Klischeefreie mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung

Nationalrat fasst eine Reihe an Entschließungen in Sachen Menschenrechte

Parlament
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In einem gemeinsamen Antrag machen die Regierungsfraktionen den Nationalen Aktionsplanung 2012-2020 zum Thema und fordern die Umsetzung der darin enthaltenen Maßnahmen. Die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung liegt dabei besonders im Fokus.

Laut Aktionsplan soll ihr Leben in all seinen Aspekten sachlich und ausgewogen dargestellt werden. Diskriminierende Begriffe wie „leidend“, „an den Rollstuhl gefesselt“ oder „taubstumm“ sollen vermieden werden. Weitere Maßnahmen im Aktionsplan sind unter anderem die schrittweise Erhöhung von barrierefrei zugänglichen ORF-Sendungen sowie Filmförderungen über und von Menschen mit Behinderung.

„Man liest und hört immer wieder von Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt sind. Ich bin es nicht und wenn, dann müsste man wohl die Polizei holen“, leitete ÖVP-Mandatar Franz-Joseph Huainigg witzig in die ernste Diskussion ein. Es gebe viele Vorurteile und Bilder, die sich manifestiert haben, genau deshalb sei es wichtig, Bewusstsein zu schaffen. Die Initiative des Bundeskanzleramts, auf ihrer Website Informationen für JournalistInnen zur barrierefreien Kommunikation anzubieten (https://www.bundeskanzleramt.at/eu/medien-und-barrierefreiheit), sei vorbildlich.

Wichtig sei ihm, dass auch der ORF mit seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag, bewusst Maßnahmen setzt. In Richtung Untertitelung sei bereits viel passiert, man müsse allerdings weiterkommen und dies beginne damit, dass ein/e BehindertenvertreterIn im ORF selbst eine Behinderung haben sollte, so Huainigg. Auch sollten JournalistInnen mit Behinderung im ORF arbeiten. Derzeit erfülle der ORF aber nicht einmal beim Aufnahmeverfahren die Barrierefreiheitskriterien, kritisierte der Behindertensprecher der ÖVP.

Bei „Licht ins Dunkel“ sei nach seiner Einschätzung ebenfalls ein Paradigmenwechsel umzusetzen. All dies ist laut Huannigg eine Frage der Menschenwürde, wie sie auch in der Verfassung verankert sein muss.

Helene Jarmer (G) erinnerte sich an ihre ersten Tage im Parlament, in denen man sich fragte, ob eine Gebärdendolmetschung überhaupt möglich sei. Für transparentes Arbeiten braucht es ganz klare Maßnahmen und gesetzliche Regelungen. Menschen mit Behinderungen sollten sichtbar sein, ORF-PublikumsrätInnen mit Behinderung wären wichtig und würden zu dieser Sichtbarkeit beitragen. Zudem verstoße eine Vertretung durch eine Person ohne Behinderung gegen die UN-Behindertenrechtskonvention, begründete Jarmer ihren Vorstoß.

Der von ihr dazu eingebrachte Entschließungsantrag, mit dem eine Präzisierung des ORF-Gesetzes einhergeht, wurde einstimmig angenommen. Bisher sind im ORF meist nur Menschen mit Behinderung sichtbar, die beispielsweise an Diskussionen über schwere Schicksalsschläge teilnehmen oder bei „Licht ins Dunkel“, wo ihnen eine Bühne gegeben wird, so Jarmer. Es gehe aber darum, Menschen mit Behinderungen zu zeigen, wie sie ihr Leben führen, nicht erst nachdem sie etwas Schwieriges erlebt haben.

Die Bundesregierung sollte vor allem im Bereich der Bewusstseinsbildung tätig werden, betonte auch Ulrike Königsberger-Ludwig (S). Mit Formulierungen wie „an den Rollstuhl gefesselt“ oder „tapfer das eigene Leben meistern“ reduziere man Menschen auf ihre Behinderung, sie würden leidend oder hilfsbedürftig dargestellt. Dies entspreche nicht ihren Lebenswelten, sei diskriminierend und verhindere letztendlich ihre Inklusion, unterstrich Königsberger-Ludwig. Man müsse den Blick auf Menschen mit Behinderung verändern. In Richtung der Initiative von Helene Jarmer (G) sprach sie sich ebenfalls positiv aus, habe doch auch Bundesminister Thomas Drozda im Menschenrechtsausschuss betont, er werde sich dafür einsetzen.

Friedrich Ofenauer (V) wies seinerseits darauf hin, dass viele Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans bereits umgesetzt wurden. Vor allem bei Medienschaffenden sei die Bewusstseinsbildung wichtig, eine ganzheitliche Darstellung, Weiterbildung und Sensibilisierung von JournalistInnen wesentlich.

Auch Petra Steger (F) sowie Rupert Doppler (o.F.) waren sich einig, dass dieser Vorstoß eine vernünftige Grundlage für die notwendige Sensibilisierung bildet, wenngleich eine Umsetzung lange auf sich warten ließ. Aus dem privaten Umfeld berichtete Doppler über die Notwendigkeit der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Auch sind ORF-Sendungen mit Menschen mit Behinderung nach seinem Dafürhalten zu fördern. Steger wies zudem darauf hin, dass eine medial sachliche und ausgewogene Berichterstattung im ORF nur begrüßt werden könne.

Die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderungen anhand der Sendung „Licht ins Dunkel“ kritisierte auch NEOS-Mandatar Gerald Loacker. Eine ungünstige Schieflage werde suggeriert, schon alleine bei der Betitelung der Aktion. Man werde als Mensch mit Behinderung als SpendenempfängerIn und nicht als gleichberechtigt dargestellt.

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Ein Kommentar

  • mich schlägt das schicksal täglich: kaum assistenz, unzureichende hilfsmittel, barrieren überall, medizinische versorgung hamma ned…