A schene Leich!

Meine Rede bei der #Inklusionsdemo am 28. September 2022 am Ballhausplatz.

Cornelia Scheuer spricht bei der Inklusionsdemo
Hans Schubert

Sehr geehrte Trauergäste!

Freund:innen, Mitstreiter:innen, Aktivist:innen, Interessenvertreter:innen, und alle, die sich mit dem Wunsch nach einer inklusiven Gesellschaft mit uns solidarisieren! Willkommen!

Wir haben uns heute hier versammelt, um das inklusive Bildungssystem zu Grabe zu tragen.

Ich möchte ein paar Worte zu unserem lieben Verstorbenen sagen:

Unser inklusives Bildungssystem hatte einen hoffnungsvollen Beginn schon in den 1990iger Jahren des letzten Jahrtausends. Bundesminister Scholten, damals Minister für Unterricht, Kunst und Sport, hob es aus der Taufe, noch unter dem Namen „Integrative Schulklassen“.  Es begann zu wachsen und zu gedeihen. Vorerst noch in einzelnen Regionen, noch nicht flächendeckend in ganz Österreich. Aber in diesen Regionen gedeihte es gut.

Leider kamen in den nächsten Jahren Zeiten der Vernachlässigung auf es zu und eben wie bei einer Pflanze, die man nicht gießt, und in die Entwicklung und Pflege dieser zarten Pflanze nicht investiert, gibt es kein Wachstum.

Genauso erging es unserem inklusivem Bildungssystem.

So siechte es in den letzten Jahren dahin.

Mehr schlecht als Recht.

Einige wenige Ableger versuchen immer noch zu überleben

und kämpfen hartnäckig,

unterstützt durch großes Engagement von engagierten Direktor:innen, Lehrer:innen, Eltern und Schüler:innen und Künster:innen, die fest an es glauben.

Doch heute müssen wir zugeben, dass die wenigen Sprösslinge sowie ihre Angehörigen, die sich so tapfer gegen die harte Witterung aus der Politik gestellt haben, der Erschöpfung erliegen.

Den endgütigen Todesstoß erfuhr es nun durch diesen Nationalen Aktionsplan, der es in keiner Weise berücksichtigt. Weder in ideeller Hinsicht noch mit Finanzierung oder einem ernst gemeinten Entwicklungsplan.

Wir müssen nun wieder einmal traurig erkennen:

DIE GRÖSSTEN BARRIEREN SIND IM KOPF

UND WÄREN SIE NICHT IM KOPF,

DANN WÄREN SIE NIRGENDWO!

So haben wir uns heute hier versammelt, Abschied zu nehmen von etwas, das so hoffnungsfroh bereits im letzten Jahrtausend begonnen hat.

Doch wie bei jedem Ende, liegt auch immer die Hoffnung auf einen Neuanfang in unseren Herzen. So möchte ich euch heute ermutigen, die Hoffnung auf einen neuen Anfang, auf eine sichere und gewünschte Wiedergeburt unseres ersehnten inklusiven Bildungssystems nicht aufzugeben.

Denn wenn wir, liebe Trauergemeinde, in Österreich immer etwas zu schätzen und zu feiern wussten

– und damit sind wir in Europa berühmt-berüchtigt, dann ist es doch

A SCHENE LEICH!

Den derzeitigen Nationalen Aktionsplan, packen wir gleich in den Sarg dazu, der hat da auch noch Platz, denn er ist ja wohl „a schene Leich“.

So wollen wir nun gleich, nach den Schluss-Worten von Klaus Widl, frohen Mutes in die Lichtenfelsgasse zum Wiener Bildungsstadtrat weiterziehen, in der Hoffnung auf eine Zukunft mit einem Bildungssystem für Alle, in dem jede und jeder miteinander lernen und sich entfalten kann.

Vielen Dank für euer Kommen und eure Anteilnahme und bis gleich beim Umzug mit unserer Schönen Leich!

Impression von der Inklusionsdemo 28.9.2022
BIZEPS
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2 Kommentare

  • Inklusive Bildung ist toll. Schade nur, dass kaum Menschen mitbekommen, wie viel davon auf dem universitären Sektor verschlechtert wird und wir sind dabei im Schulsektor Inklusion zu erkämpfen.

    Das Universitätsgesetz sieht jetzt vor, dass in den ersten 2 Jahren 16 ECTS an Lehrveranstaltungen positiv abgeschlossen werden müssen. Wer weniger hat verliert die Zulassung zum Studium. Wer durch den Rost fällt: Menschen mit chronischen Erkrankungen, die sich rechtlich an der Schwelle von gesund zu krank bewegen. Krank genug um den Mindeststudienerfolg möglicherweise nicht zu erreichen und nicht krank genug um dem Gesetz nach eine 50% Behinderung zuerkannt zu bekommen.

  • Auch Hansjörg Hofer hat den Löffel abgegeben. Es kommen schlechte Zeiten auf uns zu.