„Aktion 500“ – eine Idee, die fertig gedacht werden möchte

Wie im "Der Standard" vom 24. 10. 2007 nachzulesen war, startete das Sozialministerium die so genannte "Aktion 500", die darauf abzielt, Betriebe, die einen behinderten Menschen einstellen, mit 600 Euro zu fördern. Ein Kommentar.

Am Arbeitsplatz
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Für mich als selbst körper- und sehbehinderten und (fast) fertigen Spanisch- und Italienischübersetzer geht diese Initiative eindeutig in die falsche Richtung und macht auf mich den Eindruck, dass das wieder einmal – um es in den Worten des Parteikollegen und steirischen Soziallandesrates, Dr. Kurt Flecker, zu sagen – „ein Beamtenvorschlag“ gewesen sein dürfte, zu dem der Minister (hoffentlich) nicht allzuviel beigetragen hat, da aus meiner Sicht eine klitzekleine Kleinigkeit übersehen wurde: Wie vom Minister SELBST angemerkt, könne er nicht ausschließen, „dass die Unternehmen diese dann wieder kündigen“.

Aus dieser Erläuterung ergäben sich für mich folgende „Hausaufgaben“ für den Minister, wenn er in diesem Bereich wirklich etwas weiterbringen und richtige Akzente setzen möchte:

  • Ein Angebot wie die „Aktion 500“ gehörte an Bedingungen geknüpft wie z. B., dass der behinderte Arbeitnehmer mindestens ein Jahr beschäftigt werden muss. Durch die aktuelle Initiative haben Betriebe zwar die Möglichkeit, ein halbes Jahr gefördert zu werden, wird der behinderte Arbeitnehmer danach jedoch wieder gekündigt, hat dieser nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung.
  • Zwar kommt das aus dem vorliegenden Bericht im Standard nicht heraus, jedoch hat es für mich den Anschein, als ob nur jene Personen förderungswürdig wären, die „begünstigt behindert“ sind. Und, was ist mit den anderen? Sind jene, die das Echo der Wirtschaft auf diesen Status hören und ihn deshalb nicht haben, weniger behindert?
  • Und – last, but not least – dürfte der Sozialminister gesetzliche Terminologie trotz seines abgeschlossenen JUS-Studiums nicht hinterfragen, denn solange man Ausdrücke wie „begünstigter Behinderter“ und „Minderleistung“ im Zusammenhang mit dem Arbeitsrecht und Behinderung verwendet, fördert man aus meiner Sicht nicht unbedingt das, was man (offensichtlich und hoffentlich) will: Nämlich die Integration und Gleichstellung am Arbeitsmarkt.

Ein erster und nicht allzu schwer umzusetzender Schritt wäre, dass auch Hr. Dr. Buchinger versucht zu verstehen, dass sich nicht nur die Arbeitsbedingungen und -erfordernisse für alle, sondern auch für behinderte Menschen geändert haben und eine gut gemeinte „Aktion 500“ droht, zur „Sanktion 500“ zu werden.

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  • Klaus WIDL

    „AKTION 500“ IST EIN WICHTIGIGER SCHRITT IN DIE RICHTIGE RICHTUNG!

    Sozialiminister Buchinger’s Initiative „Aktion 500“ ist meiner Ansicht sehr wohl überlegt und entspricht genau dem Ansatz, dass wenn Menschen mit Behinderung erst mal die Chance bekommen, sich in ihrem neuen Job zu beweisen, nach Ablauf der neuen Förderung auch weiterbeschäftigt werden. Denn welcher Unternehmer wird schon einen Mitarbeiter, der sich in sechs Monate gut eingearbeitet hat und mit dem er daher zufrieden ist, kündigen?

    Ich bin überzeugt davon, dass mehr als 80 % der mittels dieser Förderung neu geschaffenen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung nach Ablauf der sechsmonatigen Förderung bestehen bleiben – wenn das kein Riesenerfolg wäre!

    Letztendlich wird sich mit dieser Aktion klar herauskristallisieren, dass der Kündigungsschutz nicht mehr zeitgemäß ist und nach wie vor das größte Einstellungshemmnis für Unternehmer darstellt!

  • Mario

    … was ist besser: ein halbes Jahr einen geförderten Arbeitsplatz zu haben oder gar keinen Job zu haben?

  • Alexandra

    „… wird der behinderte Arbeitnehmer danach jedoch wieder gekündigt, hat dieser nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung.“

    Das ist aber neu, denn nach 6 Monate Arbeitverhältnis hat man sehr wohl Anspruch auf Arbeitslosengeld. Das würde mich wundern, wenns das nicht mehr gäbe. Und mal ehrlich, als „begünstige Behindeter“ hat man keinerlei Vorteile gegenüber nicht begünstigter Behinderter. Ich hab mich immer gefragt, welchen Vorteil ich habe … Gar keinen.

    „Aktion 500“ ist eine halbherzige bis schlechte Lösung. Es ist eine andere Art des Freikaufens und die Gesetzgeber entziehen sich jeglicher Verantwortung.

    Und auf die Frage von Mario, ob es nicht besser wäre, 6 Monate zu arbeiten als gar keinen Job: Für mich ist es nicht besser ein halbes Jahr einen Job zu haben, der nur darauf gebaut ist, weil der Staat den Arbeitnehmer fördert um dann nach der Förderzeit wieder gekündigt zu werden. Ich möchte den Job aufgrund meiner Leistung und nicht weil ich behindert bin.

    Es muss nach einer Lösung gesucht werden, die für alle Beteiligten sinnvoll ist. Das heißt, dass sich Unternehmen mit der Thematik „Behinderung“ beschäftigen müssen – vor allem Jungunternehmer und Neugründer -, dass sich diverse Behörden auch damit auseinandersetzen müssen und das der Gesetzgeber mit diesem „Füttern“ aufhören. Es darf nicht sein, dass die Leistung eines Betroffenen weniger geschätzt wird, als die Förderung, die er für die Firma erhascht. Welche Qualität hat das für den Betroffenen? Und welches Image erhält dadurch eine Firma?

    Ich finde Förderungen wichtig, aber nur, wenn es der Betroffene für richtig hält. Es müsste zB ein Wettbewerb geschaffen werden, indem sich Betriebe diesen Status als Förderungwürdig verdienen müssen.