ÖZIV: Salzburger Landesregierung versucht Senkung der Standards für Barrierefreiheit durch die Hintertür

Keine Aushöhlung der Barrierefreiheit in Salzburg!

Tafel mit dem Aufdruck Salzburg
BilderBox.com

Bereits im letzten Jahr hatte die Salzburger Landesregierung versucht, die Standards des barrierefreien Wohnbaus unter dem Deckmantel des „Leistbaren Wohnens“ zu senken.

Nach einer breiten Ablehnungsfront durch unterschiedliche Behindertenorganisationen wurde das Vorhaben schließlich aufgegeben.

Nunmehr allerdings wird versucht, diese Senkung der Barrierefreiheits-Standards quasi durch die Hintertür doch noch in die Realität umzusetzen.

So beabsichtigt die Landesregierung, etliche Baugesetze dahingehend zu ändern, damit im Land Salzburg in Zukunft Barrierefreiheit kein wichtiges Thema mehr im Wohnbau sein soll.

Der ÖZIV Bundesverband kritisiert diese Vorgehensweise und drängt in einer Stellungnahme auf entsprechende Änderungen. (Siehe Stellungnahme des ÖZIV vom 13.4.2021)

Verschlechterungen für Menschen mit Behinderungen ergeben sich im vorliegenden Entwurf unter anderem dadurch, dass bei der Errichtung von Start- und Übergangswohnungen auch bei mehr als drei Stockwerken KEIN Lift eingebaut werden müsste.

„Für uns ist eine Senkung des Standards für Barrierefreiheit nicht hinnehmbar!“, so ÖZIV-Generalsekretär Rudolf Kravanja.

Wir fordern die Salzburger Landesregierung auf, ihr Vorhaben zurückzustellen und umgehend den Kontakt mit Behindertenorganisationen zu suchen.

Barrierefreiheit macht nur gut ein Prozent der Gesamtbaukosten aus

Abermals führt die Salzburger Landesregierung fälschlicherweise das „Kostenargument“ ins Treffen. Tatsächlich wurde aber schon mehrfach wissenschaftlich bewiesen, dass die Mehrkosten durch Barrierefreiheit gering sind, wenn Barrierefreiheit bereits bei der Planung berücksichtigt wird. In diesem Zusammenhang verweisen wir beispielsweise auf die Studie „Barrierefreies Bauen im Kostenvergleich“, die zu folgendem Ergebnis gelangt:

„Die Studie kommt zu einem verblüffenden Ergebnis: Barrierefreiheit macht nur gut ein Prozent der Gesamtbaukosten aus.“ (Siehe: Held, Michael; Ander, Christin; Kelka, Jens Uwe; Müller, Andreas, Barrierefreies Bauen im Kostenvergleich, Terragon Investment GmbH, abrufbar hier (S. 4)

„Verschiedenste Behindertenorganisationen habe bereits vor einem Jahr ihre Argumente klar gemacht. Dass nunmehr wider besseren Wissens erneut unrichtige Behauptungen über erhöhte Baukosten aufgestellt werden, ist unfassbar“, ärgert sich die ÖZIV-Landespräsidentin in Salzburg, Margarete Brennsteiner-Köckerbauer:

Wirklich preistreibend im Land Salzburg ist nicht die Barrierefreiheit, sondern die stetig steigenden Grundkosten!

Siehe: ORF

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Ein Kommentar

  • Leider ist das auch in OÖ so, dass Menschen mit Behinderungen in Bezug auf barrierefreies Bauen und Wohnen in den letzten Jahren große Einbußen hinnehmen mussten. Hierzulande gibt es leider nur geringen bis gar keinen Gegenwind. Unsere Behindertenorganisationen sind nur mit sich selbst beschäftigt, mit dem eigenen Stück Kuchen.
    Deswegen plädiere ich, dass nicht jedes Bundesland bei so wichtigen Themen das eigene Süppchen kocht, sondern dass es Grundsatzregelungen in Bezug auf Barrierefreiheit für ganz Österreich geben muss!