Nach dem Urteil in Sachen Schwanberg: Handlungsbedarf auf allen Ebenen

Lechner-Sonnek: "Menschen mit Behinderung wurden im LPH Schwanberg jahrzehntelang falsch behandelt. Die Führungskräfte der KAGES haben sich ihrer Verantwortung zu stellen!"

Lechner-Sonnek
GRÜNE

Die Verhandlung gegen den ehemaligen Stationsleiter im Landespflegeheim Schwanberg haben gestern mit einem (nicht rechtskräftigen) Schuldspruch geendet.

Die Vernehmungen haben vieles ans Tageslicht gebracht, was die tagtäglichen Vorgänge im Landespflegeheim ausleuchtet und Versäumnisse auf allen Ebenen aufzeigt.

„Es ist ein wichtiger Schritt getan, dass das Misshandeln wehrloser Personen, für die man die Verantwortung trägt, mit einem Schuldspruch beantwortet wurde“, sagt die Grüne Landtagsabgeordnete Ingrid Lechner-Sonnek. „Auch wenn man sich als Pfleger bzw. Stationsleiter überfordert fühlt, kann es nicht sein, dass Menschen mit Behinderung beschimpft, getreten, geschupft, umgeworfen, im Badewasser untergetaucht usw. werden.“ Hier knüpfen auch die Fragen an, wer für diese Missstände verantwortlich ist und war.

„Die Steirischen Krankenanstalten haben jahrzehntelang Menschen mit Behinderung in Schwanberg eingewiesen, sie aber nicht fachgerecht betreut bzw. behandelt. Der Sozialbericht 2011/2012 weist aus, dass in Schwanberg mehr als die Hälfte der betreuten Personen körperlich bzw. geistig behindert war bzw. ist, eine knappe Hälfte leidet bzw. litt unter psychischen Beeinträchtigungen. Für sie alle gilt das Steirische Behindertengesetz – sie alle haben jedoch keinerlei Leistungen der Behindertenhilfe erhalten!“ Es gab keine Erhebung ihres Bedarfes an Unterstützung, Schulung usw., es gab keine behindertenpädagogische Betreuung. „Dass den Verantwortlichen der KAGes jahrzehntelang nicht aufgefallen ist, dass diese Menschen nicht in die Psychiatrie gehören, sondern Menschen mit Behinderung waren bzw. sind, macht mich fassungslos!“, so Lechner-Sonnek.

„Man hat ihnen durch Ignoranz der Führungsetage die Betreuung und Förderung versagt, die ihnen laut Behindertengesetz zugestanden wären. Stattdessen hielt man satt und sauber für ausreichend.“ Auf diese Weise hat man die Betroffenen, aber auch das Pflegepersonal in eine schwierige Situation gebracht.

Gestern hat auch Dr. Klaus Theil, der als ärztlicher Leiter nach eigener Aussage einmal wöchentlich im Landespflegeheim in Schwanberg war, grundsätzlich aber Mitarbeiter der Landesklinik Sigmund-Freud in Graz ist, ausgesagt: „Dass Theil in seiner gestrigen Einvernahme nichts erkennen hat lassen, was in seinen Augen zu ändern gewesen wäre, war mein persönliches Schockerlebnis an diesem Verhandlungstag“, so Lechner-Sonnek, die einige Vernehmungen im Straflandesgericht persönlich verfolgte. „Es kann nicht sein, dass die ärztliche Leitung die aufgetretenen Misshandlungen ignoriert und die eigene Verantwortung nicht erkennen lässt. Die KAGes hat massiven Handlungsbedarf!“

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3 Kommentare

  • Sehr geehrte Frau Lechner-Sonnek!

    Da in Ihren Schreiben wiederholt und nachweislich unrichtige Angaben gemacht werden und ich mich dadurch persönlich entwertet sehe wäre eine Richtigstellung Ihrerseits betreffend meiner Reputation angemessen und wünschenswert. Es wäre ein Gebot der Fairness, meine Entgegnung an denselben Verteiler zu senden!

