Ignoriert und diskriminiert

Gehörlosenverbände fordern barrierefreien Zugang zu Bildung auf allen Ebenen.

Frau hält Schild mit Aufschrift: Muttersprache
ögs.barrierefrei

Gehörlose, schwerhörige und taubblinde Menschen haben in Österreich keinen gleichberechtigten Zugang zu Bildung.

“Solange die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) nicht zur Frühförderung, in Schule, Hochschulen, Berufsbildung und zum Lebenslangen Lernen eingesetzt wird, bleibt gehörlosen Personen Bildung effektiv verwehrt”, entrüstet sich Mag.a Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes (ÖGLB).

Gerade in der Grundschulbildung brauchen gehörlose Kinder Unterricht in Gebärdensprache – ihrer Muttersprache! – UND in der deutschen Schriftsprache, um später nicht aus weiten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens augeschlossen zu bleiben. Ohne entsprechende Kommunikationskompetenz bleiben sie vieler beruflicher Chancen beraubt und können ihre Rechte als BürgerInnen nicht in vollem Umfang wahrnehmen.

Reinhard Grobbauer, Geschäftsführer des Verbandes der Gehörlosenvereine Salzburg, ist entrüstet sich über den Ausschluss von gehörlosen Erwachsenen von Bildungsangeboten in Salzburg: “Weder für den Besuch eines Führerscheinkurses noch für die berufliche Weiterbildung werden die Kosten von GebärdensprachdolmetscherInnen übernommen!”

Forderungen

Stellvertretend für alle Gehörlosenverbände in Österreich fordert der ÖGLB eine bilinguale und bikulturelle Bildungspolitik (ÖGS und Deutsch), das heißt:

  • Verankerung von ÖGS im Lehrplan der Gehörlosenschulen und angepasste Lehrpläne an Regelschulen;
  • inklusiven Unterricht durch bilinguale Sprachentwicklung in der ÖGS und in Deutsch mit entsprechenden bilingualen Lehr- und Lernmaterialien;
  • Angebot des Freigegenstands bzw. Maturaprüffachs ÖGS im Rahmen des Fremdsprachunterrichts, vorzugsweise durch “Native Signer”.
  • Übernahme von Dolmetschkosten für die berufliche Aus- und Weiterbildung sowie für den Besuch der Fahrschule.

Jarmer und Grobbauer fordern die Regierungen auf Landes- und Bundesebene auf, ihre Verantwortung gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern wahrzunehmen.

“Gehörlose Menschen haben ein Recht auf uneingeschränkten Zugang zu Bildung. Wer gehörlose BildungsanwärterInnen diskriminiert, verletzt Menschenrechte”, sind sich die SprecherInnen der Verbände einig.

Die gesamte Presseunterlage vom 22. November 2019.

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2 Kommentare

  • Im Vergleich zu Personen mit Sehbeeinträchtigungen behaupten sich die Gehörlosen jedoch und haben den Wert von politischer Partizipation erkannt, auch wenn noch viel zu tun ist.
    Die Gebärdensprache hat offiziellen Status, dies kann man von Braille jedoch nicht behaupten. Außerdem ist es momentan ein Modetrend die Gebärdensprache zu lernen. Zumindest in Wien erhalten Gehörlose Dolmetschleistungen für Lehrveransteltungen an den Universitäten, Literatur im Hochschulbereich ist für Personen mit Sehbeeinträchtigungen in ganz Österreich de facto nicht vorhanden, d.h. Studieren ohne Literatur.

    • Die Blinden- und Sehbehindertenverbände müssten sich auch meiner Meinung nach mehr politisch einbringen und Lobbying betreiben anstatt vordergründig zu versuchen, Spenden zu lukrieren.