Helene Jarmer wird heute Abgeordnete

Erstmals in Österreich wird heute mit Mag. Helene Jarmer eine gehörlose Abgeordnete im österreichischen Parlament vertreten sein. Wir führten mit ihr folgendes ausführliche Interview.

Helene Jarmer
GRÜNE

Heute, am 10. Juli 2009, findet eine Premiere im Parlament statt. Helene Jarmer wird angelobt und auch erstmals ans Rednerpult im Plenarsaal treten. Der ORF wird die Sitzung ab 9 Uhr LIVE auf ORF 2 übertragen.

Da ab nun Sitzungen in Österreichische Gebärdensprache gedolmetscht werden, hat der ORF angekündigt, diese Dolmetschung zu übertragen; allerdings ORF-üblich auf einem fast unbekannten „Satellitenableger“ und nicht auf ORF 2. Die Allgemeinheit wird davon wieder kaum etwas mitbekommen.

Interview

Für Helene Jarmer wird das heute ein großer Tag. Die neue Abgeordnete der GRÜNEN erzählt im BIZEPS-INFO Interview ausführlich, welche Ziele sie in ihrer politischen Tätigkeit verfolgen wird, in welche Ausschüsse sie nominiert ist, wofür sie vorhat zu kämpfen und wie sie mit Kränkungen umgeht. Das Interview führte Martin Ladstätter.

BIZEPS-INFO: Zurzeit ist das Medienecho um dich sehr groß, da du als erste gehörlose Abgeordnete in Österreich Neuheitswert hast. Lange Zeit wurden gehörlose Menschen aber kaum wahrgenommen und nun bekommst du so viel Aufmerksamkeit. Warum ist das deiner Meinung nach so?

Helene Jarmer: Ich nutze diese Interviews, um auf die Probleme der Gehörlosen aufmerksam zu machen und so quasi via Journalistinnen und Journalisten die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren. Und es gibt mir auch die Gelegenheit, Forderungen aus dem Behindertenbereich zu thematisieren.

Arbeiten im Parlament

BIZEPS-INFO: Wie geht es dir mit der Einarbeitungszeit im Parlament? Hast du schon Büroräumlichkeiten erhalten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon ausgesucht?

Helene Jarmer: Thematisch kenne ich mich ja in vielen Bereichen aus. Es geht eher darum, die Spielregeln im Parlament kennen zu lernen. Durch die Sommerpause im Parlament bleibt mir ausreichend Zeit und Ruhe, um mich in neue Bereiche meiner Tätigkeit einarbeiten zu können. Ich habe zudem bereits seit vergangenem Herbst an verschiedenen Sitzungen sowie internen Schulungen und Workshops des Grünen Parlamentsklubs teilgenommen.

Bei den Grünen gibt es einen Pool an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der für mehrere Abgeordnete zuständig ist. Ich werde mir daher eine Sekretärin mit einem Kollegen teilen.

Aufgabengebiete

BIZEPS-INFO: Für welche Bereiche – außer für behinderte Menschen – wirst du als Sprecherin der Grünen zuständig sein? Für welche Ausschüsse wirst du nominiert werden?

Helene Jarmer: Mein Hauptaufgabengebiet wird der Behindertenbereich sein, daher werde ich selbstverständlich Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sein, wo dieser Bereich angesiedelt ist.

Weiters werde ich mich sowohl dem Sozial- und Gesundheitsbereich als auch der Erwachsenenbildung widmen. Ganz wichtig ist mir natürlich der Unterrichtsausschuss, da ja für Gehörlose in diesem Bereich extrem viel zu tun ist. Wenn Themen für behinderte Menschen in anderen Ausschüssen behandelt werden, etwa in den Bereichen Verkehr und Bau, dann werde ich natürlich in die entsprechenden Ausschüsse gehen.

Der zweite Anlauf

BIZEPS-INFO: 10 Jahre nachdem du bei den Liberalen versucht hast, Abgeordnete zu werden, klappte es dieses Mal bei den Grünen. Woran ist es damals bei den Liberalen gescheitert und warum hat es dieses Mal bei den Grünen geklappt?

Helene Jarmer: Das Positive an beiden Parteien ist, dass sie sich ernsthaft für die Rechte von Minderheiten einsetzen und für eine liberale Gesellschaftspolitik eintreten.

Bei den Grünen kommt für mich dazu, dass sie die ersten waren, die mit Manfred Srb und danach Theresia Haidlmayr behinderte Menschen, in beiden Fällen Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer, als Abgeordnete gewählt haben. Die Grünen setzen mit mir quasi diese Tradition fort, nur dass ich eben gehörlos bin.

Sie ist Abgeordnete – und bleibt weiterhin Präsidentin des ÖGLB

BIZEPS-INFO: In einem Artikel auf Gebärdenwelt war zu lesen, dass du in Zukunft Parteipolitik als Grüne Abgeordnete und überparteiliche Interessenspolitik für den Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) als Präsidentin machen willst. Ist das deiner Meinung nach nicht ein Interessenskonflikt?

Helene Jarmer: Der Einsatz und Kampf für Behindertenrechte ist in meinen Augen ein Kampf für Menschenrechte. Dafür habe ich im Gehörlosenbund gekämpft und dafür werde ich bei den Grünen weiterkämpfen, sogar noch mit einem erweiterten Aufgabenbereich, weil ich als Behindertensprecherin die Anliegen aller behinderten Menschen vertreten werde.

