Noir – The dark side of the spoon

Das Restaurant der anderen Art. Ein Erlebnisbericht.

angerichtete Speise auf einem Teller
BIZEPS

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es wäre, wenn man blind essen und trinken müsste? Wie man es schafft, sich am Teller zu orientieren und zu essen, ohne eine mords Schweinerei zu veranstalten? Wie man es hinkriegt, keine am Tisch herumstehenden vollen Gläser oder Blumenvasen umzuwerfen oder gar noch in ein romantisches brennendes Teelicht zu tappen?

Eine Antwort auf die meisten dieser Fragen finden Sie im Restaurant Noir in der Neubaugasse 8/II im 7. Wiener Gemeindebezirk. Es handelt sich um ein Restaurant, dessen Gasträume völlig verdunkelt sind, so dass jede Besucherin und jeder Besucher in die Lage versetzt wird, sich ohne seinen Sehsinn, also quasi blind, den lukullischen, olfaktorischen und auditiven Eindrücken hingeben zu können. Fachkundig betreut wird jeder Gast durch seinen ganz persönlichen blinden Guide, der mehr ist als eine Kellnerin oder ein Ober.

Als quasi Appetitanreger hier ein kurzer Erlebnisbericht vom Ulli Krispl, die zwar selbst hochgradig sehbehindert, aber dennoch gewöhnt ist, sich mit Hilfe des Sehens zu orientieren.

Ulli Krispl: „Also es war für mich einfach total spannend, erleben zu können, wie mein Mann Michael, der ja blind ist, das so beim Essen macht und mit welchen Problemen er konfrontiert ist. Ich habe es zwar schon oft miterlebt, wenn er etwas am Tisch sucht, er ein volles Glas umwirft, weil ich es unabsichtlich, ohne etwas zu sagen, verrückt habe, oder er mit schlecht zu schneidenden Dingen mit Sauce zu kämpfen hat, jedoch wirklich verstehen kann man das erst, wenn man es selbst erlebt hat.“

Der Einstieg war noch harmlos; ein sehbehinderter Empfangschef begrüßt die Gäste in der noch beleuchteten Lounge im Sutterrain und serviert den Apperitiv. Hier wird auch noch das gewünschte Menü aus einer Karte ausgesucht, jedoch verrät die Karte nur, ob das Menü orientalisch, vegetarisch oder an Geflügel, Fisch/Meeresfrüchten bzw. Fleisch orientiert ist. Das ist auch Absicht, weil man ja völlig unvorinformiert die Speisen und Getränke erleben bzw. auch erraten soll. Auf den jeweiligen Geschmack – Unverträglichkeiten oder Abneigungen – nimmt der international erfahrene Küchenchef natürlich Rücksicht.

Ulli Krispl: „Also es war schon unglaublich, wie anders man die Speisen erlebt, wenn man sie nicht sieht. Auf manches, was sonst ja völlig bekannt gewesen wäre, wie z. B. Blattspinat oder Feigen, kommt man nur durch den Geschmack einfach nicht und glaubt z. B. statt Spinat Lauchgemüse zu essen. Auch klein geriebene Linsen verwechselt man plötzlich mit Grieß. Manches hingegen ist auch ohne es zu sehen sofort klar, wie z. B. eine Hühnersuppe mit Nudeln.“

Noch vor den Betreten des verdunkelten Restaurants durch die Lichtschleuse wird den Gästen deren blinder Guide vorgestellt, der/die den ganzen Abend zur Verfügung steht, serviert, abserviert, Tipps gibt und all die auf der Zunge brennenden Fragen beantwortet …

Ulli Krispl: „Adrienne, unser Guide, war absolut super. Sie war total einfühlsam, freundlich und für alle Fragen offen. Sie führte uns über Treppen im Dunkeln und zeigte uns, wo sie die Gläser am Tisch hingestellt hat, wo das Besteck lag und wie sie die Speisen von der Küche bis zu uns transportiert, ohne alles zu verschütten. Dieser Guide ist aus meiner Sicht sehr wichtig, da er/sie wesentlich dazu beiträgt, dass man sich entspannt, sich auf das Erlebnis einlässt und schließlich den Abend auch wirklich genießt. Dennoch hat Adrienne uns einige Herausforderungen gelassen, wie etwa die Suppe selbst aus einem Kännchen in den Teller zu gießen oder das Wasser selbst aus einer Flasche ins Glas einzuschenken; Gott sei Dank ist mir dabei kein Malheur passiert.“

Der Besuch im Noir ist aber gleichzeitig auch ein auditives Erlebnis, wie Ulli Krispl erzählt: „Nun, es ist schon spannend, während dem Essen vorbeiziehende Elefantenherden zu hören, ein aufziehendes Gewitter mit dem dazugehörenden Wind zu hören und zu spüren oder das übermütige Spiel der Affen mit zu verfolgen. Das ist meiner Meinung nach ein gelungenes zusätzliches Erlebnis, das auch ein wenig Urlaubsstimmung vermittelt.“

Und nach rund zwei Stunden köstlichen Schmausens begleitet der Guide die Gäste wieder hinauf in den beleuchteten Bereich, wo man in der Bar noch einen Digestiv genießen und mit den Mitarbeitern das Erlebte reflektieren bzw. das Speisenrätsel auflösen kann.

Ulli Krispl: „Also ich kann nur jedem empfehlen, sich auf einen Besuch im Noir einzulassen, um einfach einmal die Welt etwas anders zu erleben und eine Ahnung von der Wahrnehmung und den tatsächlichen Herausforderungen blinder Menschen zu bekommen. Ich würde es jederzeit wieder tun.“

Das Restaurant Noir finden Sie in 1070 Wien, Neubaugasse 8/II – erreichbar mit der U3, Station Neubaugasse, oder der Autobuslinie 13a. Weitere Infos finden Sie auch im Internet oder unter der kostenlosen Servicetelefonnummer 0800 101 999, unter der Sie auch reservieren können.

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  • Herzlichen Dank für diesen köstlichen und lebhaften Beitrag zur diesbezüglichen Realität blinder Menschen und für die gelungene Werbung für ein Lokal, das es fürwahr verdient, beworben zu werden. Ich hoffe, dass viele neugierig gemacht werden können und sich auf das Abenteuer der anderen Art einlassen, denn das lohnt sich mit Sicherheit.