Forschungsverlaufbericht zu Pavillion 15 präsentiert

Am 27. August 2015 bilanzierte Dr.in Hemma Mayrhofer vom IRKS (Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie) den bisherigen Verlauf der Forschung.

Hemma Mayrhofer
IRKS

Wie angekündigt wurde nun Ende August 2015 der Forschungsverlaufsbericht zum Projekt „Menschen mit Behinderung
 in der Wr. Psychiatrie von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre“ vorgelegt.

Konkret geht es im Forschungsprojekt um: „Zeithistorisch-sozialwissenschaftliche Fallstudien zu Pavillon 15 ‚Am Steinhof’/Otto- Wagner-Spital und Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel im Gesamtzusammenhang der Wr. Psychiatrie und Behindertenhilfe„.

Der Forschungsverlaufbericht umfasst 23 Seiten, gibt einen Überblick über die bisher durchgeführten Aktivitäten und ist online abrufbar.

Noch werden keine Forschungsergebnisse veröffentlicht

Es werden allerdings noch keine Forschungsergebnisse mit veröffentlicht, da der Forschungsprozess hierfür noch nicht weit genug fortgeschritten ist und die Ergebnisse angesichts der Sensibilität der Forschungsinhalte genügend empirisch fundiert sein müssen. Die gesamten Forschungsergebnisse werden in einem umfassenden Endbericht Mitte 2016 veröffentlicht„, ist im Forschungsverlaufbericht gleich anfangs festgehalten.

Sehr viel Akten gefunden

Auffallend ist aber, wie viele Akten (teilweise allerdings kaum sinnvoll verwertbar) gefunden wurden und dass die Zahl der betroffenen Menschen ein Mehrfaches der angenommen Personengruppe darstellt. Dies stellt natürlich auch eine Ressourcenfrage im Rahmen des Projektes dar, gibt Projektleiterin Mayrhofer im BIZEPS-Gespräch zu erkennen.

Sie verweist auf die Quantitäten, die im Forschungsverlaufbericht detailliert angegeben sind. Es wird in manchen Bereichen daher nur stichprobenförmige Auswertungen geben können. Dies sei aber forschungsmethodisch vertretbar, hält Mayrhofer fest.

Es wurden auch eine Reihe von Interviews geführt, allerdings werden noch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gesucht.

Zur möglichen NS-Vergangenheit von ÄrztInnen und PflegerInnen werden ergänzende Recherchen im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes durchgeführt.

In manchen der Forschungspunkte – beispielsweise Gesetzes- und Literaturrecherchen – sei man noch mitten in der Arbeit, erläutert sie und verweist auch darauf, dass manche Forschungsfragen wesentlich komplexer als angenommen waren. Auch die Fülle an vorhandenen Unterlagen sei enorm.

Das Projekt wird vom Krankenanstaltenverbund (KAV) finanziert und soll Mitte 2016 abgeschlossen sein.

Volksanwaltschaft begrüßt Forschungsverlauf

Volksanwalt Dr. Günther Kräuter begrüßt in einer ersten Reaktion den Forschungsverlauf. Der dargestellte Forschungsverlauf mache einen sehr positiven Eindruck, es dürfe eine fundierte und professionelle Projektstudie zu diesem besonders dunklen Kapitel der Psychiatriegeschichte in Österreich erwartet werden.

Noch gesucht: Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Im Forschungsverlaufbericht ist auch folgender Aufruf zu lesen:

Abschließend bitten wir Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die bereit sind, über ihre Erinnerungen an Pavillon 15 oder an die ehemalige Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder zu sprechen, um Kontaktaufnahme mit uns. Selbstverständlich werden die Interviews anonymisiert und vertraulich behandelt. Gerne bieten wir auch ein Vorgespräch für nähere Informationen zum Interview an. Sie erreichen uns unter 01/ 526 15 16-20 bzw. hemma.mayrhofer@irks.at.

Rückblick: Wie es zu dem Forschungsprojekt kam?

Groß war die Aufregung als der Falter im Jahr 2013 den Artikel „Die Schande von Pavillon 15“ veröffentlichte und damit auf nicht aufgearbeitete Missstände hinwies. Statt endlich die Sache wirklich aufzuarbeiten, setzte man auf Ablenkung. Die Stadt Wien zog es vor, sich lieber selbst mit einer Arbeitsgruppe zu prüfen.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) fand bei Selbstprüfung nur „damals übliche Betreuungsmethoden“. Doch der Text des Endberichts wird verheimlicht – jene, die ihn kennen, zeigten sich überrascht, wie mangelhaft und oberflächlich er war.

Schlussendlich setzte sich aber die Vernunft durch. Im Dezember 2014 wurde angekündigt, dass eine unabhängige Aufarbeitung erfolgen wird, gab die zuständige Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) bekannt.

Mit Anfang 2015 startete das Forschungsprojekt „Menschen mit Behinderung in der Wr. Psychiatrie von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre„, welches von Dr.in Hemma Mayrhofer geleitet wird.

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4 Kommentare

  • Angeblich soll die Studie in den nächsten Wochen heraus kommen, also etwa Mitte bis Ende März 2017.

  • Dem Vernehmen nach wurde die für Juni 2016 geplante Veröffentlichung des Schlussberichtes auf Herbst verschoben. Ach ja, schon noch 2016 und ich nehme an, nicht vor dem 2. Oktober.

  • @Markus Fritsch: Die Datei ist zwar nicht bei uns gespeichert. Ich kann die Datei komplett herunterladen, vielleicht probieren sie es später noch einmal.

  • Das zu downloadende pdf scheint kaputt zu sein. Mein Download bricht ab. lgm