Ich sehe da also keinen Widerspruch. Trennen werde ich aber selbstverständlich die Aufgabenbereiche.

Der Leserbrief in der Kronen-Zeitung

BIZEPS-INFO: Anfang Juni 2009 gab es einen sehr beleidigenden Leserbrief über dich in der Kronen-Zeitung. Hast du dich gekränkt? Welche Reaktionen hast du erfahren?

Helene Jarmer: Leider war diese Reaktion nicht ganz überraschend, weil es bereits in der Vergangenheit ähnliche Reaktionen gab und leider wohl auch in Zukunft geben wird.

Mich persönlich hat dies jedoch nur in meiner Arbeit bestärkt und darin, dass es weiterhin das Ziel anzupeilen gilt, dass Minderheiten innerhalb einer Gesellschaft nicht ausgegrenzt werden dürfen. Und ich bin überzeugt, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann, das Bewusstsein in der Gesellschaft schrittweise zu ändern und so für mehr Toleranz zu sorgen.

Für mich war es auch schön zu erfahren, dass mich viele Menschen darin unterstützen und in meinem Streben bestärken.

Jarmer: „Mein Ziel ist …“

BIZEPS-INFO: Und zum Abschluss natürlich noch eine Zukunftsfrage: Was möchtest du in vier Jahren erreicht haben?

Helene Jarmer: Mein Ziel ist es, Barrierefreiheit für wirklich alle Menschen in allen Lebenslagen umzusetzen. Das gilt für die Bereiche Bildung, Berufsmöglichkeiten, Information und Kommunikation, aber natürlich auch für die physische Barrierefreiheit in Gebäuden und in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ich wünsche mir, dass solche Ausgrenzungen, wie in dem Leserbrief in der Kronen-Zeitung nicht mehr vorkommen, sondern dass eine wirkliche Chancengleichheit sowohl für behinderte als auch für nichtbehinderte Menschen in der Gesellschaft möglich ist. Dafür werde ich kämpfen.

Mein Wunschtraum als Gehörlose ist, dass gehörlose Kinder die bestmögliche Ausbildung erhalten. Dafür braucht es ein Recht auf zweisprachige Ausbildung in Gebärden- und Lautsprache. Gehörlose Kinder sind genauso talentiert wie alle anderen Kinder.

BIZEPS-INFO: Wir danken für das Interview und wünschen viel Erfolg!

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0 Kommentare

  • sehr geehrte frau magister ich finde sie toll weiter so waldhäuslh

  • @Pagosus: natürlich „jeglicher“ Behinderung. Tippfehler sind erlaubt, „Plagosus“ 😉

  • „jegliche“ oder „jeglicher“ Behinderung?

  • Liebe Frau Sladek!

    Es hat hier sowieso keinerlei Grundlage für eine Klagsdrohung geboten, sondern ich habe lediglich eine öffentliche Entschuldigung von Frau Haidlmayr verlangt, das ist alles. Ansonsten denke ich positiv, ob es ein reinigendes Donnerwetter war oder nur ein Tröpferl, mal sehen wie sich die Sache weiter entwickelt.

  • @Gerhard Lichtenauer!
    Vielen herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Mittlerweile sind durch dieses Diskussionsthema innerhalb weniger Tage sehr deutlich veranschaulicht schon sehr viele Menschen verletzt, gekränkt und auch in ihrer Würde verletzt worden. Daher täte man jetzt wirklich gut daran, einen Durchgang mit interner Aussprache, Objektivierung und Vergebung zu starten.
    @Lukas Huber!
    Wenngleich Sie mit Ihren Schlichtungsverfahren und auch mit Ihren Klagen schon sehr viel Positives bewegt haben, vielleicht könnten Sie im Dienste der übergeordneten Interessen behinderter Menschen auf Ihre Klagsandrohung in diesem Zusammenhang doch verzichten, wenngleich auch Sie fürchterlich verletzt und aus Gründen mangelnden Wissens permanent fehlinterpretiert wurden.

  • An alle erhitzten und verletzten Gemüter und alle um Abkühlung und Schmerzlinderung bemühte Forumsteilnehmer: Danke für ALLE Beiträge. Bitte können wir uns alle mehr auf das gemeinsame Ziel konzentrieren, dass jegliche Behinderung von Menschen mit irgend einem Anpassungs-, Kompensations- oder Unterstützungsbedarf entgegenzuwirken ist.

  • Liebe Frau Fuhrmann-Ehn! Ich möchte erwähnen, dass die Politik des ÖGLBs die gehörlosen Studierenden nicht dazubewegt hat, nicht zum Behindertenbeauftragten zu gehen. Diese Aussage ist mir als VÖGS-Vorstandsmitglied seit 6 Jahren und Studierende seit 10 Jahren überhaupt nicht bekannt. Gehörlose Studierende heutezutage holen immer wieder Rat bzw. Unterstützung von den Behindertenbeauftragten während dem Studienjahr.

  • @Lukas: Vielen Dank für die sehr persönlichen Einblicke und wichtigen Erklärungen, die du uns gegeben hast. Es ist wichtig, dass wir immer versuchen den Umgang miteinander zu verbessern und von einander zu lernen.

    Wir können nicht von nichtbehinderten Menschen verlangen auf uns zu zugehen, wenn wir selbst untereinander nicht dazu bereit sind. Daher schätzte ich dein Bemühen um Erklärungen und dein aufrechtes und nachhaltiges Vermitteln von Positionen der Gebärdensprachgemeinschaft wirklich sehr. Wie gesagt: Danke dafür und auf weiteres gutes Zusammenarbeiten!

