Folge 4: „Urteilsandrohung: bis zu 30 Jahre!“

Rollend, rasant und rabiat durch Wien und den Rest der Welt

Symbolbild: Ronja Rollerbraut

NEIN, ich werde dieses Urteil nicht (!) ohne Widerspruch annehmen …

… dachte ich mir als erstes, als ich den aktuell vorliegenden Wiener Etappenplan zum „Abbau baulicher Barrieren“ (vgl. § 10 Wiener Antidiskriminierungsgesetz) gelesen habe.

Da wurden eine Liste von öffentlichen Gebäuden erstellt, drei Prioritätsstufen eingeführt und dann „Kreuzerl“ vergeben. Die Übergangsfristen erstrecken sich bis zu 30 Jahren.

Das heißt, wir sprechen hier vom Jahr 2042, bis zu dem laut Plan alle Vorhaben umgesetzt werden sollten. Da ist sogar mir als Ronja im ersten Moment die Kinnlade heruntergefallen. Die „Kreuzerl“ erinnern mich irgendwie ans „Schifferl-Versenken“, das einst beliebte Kinderspiel, um so manche Schulstunden abzukürzen. Aber hier handelt es sich wohl leider nicht um ein Spiel, vielmehr kommt es mir auf den zweiten Blick wie eine „Urteilsandrohung“ vor. Bis zu 30 Jahre!

Wien in 30 Jahren – quo vadis?

Liebe Männer und Frauen der Wiener Landesregierung, liebe Männer und Frauen in der Behindertenbewegung, machen wir uns bewusst, womit wir es hier zu tun haben, was in 30 Jahren alles passieren kann, in der Weltgeschichte und auch im kleinen Österreich. In Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt, … wird es in einem so langen Zeitraum grundsätzlich viel Veränderung geben. Wollen wir wirklich Vorhaben (und wir sprechen beim Abbau von Barrieren ja letztlich von Menschenrechten!) auf die lange Bank schieben?

Sollen Ziele bei der Umsetzung der Barrierefreiheit aufgeschrieben werden, einen Stempel „1.“ „2.“ und „3. Priorität“ erhalten und dann bis zu 30 Jahre lang in einer Schreibtischschublade verstauben? Ist es nicht umgekehrt wichtig, ein deutliches Signal an zukünftige Generationen zu senden? Österreich und Wien haben mit der UN-Konvention und dem Chancengleichheitsgesetz einen Prozess begonnen, soll dieser jetzt einfach gestoppt werden? Oder noch schlimmer: soll jetzt sogar noch zurück gerudert werden?

Weltmetropole Wien im reichem Österreich

In 30 Jahren bin ich als Ronja bereits 75 Jahre alt! Wahrscheinlich mit vielen langen, grauen Haaren und einem faltigen Gesicht. Die graue Ronja Rollerbraut. Nicht, dass ich auch noch im Alter mobil sein und alle öffentliche Gebäude berollen möchte, aber mich beschleicht so ein mulmiges Gefühl, dass die „Urteilsandrohung von bis zu 30 Jahren“ möglicherweise im Laufe der Zeit verschärft werden kann. Vielleicht wird aus „30 Jahren“ sogar „lebenslang“? 1.100 Gebäude sind betroffen. Das scheint auf den ersten Blick nicht wenig. Die Kosten werden auf rund 160 Millionen Euro geschätzt.

Das ist m.E. verglichen mit anderen Positionen für eine Weltstadt wie Wien in einem der reichsten Länder der Welt verhältnismäßig moderat. Doch was sind eigentlich die wahren Gründe für so eine lange Umsetzungsphase von 30 Jahren? Was hindert die Wiener Landesregierung daran, die Barrierefreiheit, von der letztendlich alle (!) profitieren, zügig umzusetzen?

Auf einer Ansichtskarte habe ich einmal den Spruch gelesen: „Wenn die Welt untergeht, dann fahr nach Wien. Da geschieht alles erst 20 Jahre später.“ Aber das kann ja nicht das offizielle Motto der Weltmetropole Wien sein!

Erinnerung: Konvention der UNO über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Behinderte Menschen müssen und wollen jedoch jetzt in öffentliche Gebäude, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Wir wollen Kinder mit Behinderung jetzt in Kindergärten schicken, Kinder mit Behinderung haben ein Recht, jetzt eine öffentliche Schule zu besuchen. Behinderte Menschen haben das Recht, jetzt in Amtshäuser, Bibliotheken, … zu kommen.

Unsere Orientierung ist eben das „Wiener Antidiskriminierungsgesetz“. Unsere Orientierung ist eben die von Österreich 2008 ratifizierte „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung“. Abbau von Barrieren und Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht.

Abbau von Barrieren – Vorbildwirkung

Und nun zurück zum „Wiener Etappenplan“. Menschen mit Behinderung wollen neben der Mobilität auch einen barrierefreien Zugang zu allen öffentlichen Gebäuden! Und das muss in einem akzeptablen Zeitraum umgesetzt werden. Das hat auch Vorbildwirkung für alle anderen Geschäfte, Lokale, Gebäude. Von Barrierefreiheit profitieren alle Bürgerinnen und Bürger egal, ob jung oder alt, egal, ob behindert oder nicht, egal, ob mobilitätseingeschränkt oder nicht.

Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht

Machen wir uns bewusst, was schon viele engagierte Männer und Frauen in der Behindertenbewegung gesagt haben: „Aus einer Wirtschaftskrise darf keine Menschenrechtskrise werden!“. Wir lehnen das drohende „Urteil“ von bis zu 30 Jahren ab!

