Sind wir in Österreich auf Flüchtlinge mit Behinderungen aus der Ukraine vorbereitet?

Am 16. März 2022 brachte der ORF in der Sendung „Aktuell nach eins“ einen umfangreichen Bericht zu "Hilfe für Menschen mit Behinderung in der Ukraine“ und ein Interview mit Markus Neuherz, dem Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich.

Flagge Ukraine
geralt / pixabay

Dramatische Situation für Menschen mit Behinderungen in der Ukraine: Menschen mit Behinderungen sind in ihrem Alltag auf Unterstützung angewiesen. Wie dramatisch sich der Wegfall dieser Unterstützung in einer Kriegssituation auswirkt, zeigt ein aktueller Bericht des ORF.

Wenn andere in den Bombenschutzbunker flüchten, müssen Menschen mit einer Gehbehinderung oft in ihren Wohnungen ausharren. Das ist nur eine der vielen schrecklichen Situationen, denen Menschen mit Behinderungen in der Ukraine derzeit ausgesetzt sind.

In einem ORF-Bericht sprechen Menschen mit Behinderungen über die Probleme, mit denen sie angesichts der Kriegssituation konfrontiert sind. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen, das macht es unmöglich, Medikamente zu kaufen oder an Hilfsmittel zu kommen.

„Wir hatten jetzt fünf Tage keinen Strom und keine Heizung“, sagt eine Frau im Rollstuhl, während sie auf ihre Wasservorräte zeigt. „Die Geschäfte sind alle zu, die Infrastruktur ist zerbombt und ich lebe in Angst.“

Auch aus dem Land zu flüchten, ist für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer derzeit kaum möglich. Es gäbe keine Organisationen, die Menschen mit Behinderungen von zu Hause abholt und in Sicherheit bringt, erzählt ein Mann. Zudem wären die öffentlichen Verkehrsmittel nicht barrierefrei zugänglich. Daher komme man nicht weg, wenn man kein eigenes Auto hat.

Nicht nur Menschen mit einer körperlichen Behinderung sind von dem Krieg in der Ukraine betroffen. Menschen mit Lernschwierigkeiten, die zumeist in Einrichtungen leben, sind damit konfrontiert, dass diese Einrichtungen geschlossen sind, somit müssen sie in die Familien zurück, die sich neben der Belastung des Krieges auch um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern müssen.

Eine Mutter mit einem behinderten Sohn erzählt: „Wir leben in Angst und unser Sohn spürt das sehr.“

Wir müssen uns vorbereiten!

Markus Neuherz
Harald Lachner

Markus Neuherz, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich weist im Gespräch mit dem ORF ebenfalls auf die besondere Situation von Menschen mit Lernschwierigkeiten hin. Die Menschen seien desorientiert und traumatisiert. Auch würden Ängste verhindern, rechtzeitig die Schutzräume aufsuchen zu können.

Österreich und andere europäische Länder müssen sich vorbereiten, Menschen mit Behinderungen aufzunehmen.

„In allen Hilfsbestrebungen müssen Menschen mit Behinderungen berücksichtigt werden, das betrifft Hilfsorganisationen und auch die öffentliche Hand, die die Gelder dafür gibt“, so Markus Neuherz.

Wir müssen uns umbedingt vorbereiten, um Menschen mit Behinderungen aufnehmen zu können!

Die ausreichende Betreuung sei derzeit auch in Österreich nicht gewährleistet, erklärt Neuherz.  Er betont, Menschen mit Behinderungen bräuchten Hilfsmittel, aber auch Betreuung und Assistenz. Es gäbe zwar jetzt schon einzelne Initiativen, die Wohnraum anbieten, doch derzeit sei die Betreuung noch nicht sichergestellt. In diesen Fragen bräuchte es eine bundesweite Koordination.

Information: Der Österreichische Behindertenrat sammelt Informationen und Hilfsangebote für Menschen mit Behinderungen in der Ukraine und Schutzsuchende in Österreich.

ORF-Sendung „Aktuell nach eins“ vom 16. März 2022

In einem eindringlichen Bericht von Čedomira Schlapper mit dem Titel „Hilfe für Menschen mit Behinderung in der Ukraine“ erzählen Menschen mit Behinderungen in der Ukraine, wie es ihnen aktuell geht und was sie erleben.

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4 Kommentare

  • Es ist unter jeder Kritik, dass wir abermals nicht vorbereitet darauf sind! Die gleiche Situation hatten wir schon 2015 mit den Menschen aus Syrien! Nichts daraus gelernt? Unabhängig von den Menschen mit Behinderungen, die in der Ukraine leben, gibt es viele Menschen, die durch den Krieg eine Behinderung bekommen! Wir können nicht mit Solidaritätsrufen punkten, wenn es keine bedingungslose Umsetzung gibt! Eine Schande ist das! Menschen aus Kriegsgebieten haben oft eine Behinderung! Es zählt zum Hausverstand sich das bewusst zu machen! Für Österreich scheinbar nicht …

  • Bitte nicht falsch verstehen!
    In Wien sind nicht einmal die Beeinträchtigten Menschen
    Von hier betreut! Man ist auf sich angewiesen! Keine Hilfe, keine Unterstützung!!!Weder in der Betreuung, Pflege oder medizinisch! Meist alleinerziehende/pflegende Mütter sind rund um die Uhr alleine mit Ihren Schützlingen!
    Ich hoffe das sich etwas ändert und wir ALLE die gerechte Unterstützung erhalten. Wir alle haben, mit der Pflege zu Hause, dem Staat schon sehr viel Geld erspart! Ich hoffe und bitte, holt die Menschen aus dem Wahnsinn des Krieges heraus! Es muss geholfen werden!
    DANKE!

  • Wieso bringt Bizeps Derartige politische, damit nichts sagenden, Artikel? Wäre es gerade nicht die Aufgaben von BIZEPS, konkrete Maßnahmen von der behinderten – Branche einzufordern? Ständig nur zu kommentieren, ohne wirkliche Aussage, bringt nichts. Neuherz sollte einmal beginnen, Mails, die er von Praktikern bekommt aus diesem Bereich, zu beantworten.

  • Was soll man dazu sagen, außer „es ist ein Wahnsinn, was da abgeht!“… UNGLAUBLICH – traurig!