  • Man hört oder liest ab und zu irgendwo die Formulierung „du bist ja behindert!“ (im hämischen Unterton) und das ist „du bist ja blöd!“ gemeint.
    Unter nicht sensibilisierten Gehörlosen merke ich manchmal wie untereinander Scherze gemacht werden wie „du bist behindert“ und das fand ich nicht lustig.
    Das erleben viele Menschen mit Lernschwierigkeiten auch so.
    Gehörlose Menschen wurden jahrelang für nicht bildungsfähig gehalten und manchmal mit lernbehinderten Menschen auf gleichem Niveau gesetzt.

    Die Frage ist nun, wie gehen WIR Betroffene mit „behindert“ um? Sehr schwierig. Der Gehörlosenbund hat keine andere strategische Möglichkeit gesehen, als die österreichischen Politiker für die Anerkennung der Gebärdensprache zu überzeugen indem wir die Sprachminderheit gegenüber der (Hör-)behinderung betont hatten. Das war noch nicht einmal gegen behinderte Menschen persönlich gerichtet und keineswegs eine Absicht, sich von behinderten Menschen abzugrenzen! Wer das immer noch glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Ganz völlig anders ist die Formulierung „behinderte Menschen“, die dem positiven Selbstverständnis der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung entspricht und ich auch sehr sympathisch finde.

    Ich persönlich bezeichne mich sowohl als gehörlos und als behinderter Mensch (jedenfalls nicht blöd!) und auch einer Sprachminderheit angehörig (sowohl medizinisch und kulturell gesehen).

  • Liebe Mag.a Marlene Fuhrmann-Ehn!

    Ich habe jetzt noch einmal genauer gelesen und ziehe meine Empörung dir gegenüber zurück, denn du hast halt deine Erfahrungen gemacht und mir indirekt recht gegeben, dass die Aussage von Theresia zum „kotzen“ ist. In deinem letzten Posting wusste ich nicht, dass du es geschrieben hast.

    Das Problem ist weitreichender als du denkst und geht weit über die Grenzen des Gehörlosenbundes hinaus! Fakt ist, dass der Gehörlosenbund nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann dass gehörlose Studierende den Behindertenbeauftragten gemieden haben.

    Du solltest sehen, welche Konsequenzen eine einseitig lautsprachliche Erziehung haben kann und dabei gleichzeitig möglichst nicht wie ein Hörbehinderter (ist eh keine sichtbare Behinderung) auffallen – die Gesellschaft übt Normierungsdruck auf Eltern – die hörbehinderte Kinder haben – aus.

    Meine Mutter meinte es an sich gut mit mir, aber damals hatte die Kindergartentante meine Mutter davor gewarnt die Gebärdensprache zu verwenden, sondern gut und deutlich zu sprechen und möglichst wie „normal“ hörende Kinder zu verhalten, d.h. sie glaubte es sei gut für mich, die Behinderung zu verstecken. Das man sich dadurch von anderen behinderten Menschen (fallweise unbewusst) „abgrenzt“, war ich mir über Konsequenzen nicht bewusst. Schon viele haben solche Geschichten erlebt.

    Ich hatte hier im Forum schon einmal geschrieben, wiederhole mich:
    Es muss klar sein, warum in einer Art Gegenbewegung dann plötzlich „behindert“ verpönt war: eine gehörlose Person hat vor einigen Jahren erzählt: „Wir haben uns jahrelang als behindert abstempeln lassen und was hat es uns gebracht? Nix! Deswegen weigere ich mich, als behindert ansehen zu lassen“. Dann der Hammersatz: „Ich bin gehörlos und nicht behindert, weil ich bin ja nicht blöd!“ Er hat es ernst gemeint – behindert = blöd. Wahrscheinlich weil es persönlich so erlebt hat.

  • Zuerst unterstellt man mir, ich würde mich um Schadenbegrenzung bemühen. In Wahrheit sind es einige behinderte Leute hier, die einen großen Imageschaden hinterlassen! Ich habe keine Angst, mein Gesicht zu verlieren und habe hier alles offen dargelegt, was die Gründe für die „Distanzierung“, punkt.

    Ich weiche nicht von meiner Linie ab, dass es viele Missverständnisse gegeben hat, auch von Fr. Haidlmayr und Fr. Fuhrmann-Ehn verlange ich eine öffentliche Entschuldigung. Es ist höchst unprofessionell, Dinge nach aussen zu verbreiten ohne kritisch zu hinterfragen.

  • Ich bin Generalsekretär des Gehörlosenbundes und stehe in engem Kontakt zu VÖGS (Verein Gehörloser StudentInnen).
    Selbst wenn das stimmen würde, dass gehörlose Studierende aus welchen Gründen immer nicht zum Behindertenbeauftragten gegangen sind, es könnte einige Gründe geben. Es könnte z.B. auch möglich sein, dass man davon nicht weiss dass es überhaupt Behindertenbeauftragte gibt, der wertvolle Unterstützung bietet. Ich war Anfang 90er auch auf Studium und man hatte mir damals nicht informiert, auch meine Eltern und Geschwister nicht, dass ich mich zum Behindertenbeauftragten hätte wenden können. Damals war ich allein auf mich gestellt und es gab nur sehr wenige Dolmetscher in Wien. Meinen Studium habe ich abgebrochen und ging auf Jobsuche, jetzt bedaure ich davon nicht gewusst zu haben. Im Nachhinein mit mehr Wissen ausgestattet würde ich eventuell wieder studieren und diesmal Behindertenbeauftragten in Anspruch nehmen.

