Agentur Sonnenklar und Drehscheibe Peer-Streitschlichtung: Was bewirkt das Projekt?

Im Oktober 2019 begann das Projekt „Agentur Sonnenklar und Drehscheibe Peer-Streitschlichtung“. Eine Untersuchung gibt jetzt erste Einblicke, wie sich das Projekt für alle Beteiligten auswirkt.

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Das Projekt „Agentur Sonnenklar und Drehscheibe Peer-Streitschlichtung“ soll Kund:innen, Mitarbeiter:innen und Leiter:innen einer Einrichtung im Umgang mit institutioneller Gewalt unterstützen und für diese Gewaltform sensibilisieren.

Einerseits geschieht das durch Workshops und andererseits durch die Arbeit der Peer-Steitschlichter:innen, die bei Konflikten vermitteln.

Das Projekt begann 2019 und war ursprünglich auf 2 Jahre angesetzt, wurde aber aufgrund von Corona verlängert. Eine begleitende Untersuchung des Projektes zeigt nun erste Auswirkungen auf.

Was wurde untersucht? 

Es wurden die durchgeführten Workshops sowie das Angebot der Peer-Streitschlichter:innen betrachtet. Dabei ging es vor allem um Wahrnehmung des Projektes durch alle beteiligten Personen. Zudem ging es auch um die Wirkung, Nachhaltigkeit und Optimierungsmöglichkeiten des Projektes. Eine weitere Fragestellung betraf den Einfluss von COVID-19.

Im Folgenden soll ein kurzer Einblick in die Auswirkungen der Arbeit der Drehscheibe Peer-Streitschlichtung gegeben werden.

Auswirkungen für Kund:innen

Kund:innen wurden darin gestärkt, aktiver Mitbestimmung einzufordern, die Bedingungen in ihrer Einrichtung zu hinterfragen und Verbesserungen anzuregen. 

 Sie lernten, aktiv Konflikte anzusprechen und die eigenen Bedürfnisse zu äußern.

Auswirkungen für Mitarbeiter:innen

Auf der Seite der Mitarbeiter:innen und Leiter:innen wurde von einer höheren Sensibilität gegenüber gewaltvollen Kommunikationsweisen und möglichen Formen struktureller Gewalt berichtet. Zum Beispiel in der Frage, ob man durch das eigene Verhalten oder Strukturen in der Einrichtung Gewalt ausübt. Man empfand es zudem als positiv, durch die Drehscheibe Peer-Streitschlichtung eine Anlaufstelle zu haben. Der Austausch mit anderen Mitarbeiter:innen wurde als wertvoll empfunden, um die Strukturen der eigenen Organisation besser hinterfragen zu können.

Praktische Veränderungen

Durch die Arbeit der Drehscheibe Peer-Streitschlichtungen wurden in einigen Einrichtungen jetzt schon Veränderungen vorgenommen. Mitarbeiter:innen achteten z.B. vermehrt darauf, Informationen möglichst barrierefreie an Kund:innen weiterzugeben und sich zu versichern, ob diese auch verstanden wurden. Man bemühte sich um eine wertschätzende Kommunikation, so änderte man den Begriff Taschengeld in Leistungsanerkennung. Konflikte wurden mehr angesprochen und im sozialen Verhalten wurde verstärkt auf individuelle Bedürfnisse geachtet.

Eine wichtige Veränderung war der stärkere Einbezug von Kund:innen in Entscheidungsprozesse. So erhielten z.B. Selbstvetreter:innen zu Sitzungen Zugang, die früher nur für Mitarbeiter:innen waren. Ein weiterer Punkt ist die Verbesserung der Beschwerdestruktur innerhalb der Einrichtungen. In Besprechungen des Selbstvertreter:innen-Gremiums können Beschwerden und Wünsche der Kund:innen anonym an Mitarbeiter:innen und an die Leitung weitergegeben werden.

Für die Zukunft ist geplant, das Angebot der Drehscheibe Peer-Streitschlichtung bekannter zu machen, z.B. durch Informationsveranstaltungen und durch Kooperationen mit anderen Organisationen. In Bezug auf die Workshops möchte man das Angebot ausbauen, z.B. für den Bereich Wohnen oder auch einrichtungsübergreifend. Weiters soll das Angebot für andere Zielgruppen wie z.B. Menschen mit psychischer Erkrankung angepasst werden.

Auf der Internetseite der Agentur Sonnenklar finden Sie die gesamte Untersuchung und eine Zusammenfassung in Leichter Sprache.

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2 Kommentare

  • Das „Fazit“ (siehe verlinkte Untersuchung S.45ff): „sehr gelungene Projektumsetzung … trotz der sehr herausfordernden Situation der Pandemie … im besonderen Maße … umfassende Flexibilität, Bedürfnisorientierung und Offenheit … auf Veränderungen reagiert … das Angebot adap- tiert … wichtiger Wirkfaktor stetige Reflexion“ … alles nichts sagende Floskeln. Danke für NICHTS!

  • „…, so änderte man den Begriff Taschengeld in Leistungsanerkennung.“

    Na das nenne ich mal eine Veränderung. Ich käme mir überhaupt nicht auf den Arm genommen vor, wenn schwarz nicht mehr als schwarz und ein Taschengeld nicht mehr als Taschengeld bezeichnet werden dürfte.
    Genau so stellte ich mir dieses nutzlose Projekt auch vor. Veräppelung von Benachteiligung Betroffener. Gewalt ist Okay, sofern sie gewaltfrei kommuniziert wird oder zumindestens so, wie es von AbsolventInnen diverser Studienfächer, die allein zum Zweck der Erhöhung der Akademikerquote eingeführt wurden, für gewaltfrei gehalten wird. Und weil es wert- und nutzlos ist, wird auch nichts dafür bezahlt. Das bleibt hoffentlich auch so.
    Toll, dass Menschen in Notlagen andere als Ansprechpersonen haben, die selbst in der regel weder eine qualifizierte Ausbildung haben und einem Job mit geregeltem Einkommen nachgehen noch sonderlich belastbar sind.