    • Zur rechtlichen Definition des LPH Schwanberg:
    Das LPH-Schwanberg unterlag stets dem Steirischen Krankenanstaltengesetz, das Haus war niemals eine Behinderteneinrichtung gem. BHG und unterlag auch niemals dem Pflegeheimgesetz!
    Unser Personal war also auf einen Krankenhausstandard ausgelegt, sowohl in pflegerischer Hinsicht als auch in therapeutischer Hinsicht. Wir hatten ErgotherapeutInnen, MusiktherapeutInnen und PsychologInnen beschäftigt.

    • Zu Ihrem Vorhalt: „Das LPH Schwanberg ist Teil des LSF, Dr. Theil ist ärztlicher Leiter und war nach eigener Aussage regelmäßig in Schwanberg, nämlich 1x/Woche.“

    Das LPH Schwanberg ist die 22. Krankenanstalt der KAGes und ist ein eigenständiges Haus mit Synergismen zur LSF-Graz (das ergibt sich inhaltlich).
    Mein Dienstausmaß belief sich von 1998 bis 2010 auf 50% LPH-Schwanberg und 50% LSF-Graz.
    Somit verbrachte ich 20 Wochenstunden im LPH Schwanberg und war meist täglich in Schwanberg (5×4 Stunden) – damals hatten wir noch 4 Stationen, das bedeutete, dass ich 2- Mal pro Woche jede Station visitierte, bei Bedarf auch öfters und auch an Wochenenden. Meine Aufgaben fokussierten sich auf die psychiatrischen Belange und die organisatorischen Belange. Im Übrigen war ein praktischer Arzt im Hause beschäftigt und deckte somit die übrige Zeit wie Nächte und Wochenenden ab. Es fanden regelmäßig sanitätsbehördliche Kontrollen statt, auch die Patientenombudsfrau war regelmäßig im Hause, nicht zu vergessen die wöchentlichen Anwesenheiten und Kontrollen durch die Patientenanwaltschaft.

    • Ich habe mir selbst seine Vernehmung im Gericht angehört. Das Bild, das Dr. Theil zeichnete, war das von sehr schwierigen PatientInnen. Das könnte damit zu tun haben, dass sie falsch behandelt wurden:

    Hier muss sorgfältig differenziert werden, denn jeder erfahrene Psychiater, Arzt, Betreuer oder Therapeut wird schon einmal erlebt haben, wie benachteiligte Menschen, die von schweren Verstimmungen, epileptischen Dämmerzuständen oder wahnhaft halluzinatorischen Störungen geplagt werden, von einer überlegt indizierten und fachmännisch überwachten psychopharmakologischen Behandlung profitiert haben, die sodann andere Möglichkeiten des Zugangs und der Therapie eröffnet. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit hat zu einem Erfahrungsaustausch geführt, der mit vielen, früher hartnäckig vertretenen Vorurteilen aufgeräumt hat. Nicht nur die Therapeuten lernten dazu, auch die Psychiater begriffen, wie scheinbar nur medikamentös beherrschbare Ausnahmezustände und psychotische Erlebnisweisen durch soziotherapeutische Maßnahmen gelindert oder zum Verschwinden gebracht werden können. Die Vorbehalte gegen die Behandlung mit Psychopharmaka sind in Team- und Fallbesprechungen offen zur Sprache gekommen, damit zumindest ein „Konsens über den Dissens“ erzielt werden konnte. Schon im Interesse der Psychohygiene war dies, allemal unterdrückten Vorbehalten, vorzuziehen.
    Unser soziotherapeutisches Angebot vor Ort war gut strukturiert und entsprach dem damaligen Standard.

    In den letzten 15 Jahren, Frau Lechner-Sonnek, fanden Sie es trotz dieser Ihnen offensichtlich bekannten „Missstände“, nur ein einziges Mal (2011) der Mühe wert unser Haus aufzusuchen?
    • Wieso ist keiner der Führungskräfte aufgefallen, dass man überall anders Menschen mit Behinderung nicht mehr in der Psychiatrie unterbringt, sondern integriert in die Gesellschaft?

