50. Woche 2025 – Schmalster Gehsteig St. Pöltens?
Dieser Gehsteig in der Steinergasse in St. Pölten ist wohl nur für besonders schmale Menschen. In einem Rollstuhl, mit Kinderwagen …
Die Zeitschrift BEHINDERTE hat einen von der Bunten Rampe erstellten Ratgeber "Sprechen und Schreiben über Behinderung" veröffentlicht, den wir hier gerne wiedergeben:
„An den Rollstuhl gefesselt“ ist vielleicht der am häufigsten verwendete unsinnige Ausdruck im Zusammenhang mit Behinderung. Es gibt aber weitere nicht so eindeutig falsche Ausdrücke. Die Grazer Beratungsstelle Bunte Rampe in Graz hat deshalb einen kleine Ratgeber für eine nichtdiskriminierende Sprache zusammengestellt, der gerade im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung 2003 notwendig zu sein scheint.
Als allgemeine Bezeichnungen sind die Ausdrücke „behinderte Menschen“ oder „Menschen mit Behinderung“ im Deutschen politisch korrekt. Die englischen Entsprechungen werden in England (disabled people) und in den USA (people with disabilites) unterschiedlich bevorzugt. „Behinderte Menschen“ weist darauf hin, dass die Behinderung nicht etwas ist, das zur Person gehört, sondern der Person durch die ungünstigen sozialen Umstände widerfährt.
Dies drückt sich im Slogan: „behindert ist man nicht, sondern man wird behindert“ oder durch das Wortspiel „gehindert“ aus. Diese Verwendung entspricht somit dem sozialen Modell von Behinderung und nicht einem medizinischen! „Menschen mit Behinderung“ will ausdrücken, dass der Mensch zuerst kommt und seine Beeinträchtigung nur eines der vielen Persönlichkeitsmerkmale ist. Dies wird auch durch die Bezeichnung „people first“ für die politische Interessensvertretung der Menschen mit Lernschwierigkeiten ausgedrückt.
Wann sagt man Menschen mit Beeinträchtiungen?
Diesen Ausdruck soll man dann verwenden, wenn die Funktionseinschränkung thematisiert wird, z. B. wenn es um Mobilitätsbeeinträchtigungen, Sehbeeinträchtigungen, psychische Beeinträchtigungen, etc. geht, wenn also von Menschen mit einer (bestimmten) Beeinträchtigung die Rede ist.
Absolute „Dont `s“
Dass man nicht mehr „Krüppel“, „blödsinnig“ oder „Idiot“ sagt, dürfte sich herumgesprochen haben, aber auch andere Bezeichnungen wirken beleidigend auf viele betroffene Menschen!
Weitere problematische Ausdrücke
Patient
Behinderte Menschen sind keinesfalls immer passiv, leidend und werden behandelt, was aber dieses Wort bedeutet. Patienten sind sie nur, wenn sie Grippe haben, im Krankenhaus liegen oder sich einer Therapie unterziehen, wobei dann wieder zu wünschen ist, dass sie mündige Patienten sein können.
„Gesund“ als Gegensatz zu „behindert“
Viele behinderte Menschen sind gesund und fühlen sich auch so. Natürlich werden sich manche, deren Beeinträchtigung von einer chronischen Krankheit herrührt, auch „krank“ fühlen. Dies trifft aber nur auf einige zu! Es „leidet“ auch selten jemand an seiner Behinderung, sondern an Lebensumständen oder den Reaktionen seiner Mitmenschen.
„Normal“ als Gegensatz zu „behindert“
Was ist schon normal? „Es ist normal, verschieden zu sein“- hat schon ein deutscher Bundespräsident, Richard von Weizsäcker gesagt.
Die Behinderten
Hauptwörtlich gebraucht, wird hier eine homogene Gruppe konstruiert, die in Wirklichkeit ganz heterogen ist. Auch wird hier versteckt, dass es um Menschen geht.
Pflegefall
Dieser Ausdruck spricht in seiner generalisierenden und stigmatisierenden, auf Defizite konzentrierten Sichtweise betroffenen Menschen Lebensperspektiven ab und beraubt sie ihrer Persönlichkeit.
Alternativen: jemand benötigt Assistenz, Begleitung, Unterstützung- auch in höherem Ausmaß.
Handicap
Englische Fachausdrücke sind beliebt. Allerdings wird der Ausdruck „handicap“ in England als beleidigend erlebt. Er erinnert an „cap in the hand“, also an Betteln und wurde auch ausschließlich von den Charityorganisationen verwendet und nicht von Organisationen, die ein gleichberechtigtes Bild behinderter Menschen vermitteln wollen. Der Ausdruck wurde inzwischen auch von der WHO aus ihrer Definition von Behinderung entfernt. Deutsche Ableitungen wie „gehandicapt“ sind überdies sprachlich nicht schön!
Besondere Bedürfnisse
Ähnlich ist es mit diesem Ausdruck, er kommt vom englischen „special needs“, das dort vor etwa 25 Jahren modern war. Abgelehnt wird er nun, weil er bedeutet, dass es eine Gruppe der „Anderen“ gibt, die andere Bedürfnisse haben. In Wirklichkeit haben wir alle gleiche Grundbedürfnisse mit einer Vielzahl individueller Wüsche und Bedürfnisse. Im Zusammenhang mit barrierefreiem Design, woher dieser Ausdruck kommt, spricht man nun eher vom „universal design“, also einer Planung, die möglichst vielen individuellen Bedürfnissen entspricht.
Anforderungen an das Design und an die gebaute Umwelt ergeben sich im Lebenszyklus (z.B. Schwellenlosigkeit im Kinderwagenalter und im höheren Alter, größere Schrift für Schulanfänger und jenseits der Lebensmitte, einfache Sprache für Leseanfänger und für fremdsprachige Gäste) und nicht nur für als behindert definierte Menschen.
Man kann des Guten auch zu viel tun: übertriebene politische Korrektheit wirkt rasch peinlich!
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
Dieser Gehsteig in der Steinergasse in St. Pölten ist wohl nur für besonders schmale Menschen. In einem Rollstuhl, mit Kinderwagen …