    Und ach ja ich erinnere mich gut, sogar meine Mutter hatte mir damals eingetrichtert wenn ich gut sprechen würde, dann würde ich mich normal verhalten und niemanden würde meine Hörbehinderung auffallen. So erging es auch vielen gehörlosen Jugendlichen, die lautsprachlich aufgezogen wurden. Von der Behindertenbewegung wusste ich damals überhaupt nicht.

  • Lieber Herr Huber!
    Ich weiß zwar nicht, wer sie sind und welche Erfahrungen Sie in diesem Bereich haben und ich glaube auch nicht, dass der Gehörlosenbund Studierende explizit bewegt hat, nicht zu den Behindertenbeauftragten zu gehen, aber die allgemeine Haltung nicht behindert zu sein, hat wohl die gehörlosen Studierenden dazu bewogen es nicht zu tun. Das ist meine immerhin schon siebenjährige Erfahrung in diesem Job und die hat sich in meinem Arbeitsalltag immer wieder gezeigt, und es wurde mir von Betroffen bestätigt.

  • Ergänzung: ich habe prompt Antwort von Helene Jarmer erhalten. Sie hat das nie gesagt bzw sie weiss davon nichts. Gestern waren Barbara Hager (VÖGS-Leiterin) mit Helene besprechen und sie hat ihr nie diesen Vorwurf gesagt und auch hat der Gehörlosenbund noch nie einen derartigen Schreiben erhalten. Dieser Vorwurf ist uns völlig neu!
    Es ist wirklich ein Skandal, wenn diese Manipulationsvorwürfe stimmen würden, dann gäbe es Konsequenzen. So aber ist das uns völlig neu und es wäre ein Skandal, sollte es sich als eine infame Lüge herausstellen (im Namen des Vorstandes des Gehörlosenbundes)

  • Liebe Mag.a Fuhrmann-Ehn!

    Also, jetzt bin ich aufrichtig erstaunt, was Sie da geschrieben haben. Ich lese es zum ersten Mal davon, dass der Gehörlosenbund die gehörlosen Studierenden dazu bewegt hätte, nicht zum Behindertenbeauftragten (der Universität) zu gehen.
    Soviel ich weiss, hat der VÖGS immer guten Kontakt zu Behindertenbeauftragten gehabt. Der VÖGS-Vorstand hat bei öffentlichen Präsentationen einmal einen Behindertenbeauftragten mitgebracht und gemeinsam haben sie Vortrag gehalten.
    Ich weise diesen Vorwurf der Manipulation empört zurück!

  • Liebe Theresia! Gestern habe ich deine Beitrag zum ersten Mal gelesen und mir mit der Antwort Zeit gelassen weil ich erst verdauen musste, was ich da gelesen habe! Du warst Abg. z. NR, das ist – jedenfalls nach meinem Verständnis – in einer Demokratie eine der wichtigsten Aufgaben, die man in einem Land haben kann. Als Staatsbürgerin erwarte ich mir von Abgeordneten neben Fachwissen- und Kompetenz auch ein gewisses Niveau an Umgangston – jedenfalls außerhalb des Parlaments -. Das was du da in deinem Beitrag vom 10. Juli vor allem um 10:33 lieferst ist – ich darf dich zitieren – wirklich zum kotzen.
    Lieber Theresia ich hätte dir einen anderen – schöneren – Abgang als Behindertensprecherin gewünscht. So sehr ich verstehe das du verletzt bist und deine jahrelange Arbeit gefährdet siehst, so wie du dich jetzt verhältst schadest du dir selbst aber vor allem auch der Behindertenbewegung.
    Ich selbst bin auch nicht begeistert von der Tatsache, dass Frau Jarmer jetzt Behindertensprecherin der Grünen ist, sie bzw. der Gehörlosenbund haben sich von behinderten Menschen immer sehr bewußt abgegrenzt. An den Universitäten z.B. haben sie den gehörlosen Studierenden mit dieser Vorgehensweise sehr geschadet. Dass die Situation gehörloser Studierender immer noch sehr schlecht ist liegt nicht so sehr am Unwillen der Universitäten als vielmehr am bis vor Kurzem andauernden Unwillen der gehörlosen Studierenden sich z.B. an Behindertenbeauftragte zu wenden. Aber Menschen ändern sich und so haben offenbar auch die Gehörlosen erkannt, dass sie behindert werden und sind, auch wenn sie das offebar nicht gerne sind.
    Und genau deshalb Theresia, und weil du soviel Wissen und Erfahrung hast und weißt, was Diskriminierung bedeutet und wozu Intoleranz führt, hättest du sagen müssen: Begeistert bin ich nicht, dass Frau Jarmer jetzt Behindertensprecherin ist, aber schauen wir mal was daraus wird. Liebe Grüße Marlene

  • @Magdalena
    Also, leider habe ich die anderen „Pro-Jarmer-Beiträge“ zu diesem Artikel erst jetzt gelesen, was mich in meinen zuvor deponierten Äusserungen nur noch weitreichender bestärkt. Bitte halten wir uns doch an Gerhard Lichtenauers Empfehlung. Das würde allen Involvierten inkl. Frau Jarmer wohlbekommen.