Wir verweisen auf die gesetzlichen Grundlagen und fordern daher eine Überarbeitung des Wiener Etappenplans. Wir wollen einen BARRIERENFREIEN ZUGANG zu allen öffentlichen Gebäuden. Behinderte Menschen haben das Recht auf umfassende BARRIEREFREIHEIT.

Unterstützungserklärung – mach mit!

Ob ihr mir als Ronja kritisch oder positiv gegenüber steht, hier geht es um unsere Sache. Unterstützt mein Anliegen und gebt eure Zustimmung in Form eines Kommentars ab. Es soll die längste Kommentarliste in der Geschichte von BIZEPS werden.

BARRIEREFREIHEIT und MOBILITÄT für alle Wiener Bürgerinnen und Bürger. BARRIEREFREIHEIT JETZT!

Bis bald, eure Ronja.

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0 Kommentare

  • Ja, fördern wir BARRIEREFREIHEIT und MOBILITÄT für alle Wiener!
    Und Dann wird bei mir im 3. Bezirk ein Cefe, das vorher ebenerdig mir dem Rolli befahrbar war, so umgebaut, daß beim Eingang eine plötzlich unüberwindbare Stufe hingebaut wird. Tja, wenn das keiner kontrolliert bzw. der Betreiber ordentlich aufgeklärt wird sind Forderungen wie oben nicht mehr als heiße Luft. Man muß klein Anfangen! Wir haben nichts von einer Verordnung, von der u.a. lokalbetrewiber keine Ahnung haben. Es muß eine Person geben, am besten selbst Rollifahrer, die u.a. zu Lokalbesitzer hinfährt u. die berät u. aufklärt. Das wäre doch ein Job für Ronja, ich bin dafür nicht „rabiat“ genug. Da könnte sie mal zeigen, dass sie nicht nur groß ihren Mund aufreißen kann.

  • Ich verstehe die Aufregung nicht? Jede Partei – und die Grünen sind in dieser Frage keinen Deut anders!!! – sicherst zuerst einmal den eigenen Bestand – genauso wie jede soziale Organisation dies leider meist tut. Das ist nicht ethisch, aber Realität!!! Und behinderte Menschen haben kaum Einfluss. Dort wo das immer wieder sichtbar wird ist letztlich das Geld und Berücksichtigung in Budgets oder auch die Tatsache, dass bei dieser Gruppe beim Sparen meist begonnen wird. Im Profil stand in der letzten Ausgabe 2012, dass sich jene nicht zu fürchten brauchen, die eine starke Vertretung haben und für die Poltik als Gruppe und vor allem auch als Wählerpotential erkennbar sind. Wie wahr! Sie neue Pendlerpauschale!

  • Da ja Wien wegweisend für den Rest Österreichs ist, ist mir gerade bewusst geworden, dass ich eine uneingeschränkte Barrierefreiheit in Salzburg wohl leider und trotz guter Gene nicht mehr erleben werde – Salzburg ist ja jetzt schon um 15 Jahre hinten …
    Ich finde es eine Frechheit, dass ein Menschenrecht derart mit Füßen getreten wird! Und welches Scheuklappendenken die Regierung an den Tag legt! Wieviele Prestigeobjekte werden jährlich aus dem Boden gestampft? Wieviele Millionen werden da ganz selbstverständlich verbraten? Und Barrierefreiheit, die allen dient, hat keinen Wert nur einen Preis???? Armes Österreich! :/

  • Mit diesem Etappenplan hat sich die rotgrüne Stadtregierung endgültig entlarvt indem sie uns vor Augen führt, welchen Stellenwert Menschen mit Behinderung haben: Jämmerliche 5,3 Millionen Euro pro Jahr für den Abbau von Barrieren, die schon längst hätten beseitigt werden müssen, will sie dafür ausgeben.
    Das leistet sich eine Stadt die im Ranking der wohlhabendsten Regionen der EU unter den weit mehr als 200 Teilnehmern den 11. Platz belegt! Die 11. reichste EU-Region (Stadt) hat kein Geld zum Abbau von diskriminierenden Barrieren! Barrieren, die nicht nur Menschen mit Behinderung betreffen sondern genauso viele ältere Menschen, Eltern mit Kleinkindern und Kinderwägen, temporär behinderte Menschen, Kleinwüchsige usw.
    Weit mehr Geld hat die Stadt übrig wenn es um die Eigenwerbung geht: für die hat sie Jahr für Jahr 60 Millionen übrig. 60 Millionen für Eigenwerbung in der KRONE, in ÖSTERREICH, in HEUTE und in unzähligen anderen Publikationen, auf Plakaten, in den elektronischen Medien usw.

  • Aus der Sicht der Wiener Politik können die „lästigen“ MmB nicht nur verkrürmerln, verschimmerln, sondern für diesen Grieß sogar einen 30-jaehrigen Krieg fuehren….zwei Mühlsteine um den Hals zum Totmahlen jeden Anspruchs!

  • Wie gross ist der Stellenwert der Interessensvertretung der MmB aus der Sicht der Wiener Politik? Diskrepanz Idealbild vs Realität?

  • Ja Martin bin gespannt – was „Ronja Rollerbraut“ vergessen hat: Auch behinderte Mitbürger haben ein Recht, politisch mitzugestalten – und das ist in Wien fast unmöglich. Angefangen vom Wiener Landtag und Gemeinderat – das Rathaus ist im Etappenplan gar nicht enthalten – bis Parteizentralen in Bezirken und Amtshäuser…

  • Ich finde den vorgelegten Etappenplan für Wien zur Beseitigung der Barrieren wirklich sowas von eine Frechheit. Ich habe kürzlich gelesen wie viel Geld das Land Wien für Werbung pro Jahr ausgibt und dann verglichen, wie viel für Barrierenbeseitigung geplant ist. Dazu schreiben ich noch einen Kommentar, weil das ist absurd.