Kanka: „Ich glaube ein recht wichtiger Durchbruch“

Heute hat der Schweizer Bundesrat einen Pilotversuch "Assistenzbudget" beschlossen. Die treibende Kraft der letzten Jahre war zweifellos Katharina Kanka, mit der wir folgendes Interview führten.

Katharina Kanka
FAssiS

Der Schweizer Bundesrat hat heute die Verordnung für den Pilotversuch Assistenzbudget verabschiedet. Nun werden 400 behinderte Menschen – in drei schweizer Kantonen – ab 1. Jänner 2006 Geld für Persönliche Assistenz direkt überwiesen bekommen und so in ihrer Selbstbestimmung gestärkt. Treibende Kraft für Persönliche Assistenz in der Schweiz war in den letzten Jahren zweifellos Katharina Kanka, Präsidentin der Fachstelle Assistenz Schweiz (FAssiS).

BIZEPS-INFO: Heute kam endlich die Entscheidung. Vorab: Herzlichen Glückwunsch! Sind Sie stolz?

Katharina Kanka (FAssiS): Ja, ein bisschen schon. Ich glaube, es ist ein recht wichtiger Durchbruch für uns, auch wenn wir Verluste hinnehmen mussten.

BIZEPS-INFO: Welche Verluste meinen Sie?

Kanka: Im Projekt werden nun nur 400 behindert Menschen Persönliche Assistenz erhalten. Wir hatten aber mit 1.000 Menschen geplant. Weiters gibt es Persönliche Assistenz leider nicht in der ganzen Schweiz.

BIZEPS-INFO: Wird das Geld für die Persönliche Assistenz bedarfsgerecht sein?

Kanka: Ich glaube schon, die Lösung ist fair. Es gibt ca. 20 Euro pro Stunde. Die behinderten Menschen werden im Projekt bedarfsgerecht Stunden erhalten.

BIZEPS-INFO: Wie lange habt ihr dafür gekämpft?

Kanka: Viele Jahre. Ganz, ganz intensiv seit 6 Jahren.

BIZEPS-INFO: Was erwartet Ihr für die Zukunft?

Kanka: Wir selber müssen einmal sehen, dass wir in einer einflussreichen Position im Projekt bleiben; z. B. dass die Geschäftsstelle bei FAssiS bleibt. Weiters werden wir versuchen, die Projektgröße auszuweiten. Wir zählen da wieder auf die Parlamentarier, dass wir das Projekt ausweiten können.

BIZEPS-INFO: Was war in letzter Zeit wichtig für den Erfolg?

Kanka: Es gab eine Umfrage unter 33.000 Bezieherinnen und Bezieher der so genannten „Hilfslosenentschädigung“. Der Rücklauf war sehr hoch und 6.000 wollten weitere Informationen zum Projekt, 2.100 hatten Interesse daran teilzunehmen; leider können dies jetzt nur 400 behinderte Menschen. Ich sag mir mal: „Ok, das ist ein Kompromiss, den wir schließen mussten, dass wir anfangen konnten.“

BIZEPS-INFO: Wann wird der nächste Schritt folgen?

Kanka: Wir werden am 16. Juni 2005 eine Feier abhalten und dabei aber klar ansprechen, dass nur 400 behinderte Menschen am Pilotversuch „Assistenzbudget“ teilnehmen können. Auch werden wir mit einem Plakat darauf hinweisen, dass Persönliche Assistenz primär nur in drei Kantonen finanziert wird.

BIZEPS-INFO: Wir danken für das Interview.

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0 Kommentare

  • Als Heimweh-Ausland-Schweizer gratuliere ich an Ka. Kanka. Es ist ein Anfang. Als „Rückkehrer“ aus Indonesien in die Schweiz hoffe ich, dass es dann kein Pilotversuch mehr ist. Zu Invalidenheim sage ich NEIN.

  • Ich gratuliere allen SchweizerInnen zu ihrem anfänglichen Erfolg, ganz besonders Kat Kanka! Feiere ein bisschen mit euch am Donnerstag! Weiß um die Wichtigkeit/Unentbehrlichkeit von PA, bin selbst auch erst seit kurzem „Auftraggeberin“. Alles Gute den ersten AssistentnehmerInnen der Schweiz!