  • @Magdalena
    Das sind schwerwiegende Geschütze, die Sie da gegen Frau Jarmer auffahren. Ob zurecht oder nicht, das kann ich in Ermangelung an umfangreichen Informationen nicht beurteilen. Als Traurig erachte ich es jedoch, als auf einer Diskussionsplattform für behinderte Menschen genau Behinderte einander verbal so zerfleischen. Ich denke, Sie haben den Bestrebungen nach Akzeptanz mit Ihrem Kommentar keinen guten Dienst erwiesen. Allerdings sehe ich erneut auch das bewiesen: Auch unter uns menschelt es fürchterlich. Behinderung/Beeinträchtigung bedeutet nicht automatisch eine charakterliche Stärke.

  • Magdalena, ja ich bin ganz neugierig, ob etwa ÖAR-Präsident Voget der Fr. Haidlmayr zuhören wird und dem Gehörlosenbund die Mitgliedschaft bei ÖAR aufkündigt, weil der Gehörlosenbund sich angeblich nicht für „behindert“ hält. Da lachen ja doch alle über die Bananenrepublik.

  • @ Lukas Huber
    ich verstehe durchaus, dass Sie sich jetzt um Schadensbegrenzung bemühen, da die Politkarriere von Fr. Jarmer ja nicht mit einer großen Lüge und einer Spaltung der Behindertengemeinschaft beginnen soll. Und zugegeben, wäre es eine andere gehörlose NR-Abg. ließe sich diesbezüglich sicher eher Einigkeit innerhalb der Behindertenbewegung schaffen. Fr. Jarmer ist jedoch in der Bewegung für ihre Kompromisslosigkeit und ihren Wendehals, wenn es um ihren persönlichen Vorteil geht, bekannt und daher wird es wahrscheinlich keinen Konsens geben. Jarmers Vergangenheit liegt den allermeisten Leuten nämlich viel zu schwer im Magen, als dass sich dieser Brocken einfach verdauen ließe.

    Nun zu kommunizieren, dass sich alles um ein Missverständnis handle und Frau Haidlmayr wahrscheinlich nur schlecht zugehört hat, empfinde ich als eine furchtbare Dreistigkeit von Fr. Jarmer, dem gesamten Gehörlosenbund (der offensichtlich nicht die Interessen der Gehörlosen, sondern die von Fr Jarmer vertritt ?) und Ihnen persönlich.

    Die Glaubwürdigkeit von Fr. Jarmer ist ruiniert, bevor ihre Karriere richtig begonnen hat.

  • Ich kann mich gut hineinversetzen, dass sich manche vor dem Kopf gestossen gefühlt, bedauert oder aufgeregt hatten ob der Distanzierung von „behinderten Menschen“ durch die Gehörlosenszene. Nichtdestotrotz ist es in Wahrheit ein großes Missverständnis von beiden Seiten.

    Der Hintergrund ist, dass gehörlose Menschen mit ihrer Gebärdensprache jahrzehntelang – insbesondere seit dem Verbot durch Mailand 1880 – wegen ihrer „Behinderung“ von einer medizinischen Industrie in Mißkredit gebracht wurde. Zum Beispiel verbietet ein gewisser Doktor vom AKH den Eltern von CI implantierten Kindern die Gebärdensprache zu verwenden. Immerhin öffnen sich andere Mediziner immer mehr der Gebärdensprache, wenn auch zögerlich.
    Der Widerspruch: immer mehr hörende Eltern hörender Kleinkinder interessieren sich für die Baby-Zeichensprache, aber Eltern gehörloser Kleinkinder wird die Gebärdensprache verboten.

    Auch das bisherige Schulsystem ist ein Grund für diese Distanzierung. Das Problem ist allerdings dass es unglücklich kommuniziert und von der Behindertenbewegung falsch aufgefasst wurde.

    Die eigentliche Aussage und Absicht dahinter ist, dass man mit Gebärdensprache sich nicht behindert FÜHLT. Genauso wie bei einem Blinden, der das GEFÜHL hat, die Behinderung falle weg, wenn ihm Braille oder Audiodeskription im vollen Umfang angeboten wird (volle Barrierefreiheit).

    Ich stelle nunmehr fest, dass Fr. Haidlmayr als Behindertensprecherin die damaligen Aussagen von Fr. Jarmer zwar gehört hat, aber noch lange nicht alles verstanden hat. Einverstanden… und doch aneinander vorbeigesprochen.

    Nun, wo die Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache erreicht ist, ändern sich für uns die Prioritäten. Behindertenbewegung und Selbstbestimmtes Leben hat für uns an sich schon immer einen hohen Stellenwert gehabt. Man kann aber im Leben alles nur Schritt für Schritt langsam angehen.

  • Ich habe es immer sehr bedauert, dass die Gehörlosenverbände sich in der Vergangenheit in der Behindertenbewegung kaum eingebracht haben, weil das Selbstverständnis von gehörlosen Menschen bisher in erster Linie das einer kulturellen Sprachminderheit war und nicht das von Menschen mit Behinderung. Dabei sind auch gehörlose Menschen im Alltag mit zahlreichen Be-hinderungen konfrontiert, genauso wie Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Lernschwierigkeiten mit Be-hinderungen durch ihre Umwelt konfrontiert sind. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle unterschiedlichsten Formen von Menschen, die mit Be-hinderungen konfrontiert sind, an einem Strang ziehen und das Verbindende sehen und nicht das Trennende. Gemeinsam erreichen wir mehr ! In der Gehörlosenszene scheint sich diese Erkenntnis wohl nun auch immer mehr durchzusetzen, was ja eigentlich sehr erfreulich ist. Jeder Mensch hat das Recht, sich weiterzuentwickeln und seine Einstellungen zu verschiedensten Themen durch Erfahrungen und Erkenntnisse zu verändern. Auch Frau Jarmer hat das Recht dazu !

