ICE

Krispl: „Skandalöse Vorgangsweise der Deutschen Bahn“

Mit Unverständnis reagieren Verantwortliche der ÖBB und Behindertenrechtler auf die Vorfälle in Deutschland.

Der Rollstuhlfahrer Michael Spörke muss heute, am 4. Oktober 2006, von Kassel nach Jena. Bei dieser Fahrt muss er in Weimar umsteigen. Um 19 Uhr ist in Weimar jedoch mit dem Einstiegsservice für Rollstuhlnutzer Schluss. Sein Zug fährt aber um 19.04 Uhr dort ab, deshalb ist eine Beförderung nicht mehr möglich, erfuhr er von der Deutschen Bahn.

„Für mich sind die 4 Minuten kein Diskussiongrund“, zeigt sich der Leiter der ÖBB Personenverkehr AG, Christian Schwarzl, über das Verhalten der Deutschen Bahn verwundert. „In Österreich wäre es sicherlich möglich gewesen“, ergänzt er und hält fest: „Im Notfall würden die Zugbegleiter den Ein- und Ausstiegsservice durchführen.“ Schwierig würde es nur, wenn es sich um „mehrere Stunden“ nach Serviceende handeln würde.

„Skandalöse Vorgangsweise“

„Eine derart skandalöse Vorgangsweise, wie sie die Deutsche Bahn hier an den Tag legt, wäre nach dem im wesentlichen konsumentenschutzrechtlich orientierten österreichischen Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz nach meiner Einschätzung klar als Diskriminierung aufgrund der Behinderung durch ein großes Massenbeförderungsunternehmen bekämpfbar“, zeigt sich Mag. Michael Krispl, Behindertenrechtler aus Wien, entsetzt.

Hier fielen – so Krispl im BIZEPS-INFO Interview – gerade „die Parameter Schwerpunktbahnhof und finanzkräftiges Beförderungsunternehmen mit quasi Monopolstellung ins Gewicht, so dass man für die österreichische Rechtslage wohl davon ausgehen können dürfte, dass sich z.B. die ÖBB in einer ähnlichen Situation nicht aus wirtschaftlichen Gründen, also wegen einer unverhältnismäßigen Belastung, aus der Affaire ziehen könnten bzw. zumindest eine Maßnahme setzen müsste, die noch immer eine wesentliche Verbesserung brächte.“

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0 Kommentare

  • Was nützt die schönste Planung, wenn plötzlich der Waggon ausfällt? Eine Rollifahrerin aus München wollte zu unserem Reha-Hundeseminar nach Spittal/Drau – beste Planung, Verabredung mit anderen Teilnehmern ab Salzburg, und stand plötzlich in Salzburg da – ausgefallener Rolliwaggon. Irgenwie ist sie dann doch mitgekommen, aber so lustig war das wirklich nicht. Aber es soll auch einmal ein Lob der ÖBB geben: Im Bahnhof Spittal haben uns die Bediensteten bei unserem Bahntraining mit den Hunden vorbildlich unterstützt!

  • Also mal ganz ehrlich, das Argument der ausfallenden Rolliwagons, sind schon so alt – aber deshalb nicht gut. Wenn ich eine Zugreise plane, dann erkundige ich mich vor meiner Abreise sehr genau, wo welcher Zug steht und organisiere mir auch Hilfe. Klar ist, dass Spontanreisen mit dem Rolli nicht möglich ist – das ist halt mal so. Entweder man meckert und lässt somit eine schöne Zugreise sausen, oder man bereitet sich ordentlich drauf vor. Also ich bin fürs Planen und hab dann das Vergnügen …

  • Schön wäre es, wenn endlich moderne Nahverkehrszüge kämen. Die Talente, welch falscher Name, sind in der Österreich-Ausführung behindertenfeindlich.

    Sogar auf der Vogtlandbahn haben neue Bombardier-Züge Hebelifte, so wie Talente sogar auf Nebenstrecken – in NORWEGEN.

    Man kann über die ÖBB viel sagen, über deren Züge nix gutes. Oder fahrt ihr viel, mit den so oft ausfallenden Rollstuhlwagen???

  • Ich finde, was Service und Kundenfreundlichkeit betrifft, ist Österreich ettliche Nasen den Deutschen voraus. Ich selbst hab schon Einiges mit der Deutschen Bahn erlebt und ich bin sicherlich keine zarte Natur, aber diese faulen Säcke stehen am Bahnsteig rum und wenn man die was fragt, dann schauen die dich entsetzt an – man kommt sich wie ein Ströenfried vor und von deutscher Gründlichkeit ist auch wenig zu sehen – Höflichkeit und Kundenfreundlichkeit scheint in deren Ausbildung wohl nicht im Lehrplan zu stehen.

    In Wien ist mir das noch nie passiert. Ganz im Gegenteil, selbst wenns keine Hebebühnen gab, so haben sich immer mehrere Bahnleute um mich gekümmert, egal in welchem Kaff ich ausgestiegen bin und das ohne zu motzen.

    Man kann ja viel gegen die ÖBB sagen, aber ich hab mit der ÖBB noch nie Schwierigkeiten gehabt. Ich finds nur schade, dass die Preise immer höher werden, da sollte man sich schon überlegen, ob nicht Fliegen günstiger kommt.