50. Woche 2025 – Schmalster Gehsteig St. Pöltens?
Dieser Gehsteig in der Steinergasse in St. Pölten ist wohl nur für besonders schmale Menschen. In einem Rollstuhl, mit Kinderwagen …
Unfassbare Zustände für psychisch erkrankte Menschen in Indonesien
Bereits vor ein paar Jahren war im deutschen Fernsehen eine Dokumentation zu sehen, unter welchen Bedingungen Menschen mit psycho-sozialen Erkrankungen und Behinderungen in Indonesien leben müssen: nämlich angekettet, ohne fachgerechte medizinische Behandlung und meist völlig isoliert über viele Jahre hinweg.
In entlegenen Dörfern am Land in Verschlägen werden sie von den eigenen, oft hilflosen Angehörigen eigesperrt oder sie müssen in überfüllten Institutionen unter katastrophalen hygienischen und menschenunwürdigen Zuständen leben.
Ein 6 minütiges Youtube-Video von Human Rights Watch (Titel „Indonesia: End Shackling of People With Disabilities“) gibt einen Einblick, von welch unfassbaren Zuständen hier die Rede ist. So steht in der Filmbeschreibung: „People with psychosocial disabilities (mental health conditions) … often face physical und sexual violence, involuntary treatment including electroshock therapy, seclusion, restraint and forced contraception.“
In den Verschlägen haben die angeketteten Menschen kaum Bewegungsmöglichkeiten. Ihr ganzes Leben spielt sich rund um die Uhr auf einer winzigen Fläche ab: Schlafen, Essen, Verrichten der Notdurft, Liegen oder Sitzen. Dadurch haben die Betroffenen nicht nur zusätzliches ein schweres seelisches Trauma, sondern oft auch noch physische Schäden (z.B. Infektionen, Wundliegen).
Aus der Sichtung der vorliegenden Videos, Dokumentationen und Berichte wird klar, dass es bei sehr vielen betroffenen Menschen keine detaillierten Informationen über die tatsächliche Erkrankung, psycho-soziale oder sogenannte „geistige“ Behinderung gibt. Die Palette reicht von Depressionen, Psychosen, Schizophrenie über Behinderungen wie das Downsyndrom bis hin zu offensichtlich auch rein organischen Erkrankungen.
Einen ersten Einblick gibt auch der in deutscher Sprache vorliegender Bericht auf rollingplanet.net unter dem Titel: „Behinderte Menschen weggesperrt und gehalten wie Tiere“
Erfreulicherweise hat Human Rights Watch auch eine kurze Zusammenfassung in Leichter Sprache ins Netz gestellt. Angesichts der internationalen Arbeit der Menschenrechtsorganisation natürlich in Englisch.
„Pasung“ hat in Indonesien leider eine lange Tradition. Darunter versteht man das Anketten oder Wegsperren in (kleinen) Verschlägen. Von den etwa 57.000 Menschen mit psycho-sozialen Behinderungen hat jeder zumindest schon einmal im Leben unter solchen Bedingungen für eine bestimmte Zeit leben müssen. Einige bis zu 17 Jahre!
Und das, obwohl die Regierung von Indonesien „pasung“ bereits 1977 verboten hat. Doch diese Tradition wird von Familien oft auf den Rat hin von religiösen Heilern fortgesetzt. Der Glaube an böse Geister und Dämonen ist nach wie vor stark verbreitet.
Die Regierung schätzt, dass derzeit noch immer ca. 18.800 behinderte und kranke Menschen auf diese Art und Weise ausgestoßen und isoliert werden. Nachzulesen auf Englisch bzw. in deutscher Sprache.
Human Rights Watch hat auch einen ausführlichen 86seitigen Bericht unter dem Titel „Living in Hell. Abuses against People with Psychosocial Disabilities in Indonesia“ auf seiner Homepage veröffentlicht. Nachzulesen als HTML oder als PDF.

Human Rights Watch hat unter dem Motto „#BreakTheChains: End Shackling in Indonesia“ eine Kampagne ins Leben gerufen. Über die Möglichkeiten, diese Kampagne zu unterstützen, informiert Human Rights Watch. Indonesien, besonders Bali, ist eine beliebte Feriendestination.
Internationalen Druck auf die Regierung Indonesiens auszuüben und seine Solidarität mit den betroffenen Menschen zu zeigen, ist zumindest für jeden, der bei uns selbst betroffen und/oder in dem Bereich tätig ist, unabdingbar. Es werden konkrete Forderungen an die indonesische Regierung gestellt.
Leider nicht. So gab es in Bulgarien und Rumänien eklatante Missstände etwa in Kinder- und Behindertenheimen. Vor dem Beitritt in die EU wurden konkrete Forderungen gestellt, um die Lage zu verbessern. Im Jahr 2014 hat die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte in Rumänien noch immer Missstände und Menschenrechtsverletzungen festgestellt.
Auch der kürzlich bekannt gewordene Fall in Bayern „Behinderte Kinder im Bett fixiert und eingeschlossen“, wo sogenannte „geistig“ behinderte Kinder u.a. in „Kastenbetten“ gesperrt wurden, zeigt, dass es auch bei uns noch immer Missstände gibt.
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
Dieser Gehsteig in der Steinergasse in St. Pölten ist wohl nur für besonders schmale Menschen. In einem Rollstuhl, mit Kinderwagen …