  • „Etikettenschwindel auf Kosten von Menschen mit Behinderungen“ — das ist ja die eigentliche Maxime österreichischer Behindertenpolitik, die über ihre hochdotierten Wasserträger „Wasserköpfe“ im Licht der „solidarischen“ Vorderhand streichelt um sie dann im Dunkel der arischen Hinterhand blutigst zu zerquetschen. Jarmer ist das fleischgewordenen Symbol für diesen schizophrenen Umgang.

  • @Alexandra N: Dass der ÖGLB mittlerweilen einen sehr schlechten Ruf genießt, habe ich jetzt auch schon von vielen Seiten gehört. Ich frage mich, wo das einst so engagierte Team so schnell hinverschwunden ist. Entweder wollten die Leute mit der Jarmer nicht mehr arbeiten oder die Jarmer hat schnell, bevor sie in die Politik gegangen ist, alle Leute selbst abserviert. Vielleicht hat sie ja was zu verbergen, was ihre karriere als politikerin gefährden könnte. Hätte Lust, da mal ein bisschen nachzuspüren.
    Dass die Frau Jarmer jetzt bei den Grünen ist, ob kompetent od nicht, ist für die Grünen wohl eher zweitrangig, denn in deren Parteiprogramm passt sie ja als elitäre, weibliche, (behinderte?) Minderheit ganz wunderbar.

  • Eine gemeinsame Linie in Sachen Behindertenpolitik ist in jedem Fall der beste Weg. Nur, wer Frau Jarmer je kennengelernt hat bzw. mit ihr in irgendeiner Weise mal zusammenarbeiten musste, weiß, – dass Helene Jarmer ausschließlich zum Selbstzweck handelt. Jahrelang hat sie in ihren eigenen Reihen gepredigt, dass Gehörlose nicht behindert sind. Sie hat die Identität der Gehörlosen um ihrer Selbstwillen die letzten 15 Jahre mitgeprägt. Jarmer hat absichtlich eine Distanz zur Behindertenbewegung geschaffen, da sie sich persönlich dort nie einreihen wollte. Jetzt, wo es um die Wählerstimmen geht, möchte sie diese ganz bewusst geschaffene Distanz am liebsten sofort wegwischen. Das ganze ist eine bodenlose Frechheit, Frau Jarmer hat sich in ihrem ganzen Leben noch nie für behinderte Menschen engagiert, – da sie nicht dazugehören will. Das ganze nennt sich Etikettenschwindel und ist Verrat an den Gehörlosen und Betrug an der gesamten Behindertenbewegung. Frau Jarmer ist für die Funktion als NR-Abg. völlig inkompetent, da sie keine Ahnung von Behindertenpolitik hat. Als ÖGLB-Präsidentin ist sie ohnedies unglaubwürdig u ehrlich gesagt, den Job wird sie bald nicht mehr machen, – da sie den Aufstieg in die nächst höhere Liga schon geschafft hat. Die Gehörlosen in Österreich sollten die Jarmer endlich als ÖGLB-Präsidentin absägen und einen Präsidenten wählen, der die Gehörlosen nicht nur zur Selbstbeweihräucherung missbraucht, sondern die Interessen der Gehörlosen tatsächlich vertreten will. Die Behindertenorganisationen hingegen sollten Jarmers Inkompetenz aufzeigen, was ja nicht sonderlich schwer ist.

  • Vom Auseinanderdividieren (& lassen) der Behindertenbewegung und auch von der oft mangelnden Heraushaltung sachpolitischer Anliegen von den parteipolitischen Interessen, haben bisher nur die ökonomistischen Unterstützungsverweigerer, beharrlichen Grundrechtsverhinderer und unbelehrbaren Menschenrechtsignoranten profitiert.
    Um die hochdekorierten und (viel zu hoch) -dotierten Bauherren und Architekten, die scheuklappenbewehrten Schreibtisch-Vollzieher, sowie die (obrigkeitlich agierenden) willfährigen Lakaien systemischer Diskriminierungen auf bedeutungslosere Ränge zu verweisen, ist solidarische Einigkeit aller Menschen mit Kompensations- oder Unterstützungsbedarf und ihrer Freunde erforderlich.
    In diesem Sinne schließe ich mich den Beiträgen von Lukas H. und Klaudia K. vollinhaltlich an und bitte auch, die von mir sehr geschätzte, Frau Theresia H. und alle, die dies lesen, um zielorientierte Mitarbeit an der dringenden und wichtigen Sache, nämlich der (endlich zu beginnenden) Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention. Unabhängig in welcher Funktion oder mit welchen Möglichkeiten bzw. Ressourcen jede/r Einzelne ausgestattet ist, trägt sie/er immer irgendwie, stärkend oder schwächend, dazu bei. Es darf nicht weiterhin Zeit und Kraft verplempert werden.