    Die Menschen mit Behinderung, die in Schwanberg wohnten kamen zum größten Teil aus sogenannten Behinderteneinrichtungen der Steiermark, Kärnten und Burgenland, sogar aus Salzburg, Oberösterreich und Niederösterreich! Diese bedauernswerten Menschen wurden teils aus Familien nach dem Tod von Eltern oder Angehörigen oder aus Behinderteneinrichtung zuerst in die Psychiatrie „entsorgt“ und kamen von der LSF-Graz nach Schwanberg, weil sie keine der zuweisenden Behinderteneinrichtung (mehr) zurückhaben wollte…

    Zusammenfassend entsteht bei mir leider der Eindruck, dass Sie auf Basis unzureichender Sachkenntnis Politik auf dem Rücken und unter Benutzung schwer benachteiligter Menschen zu machen versuchen. Sehr gerne hätten wir Sie und möglichst viele andere Politiker an unserer Seite bzw. der unserer Schützlinge gesehen, als wir über Jahre am Aufbau und an den laufenden Verbesserungen in Schwanberg gearbeitet haben. Nach meiner Kenntnis befassen Sie sich mit dem Thema LPH Schwanberg allerdings erst seit dem medialen „Skandal“ im Jahr 2010 von dem übrigens schlussendlich eine Verurteilung eines Mitarbeiters übrig geblieben ist.
    Ich überlasse es gerne Ihnen selbst und den Lesern Ihrer Rundschreiben den für so eine „Politik“ passenden Ausdruck zu definieren.

    Daher kann ich leider weder freundlich noch mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung grüßen

    Dr. Klaus Theil

  • SATT & SAUBER GILT AUCH IN DEN MEISTEN BEHINDERTEN – KZ ’s

    Machen wir uns doch nichts vor : diese “ SATT & SAUBER “ Ideologie grassiert nach wie vor auch bei der konventionswidrigen Einweisungspraxis der Salzburger Landesregierung. Mit dem ersten Zauberwort “ EIN – RICHTUNG “ wird das zweite Zauberwort “ UNTERGEBRACHT “ verbunden durch Bescheid und ab in die Klapsmühle auf Lebzeiten !

    Seit kurzem predigt jedoch sogar der verantwortliche Präsident des größten Sklavenhaltervereines im Lande Salzburg in aufdringlichster Form die sogenannte “ SELBST – BESTIMMUNG “ auf der Homepage der “ Lebenshilfe Salzburg „, man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus ! Ist etwa tatsächlich der vielbemühte “ PARADIGMEN – WECHSEL “ in Gang gekommen ???

    Nicht nur “ SCHWANBERG “ verleitet zur Verletzung der elementarsten Menschenrechte, nicht nur “ SCHERNBERG “ bedeutet ein fragwürdiges Konzept der Massenhaltung wehrloser Mitmenschen im engen Gehege einer entmündigenden Konfinierungsanstalt – NEIN auch die bestens getarnten und äußerlich perfekt behübschten Klein – Kasernen der “ Lebens – Hilfe “ Salzburg sind Brutstätten der Ausbeutung, der Gewalt und des Missbrauchs nach der Definition von Art. 16 BRK !

    Es muß unverzüglich SCHLUSS gemacht werden mit der vergewaltigenden Einweisungspraxis ohne Heimvertrag, es muß SCHLUSS gemacht werden mit entwürdigender Versachwaltigung durch skrupellose RechtsanwältInnen als SachwalterInnen, es muß SCHLUSS gemacht werden mit der permanenten Mißhandlung wehrloser Rechtsunterworfener durch RichterInnen, die ihr Amt mißbrauchen mit permanenter Formalistik, Kasuistik und Eventualistik !

    Wo bleibt der HAUSVERSTAND bei all diesen Akteuren im Behindertenbereich : den haben sie schon vor vielen Jahren an der Garderobe dauerhaft abgegeben ! Insbesondere RichterInnen zeigen Arbeitsweise ohne Herz & Hirn & Hausverstand – eine Katastrophe für das

  • Mich wundert nichts mehr!