschlüssel von Einrichtungen darauf angewiesen sind, ob heute mal jemand Zeit für mich hat. Dann ist da ein Grundproblem.

Ich glaube wir können auf der einen Stelle die Politik kann daraus lernen, dass wir eine klare Vorgabe machen müssen, dass wir auch in parteifraktionsübergreifendes Grundverständnis brauchen, dass behinderte Menschen da ein recht darauf haben, so zu leben – mitten in der Gemeinde.

Und das andere ist, dass die Behindertenbewegung einfach noch mal klar macht: „Wir brauchen ein Recht auf unsere Persönliche Assistenz“ und daran geht nichts vorbei.

Als Schweden das Gesetz verabschiedet hatte ging’s denen gerade wirtschaftlich gar nicht so gut. Und ich glaub‘, es ist nicht unbedingt eine Frage des Geldes. Es ist eine Frage des Umsteuern. Wir müssen uns als Gesellschaft sicherlich darüber bewusst sein, dass wir sagen: Diese Qualität wollen wir für behinderte Menschen.

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