  • Bei aller Achtung von Theresia H., die ich zu meinem Freundeskreis zähle. Ich stimme der Meinung von Lucas VOLLINHALTLICH zu, auch wenn die Wahl und das Zustandekommen des nun eingenommenen Mandatats von Helene Jarmer misslich gelaufen ist und sich bisher viel zu wenig an Austausch und EINIGKEIT, mit all den unterschiedlichen Bedürfnissen, innerhalb der Beh.Bewegung entwickelt hat.
    Ich finde, wir alle sollten Mag.a Helene Jarmer nun viel Kraft wünschen, ihre an sich und von anderen gestellten Aufgaben bei den Grünen – unterstützt mit unserem Know-how aus der Behindertenbewegung – zu erfüllen. Ich glaube vor allem, dass das bei den Grünen nicht leicht sein wird, weil die meiner Meinung nach unterdessen ZU sehr abgehoben sind und die (nicht elitäre) Basis schon längst nicht mehr versteht und erreicht, schnell – wie alle anderen Parteien auch – vergisst, was die Alltagserfordernisse von behinderten Menschen sind, wenn kein/e BetroffeneR im Kreise der Grünen MITarbeitet.
    Vom Schöngerede was unsere Menschenrechte angeht, bin ich sowieso schon geläutert und glaube nicht mehr daran, trotz aller schönen Papiere und Verfassungsbestimmungen, die zwar von Österreich unterschrieben wurden, aber KEINE Einklagbarkeit haben und wenn, dann nur ums teure Geld, was sich niemand leisten kann. Vereine, die von Menschenrechten eine Ahnung haben, wie der Klagsverband zum Beispiel, werden finanziell gekürzt und müssen von Jahr zu Jahr um ihre Finanzierung bangen! Was ist das für ein Rechtsstaat?

    Ich habe vor allem unser sogenanntes Oö. Chancengleichheitsgesetz im Auge, was jeglicher Chancengleichheit entbehrt. Bin entrüstet und empört, trotz aller Schönredereien vom Land OÖ!

  • Nun mal Butter bei die Fische, Haidlmayr: können wir uns darauf einigen, dass gehörlose Menschen objektiv gesehen SOWOHL zu behinderte Menschen ALS AUCH zur Sprachminderheit (d.h. Gebärdensprachgemeinschaft) – nachzulesen in der UN-Konvention über Rechte der Menschen mit Behinderungen (leider kommt sie um viele Jahre zu spät) – zählen? Wenn nicht, warum?

    Es wird in Zukunft darauf ankommen, vom Entweder-Oder abzurücken und gemeinsam die Synthese, das Sowohl-als-Auch, zu suchen, die Öffnung aufeinander zuzulassen und zu verwirklichen. Gebärdensprachgegner insbesondere Fachleute aus der „Hilfsbedürftigenbranche“ wie Medizin und Pädagogik haben mit ihrer entweder-Lautsprache-oder-Gebärdensprache Einstellung genug Schaden an gehörlosen Menschen angerichtet. Der Trend geht zu sowohl-als-auch, d.h. Bilingualismus (Deutsch als auch Gebärdensprache). Nun dass auch noch Aktionen von manchen behinderten Menschen gegen gehörlose Menschen angezettelt werden, verheisst nichts Gutes.

    Haben gehörlose Menschen – indem sie sich zur Sprachminderheit erklärt haben – den Anliegen behinderter Menschen Schaden zugefügt?

    Bei der Lektüre der Beiträge habe ich den Eindruck, dass offenbar Unwissenheit, Fehlinformationen, Missinterpretationen und Halbwahrheiten über gehörlose Menschen noch weit verbreitet sind. Die meisten Schilderungen hier im Forum legen die Vermutung nahe, dass man nicht richtig informiert ist bzw. wurde. Die reichlich „vergiftete“ Atmosphäre macht die notwendige Aufklärung nun natürlich schwierig. Hier gäbe es Arbeit: Gehörlosen- und Behinderten-Verbände müssten sich zusammen tun, um über die Aspekte der Behindertenbewegung und Sprachminderheit – zwei unterschiedliche und doch synergierende Konzepte – aufzuklären – ruhig, sachlich und ohne die Entscheidungen der behinderten/gehörlosen Menschen zu beeinflussen. Wenn sich z.B. beide Seiten auf einen gemeinsamen Text, der dann auch noch als Gebärdenvideo veröffentlicht werden sollte, einigen würden – es wäre viel gewonnen.

  • Wenn Frau Jarmer nur einen Funkten Anstand hat, dann soll sie Sprecherin für Sprachminderheiten werden. Sie kann von mir aus auch über Menschen mit Behinderungen sprechen, aber sie muss es unterlassen und klarstellen, dass sie nicht zu uns gehört, weil sie das immer abgelehnt hat. Bei der ÖVP, SPO und beim BZÖ gibt es auch BehindertensprecherInnen, die nicht ExpertInen in eigener Sache sind, also über Menschen mit Behinderungen reden und bestimmen, die maßen sich aber nicht an sich als Betroffene zusehen. Das ist zwar nicht das was Menschen mit Behinderungen wollen, die wollen SelbstvertreterInnen, aber die Abgeordneten dieser Parteien betreiben zumindest keinen Etikettenschwindel. Das verlange ich auch von Jarmer, noch dazu, wo sie niemals zur Gruppe von Menschen mit Behinderungen gehören wollte und sich klar und eindeutig verboten hat, dazu gerechnet zu werden. Wer das nicht glaubt, der muss nur auf den Seiten des ÖGLB nachlesen, da ist alles zu finden, wenn es nicht in den letzten Wochen vorsorglich gelöscht wurde.

