Folge 15: Now, it’’s your turn, Erwin!

Rollend, rasant und rabiat durch Wien und den Rest der Welt

Symbolbild: Ronja Rollerbraut

Die Reaktionen auf den Sager von Landeshauptmann Erwin Pröll („Barrierefreier Zugang … Wo sind wir denn? … diesen Unfug abstellen …“) sind nach nur einem Tag quantitativ gesehen gewaltig (Stand Montag 23.00 Uhr: über 10.000 Aufrufe des ersten BIZEPS-Artikels mit über 2.300 Likes) und inhaltlich gesehen fast ausschließlich negativ bzw. kritisch.

Die Wortwahl von Bloggern, BIZEPS-Lesern und -Leserinnen bis zu Politikerinnen anderer Parteien zeigt die Fassungslosigkeit, Empörung und Wut von behinderten wie nicht behinderten Menschen.

Denn die Äußerungen von Erwin Pröll waren keine versehentliche emotionale Entgleisung in der Hitze des Gefechts (der ORF-Pressestunde). Vielmehr überwiegt der Eindruck, dass seine Worte zu diesem Thema vorab geplant waren. Das zeigt auch sein Hinweis auf Unterlagen, die er dabei zur Hand genommen hat. Und es ist grundsätzlich auch kein Geheimnis, dass Behindertenrechte (Menschenrechte!) in Niederösterreich sehr klein geschrieben werden.

Österreich ist in vielem „anders“. Und Niederösterreich ist „besonders anders“. Und damit ist keine positive Eigenschaft gemeint, im Gegenteil. Zumindest mir ist der Gedanken gekommen, dass so eine unqualifizierte und im Grunde genommen menschenverachtende Äußerung bei einem Politiker solchen Formats (Landeshauptmann und möglicher ÖVP-Kandidat für die Bundespräsidentenwahl im nächsten Jahr) durchaus ein Rücktrittsgrund wäre.

Wollen wir einen – wie in sozialen Netzwerken bereits titulierten – „inklusionsUNwilligen“ Politiker in dieser Position und vielleicht sogar als Bundespräsidenten haben? Für die Dauer von vier Jahren und vielleicht länger? Mitnichten! Und sollen behinderte Menschen in Niederösterreich weiter Bittsteller und auf Gnade angewiesen sein? Ausgeschlossen vom selbstbestimmten Leben und Arbeitsmarkt, dafür aber weiterhin eingeschlossen in Behindertenheimen und Beschäftigungstherapie-Werkstätten? Mitnichten!

Was ich mir von Landeshauptmann Erwin Pröll zumindest erwarte, ist eine – nun schon fällige und umgehende – Stellungnahme zu seinen unhaltbaren Äußerungen und der berechtigten Kritik der großen Behindertenverbände, von BIZEPS, von Politikern und so vielen empörten Menschen. Wir wollen eine Klarstellung, Relativierung, Entschuldigung, ein Statement von einem Landeshauptmann, der noch dazu sehr wohl als möglicher Kandidat für die Bundespräsidentenwahl in Frage kommt.

Herr Landeshauptmann Erwin Pröll, wie stehen Sie zur Barrierefreiheit, Inklusion und der UN-Behindertenrechtskonvention? Haben Sie uns diesbezüglich gar nichts zu sagen?!

Ich erlaube mir, Sie deshalb aufzufordern: „Now, it’s your turn, Erwin!“

Wir hoffen, bald von Ihnen zu hören,

Ronja

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0 Kommentare

  • Herr Paul Ellmauer, Sie haben sicher recht, aber haben Sie sich schon einmal in Ihren eigenen Reihen ( Lebenshilfe) umgesehen, wie man dort mit den Klienten/Angehörigen so umgeht??
    Es könnte einem auch manchmal kalt über den Rücken laufen!!
    Zuerst vor der eigenen Tür sauber machen, dann auf Andere zeigen!!!!

  • Ich finde es absolut schlimm, dass ein Landeshauptmann solche Aussagen tätigt!!!
    Wozu gibt`s in Österreich einen Artikel 7 in der Bundesverfassung, ein Behindertengleichstellungspaket und eine ratifizierte UN-Konvention?

  • @ Ronja Rollerbraut: Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, daß die Amtsperiode des Bundespräsidenten 6 Jahre dauert mit der Möglichkeit zur einmaligen Wiederwahl (vgl. Art. 60 Abs. 5 B-VG idgF) und nicht 4 Jahre wie von Ihnen geschrieben.