Zuerst einmal möchte ich mit meiner Arbeit Geld verdienen

Interview anlässlich des 1. Mai "Tag der Arbeit" mit Melanie Wimmer - Expertin für Barrierefreiheit bei atempo.

Melanie Wimmer
Stiefkind Fotografie

Rund um den Tag der Arbeit wird sehr viel über Arbeitslosigkeit gesprochen. Das ist gut und wichtig, ist doch die Anzahl der als arbeitslos vorgemerkten Menschen mit Behinderungen in den letzten Jahren massiv gestiegen.

BIZEPS setzt heute aber bewusst einen Gegenpunkt und zeigt, wie ein inklusiver Arbeitsmarkt aussehen kann.

Melanie Wimmer: „Als Vortragende muss ich viel reisen“

Die 20jährige Steirerin Melanie Wimmer kam direkt nach der Schule zum Sozialunternehmen atempo, absolvierte dort ein Praktikum und ist nun seit drei Jahren im Angestelltenverhältnis tätig, erfuhr BIZEPS-INFO.

„Ich halte Vorträge zum Thema Barrierefreiheit, mache Sensibilisierungs-Workshops und Analysen zum Thema Barrierefreiheit im Tourismusbereich“, beschreibt sie ihre Tätigkeit. Sie ist Teil eines fünfköpfigen Teams von „capito“ in Graz.

„Als Vortragende muss ich viel reisen“, erzählt die Rollstuhlfahrerin, die im Rahmen ihrer Arbeit bereits in Italien, Deutschland, Finnland und England war. „Ich bin gerade in Hamburg und schule unsere Partner von capito Hamburg“, erwähnt sie so nebenbei, was auch erklärt, dass sie schwer erreichbar ist, fügt sie schmunzelnd hinzu.

„Wir können alles lernen!“

„Ich bin stolz, dass ich trotz meiner Lernschwierigkeiten den Führerschein geschafft habe“, hält sie fest und fügt mit Nachdruck hinzu: „Wir können alles lernen!“

„Wir brauchen dafür nur die richtigen Hilfsmittel und unser eigenes Lerntempo“, erzählt sie aus ihren Erfahrungen. Zum Beispiel ist ein schwieriger Text eine Barriere für Menschen, die Probleme beim Lesen haben. „Sie können die Informationen nicht verstehen und deshalb auch nicht nutzen. Viele Menschen trauen sich nicht zu sagen, dass sie etwas nicht verstanden haben. Sie geben dann lieber auf und sind still“, berichtet sie BIZEPS-INFO.

Das größte Hindernis bei ihrem Führerscheinerwerb waren die Schulungsunterlagen. „Die hätte ich gerne im Leicht-Lesen-Format gehabt“, erinnert sie sich.

Was möchten Sie mit ihrer Arbeit erreichen?

„Zuerst einmal möchte ich mit meiner Arbeit Geld verdienen“, erklärt Frau Wimmer und ergänzt: „Dann freut es mich, dass ich mit capito viel herum komme und auch viel Anerkennung von anderen Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen bekomme.“

Besonders wichtig ist ihr, „dass ich mit meiner Arbeit zu mehr Barrierefreiheit beitragen kann“.

Videoausschnitt von capito Graz: Melanie Wimmer

Über atempo

„atempo wurde 2000 in Graz von Klaus Candussi und Walburga Fröhlich als ‚Verein zur Gleichstellung von Menschen’ gegründet. Mit den Marken capito und nueva gilt atempo als Vorreiter für Barrierefreiheit und Pionier für Social Franchise im deutschsprachigen Raum. Das atempo Netzwerk erwirtschafte einen Umsatz von 4,8 Mio. Euro im Jahr 2014 und zählt 21 Partner: in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Region Bodensee, Nordbayern, sowie in Wien, Graz, Linz, Innsbruck und Klagenfurt“, gab kürzlich atempo in einer Presseaussendung über sich bekannt.

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