    Herr Thomas, ich wollte ihnen das mitteilen, weil sie, warum auch immer, vielleicht sind sie selber vom ÖGLB, die Wahrheit durch Polemik verduschen wollten, das geht aber nicht, Menschen mit Behinderungen sind nicht dümmer als der Rest der Menschheit und ich auch nicht! Mir ist es wurscht, was die Frau Jarmer im Parlament macht, ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe sie nicht gewählt, ich lasse aber ganz sicher nicht zu dass sie am Rücken von Menschen mit Behinderungen ihr mieses Spiel mit diesem schmutzigen Etikettenschwindel betreiben kann, dagegen werde auch ich mich lautstark wehren, das ist fix und ist zeitlich unbegrenzt.

  • Was in mir Dauerkotzen auslöst ist, dass Frau Jarmer jetzt einen Etikettenschwindel auf Kosten von Menschen mit Behinderungen uns aus- und benutzen will um vielleicht Etwas werden zu können bei den Grünen. Das ist so abscheulich und grauslich und erzeugt nicht nur in mir tiefe Abneigung und Verachtung. Ich lasse mich auch von dieser Frau nicht missbrauchen, fremd bestimmen und bevormunden. Ich lasse mich auch von ihr nicht bescheißen mit ihrem widerwärtigen Etikettenschwindel, weil sie mir damit auch mein Recht auf Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen im Parlament nehmen will. Jarmer hat es immer aus tiefster Überzeugung und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erfolgreich verhindert, zur Gruppe der Menschen mit Behinderung gehören zu müssen. Wir Menschen mit Behinderung waren ihr immer zuwider oder was auch immer es gewesen ist, warum sie niemals mit uns in einem Gesetzt oder eine Reihe stehen wollte, jetzt will sie uns auf einmal haben, das lässt für mich den Schluss zu, wie Menschen sich verändern können, wenn es darum geht im Monat € 10.009,60 brutto zu haben oder auch nicht. Wenn das Geld stimmt, dann nehmen sie auch Menschen ins Boot, mit denen sie vorher nichts, aber absolut gar nichts zu tun haben wollten, in diesem Fall sind es Menschen mit Behinderungen.

  • Niemand in der Politik kann ein Mandat pachten. Ein Mandat ist eine gewählte Funktion und endet mit Ablauf einer Funktionsperiode. Sich wieder darum zu bewerben, ist möglich und (fast) üblich. Ein Mandat kann nur gewählt werden, dafür ist aber eine Kandidatur notwendig. MandatarIn zu sein ist, um es nochmals verständlich zu machen, keine Pacht, sondern eine gewählte Funktion. Ich hoffe dass ich das jetzt verständlich erklärt habe.

    Obwohl ich weiß, dass alle dieses Wissen in der Schule gelernt haben, nochmals diese Nachhilfe. Mann/Frau vergisst halt im laufe des Lebens wieder viel, das ist ein natürlicher Vorgang.

    Herr Thomas ihre Polemik mit dem Generationskonflikt geht ins leere! Frau Jarmer ist 38, ich bin 53 Jahre. Eine zweistellige Subtraktion hätte ihnen ihre Peinlichkeit an Polemik erspart. Damit ist hoffentlich auch dieser Unsinn ein für alle mal abgeklärt und abgehackt okay?

    Kommen wir zum Sachlichen!
    Frau Jarmer, Präsidentin des ÖGLB, hatte während meiner gesamten Abgeordnetentätigkeit darauf bestanden, dass gehörlose Menschen nicht als Menschen mit Behinderungen, sondern als Sprachminderheit anerkannt und auch so benannt werden. Deshalb war es für mich auch selbstverständlich, des ich mich nie selbst zur Sprecherin für sprachliche Minderheiten ernannt habe oder ernennen ließ. Es hätte meinen Anspruch auf Selbstbestimmung und Selbstvertretung von gehörlosen Menschen widersprochen. Ich habe dem immer Respekt gezollt. Ich habe nie gesagt, durch mich als Mandatarin haben die Grünen eine Behinderten- und Sprachminderheitensprecherin der gehörlosen Menschen im Parlament als Selbstvertreterin. Ich habe mich nie als selbsternannte Expertin den gehörlosen Menschen aufgespielt, obwohl ich ohne Hörgeräte gehörlos bin. Ich habe mir nie angemaßt, gehörlose Menschen zu bevormunden und fremd zu bestimmen.

  • @ Nachdenker & Franz Werfel:

    Die ehem. Abgeordnete zum Nationalrat heißt Haidlmayr. Wenn ihr schon Grün-Bashing betreibt, dann schreibt zumindest den Namen richtig. (Ach ja, und wer soll „der“ Sburny sein? Ich kenn nur „die“ Sburny!)

    Abgesehen davon: Theresia saß von 1994 bis 2008 im Nationalrat. Wenn sie nun als Behindertensprecherin von Jarmer ersetzt wurde, seh ich das als ganz normalen Generationswechsel. Dass sie selbst darüber nicht sonderlich glücklich war, steht natürlich auf einem anderen Blatt und kann ich auch gut verstehen, aber sie hatte das Mandat ja schließlich nicht gepachtet, oder?

  • mal schauen, ob der Frau Jarmer nicht dasselbe Schicksal blühen wird wie der Frau Haidlmaier. Gerade in der Politik ist man wenig zimperlich mit den eigenen Leuten …

  • Glückwunsch an Frau Abg. Magistra Jarmer. Trotzdem bleibt der üble Nachgeschmack der widerwärtig-unaufrichtigen Behandlung der sehr verdienten Frau Abg. Theresia Haidlmaier. Wenigstens hat sich der Sburny geschlichen!