Sportministerium: Gute Aussichten für den Behindertensport

Förder-Offensive im Spitzen- und Breitensport / Budgetsteigerung von 190% / Bewegungs- und Informationscoaches sollen mehr Menschen mit Behinderung in Bewegung bringen

Brigitte Jank (Präsidentin des Österreichischen Behindertensport-Verbandes) und Sportminister Werner Kogler
BMKÖS/Shervin Sardari

Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler präsentierte am 26. April 2022 mit ÖBSV-Präsidentin Brigitte Jank, Bewegungs- und Informationscoach Viola Lugmayr, Rollstuhl-Basketball-Nationalteamkapitän Matthias Wastian und AUVA-Generaldirektor-Stellvertreter Thomas Mück im Rahmen einer Pressekonferenz in der AUVA-Hauptstelle über den Dächern Wiens über neue Förderprojekte im Behindertensport. (Siehe Fotos)

Dabei präsentierte Kogler die auf vier Säulen fußende Förderoffensive seines Ministeriums. Insgesamt wurde das Budget für Projekt-, Struktur- und Athlet:innenförderung im Behindertensport gegenüber 2021 um 190 Prozent auf 2,64 Mio. Euro aufgestockt. Die Gesamtausschüttung inklusive aller gesetzlich festgeschriebenen Förderungen an die Institutionen des Behindertensports, für die Entsendung zu und die Organisation von Sport-Großereignissen beläuft sich auf rund 5,5 Mio. Euro.

Säule 1: Aufstockung der Mittel für Spitzensport in den Verbänden (+ 500.000 Euro)
Ziel dieser Förderung ist es, Rahmenbedingungen für den Behindertenspitzensport aufzubauen und zu professionalisieren. Umfasst sind folgende Förderbereiche: Personal für Sport- und Verbandsmanagement; Trainer:innen und deren Aus- und Fortbildung; Beschickung zu Wettkämpfen und Trainingskursen; Trainings- und Wettkampfumfeldbetreuung; Nachwuchsförderung; Infrastruktur.
Die Antragstellung läuft seit letzter Woche. Antragsberechtigt sind alle Fachverbände, der Österreichische Behinderten-Sportverband und Special Olympics Österreich.

Säule 2: Athletenspezifische Spitzensportförderung (+ 348.000 Euro)
Seit den Sommerspielen von Tokio gilt: 75.000 jährlich fix für alle Medaillengewinner. Hier wurde von Beginn an auf eine Gleichstellung der Paralymics-Athlet:innen wertgelegt. Die fünf Edelmetallträger von Tokio erhalten somit zusammen 375.000 Euro jährlich, zweckgebunden für Trainingsmaßnahmen; 231.000 Euro werden an weitere aussichtsreiche Paralympics-Athlet:innen ausgeschüttet. Was mehr als einer Verdopplung der Mittel entspricht (von 258.000 auf 606.000 Euro). Die fünf Medaillengewinner der Paralympics in Peking erhalten ihre Spezialförderung mit der Einstufung für 2023.

Säule 3: Fördercall Inklusion/Breitensport (+ 640.000 Euro)
2021 wurde ein Wettstreit der Ideen für die vier Schwerpunktbereiche Gendergerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Integration und Inklusion ausgerufen. Gesamtdotation: 2 Mio. Euro. Im Bereich Inklusion wurden neun Projekte mit einer Gesamtsumme von 640.000 Euro ausgewählt, die heuer zur Auszahlung gelangen.

Säule 4: Bewegungs- und Informationscoaches/Breitensport (+ 138.000 Euro)
Das Programm der Bewegungs- und Informationscoaches wird in den kommenden fünf Jahren auf das gesamte Bundesgebiet ausgerollt. In der Endausbaustufe sollen 20 Coaches mit 1440 monatlichen Arbeitsstunden noch mehr Menschen mit Behinderung für Bewegun und Sport sensibilisieren, begeistern und nachhaltig gewinnen. Insgesamt fließen bis 2026 1,37 Mio. Euro in das Projekt, der größte Teil entfällt auf Personalkosten.

Die Aufgaben der Coaches sind mannigfaltig:

  • Neue Zugänge zu Menschen mit Behinderung finden (Schulen, Selbsthilfegruppen etc.), alte Zugänge neu entdecken (Rehabilitationszentren)
  • Überzeugungsarbeit leisten, wie wertvoll regelmäßige körperliche Aktivität für Menschen mit Behinderung ist.
  • Beratung: Welche Sportart ist passend? Von wem wird sie wo angeboten?
  • Physische und emotionale Vorbereitung auf den Sportbetrieb im Verein
  • Zeitlich begrenzte, weiterführende Betreuung im Verein, um die Sportausübung nachhaltig abzusichern
  • Bindeglied zwischen neuem:r Vereinssportler:in und Vereinen des ÖBSV, der Dachund Fachverbände

Werner Kogler (Sportminister): „Mit den vier Förderschienen wollen wir einerseits die Strukturen für den Spitzensport stärken und professionalisieren und andererseits mehr Menschen mit Behinderung nachhaltig in Bewegung bringen. Die Bewegungs- und Informationscoaches sind der perfekte Hebel dafür, weil sie die Zielgruppe in ihrer jeweiligen Lebenssituation ansprechen, sie für den Sport begeistern, fachkundig über Sportarten und Vereinsangebote beraten und den Einstieg in das Vereinsleben vorbereiten und begleiten. Je mehr ich mich in das Projekt vertieft habe, desto mehr hat mich die Vision des Projektes begeistert. Und ich frage mich: Könnte dieses Konzept nicht auch für Kinder und Jugendliche ohne Behinderung maßgeschneidert sein?“

Brigitte Jank (ÖBSV-Präsidentin): „Der ÖBSV leistet mit diesem Projekt einen wichtigen Beitrag für die Inklusion in unserem Land. Um Menschen mit Behinderung vom großen Nutzen regelmäßiger Bewegung im Rahmen eines Sportvereines zu überzeugen, braucht es Expertinnen und Experten mit Empathie, sozialer und sportspezifischer Kompetenz, damit die Zielgruppe das Vertrauen findet, um diese körperliche und emotionale Herausforderung anzunehmen. Mit dem Pilotprojekt „Behindertensport bewegt“ haben unsere Coaches viel Erfahrung gesammelt, die uns jetzt zugutekommt. Ich freue über diese wichtige Initiative.“

Viola Lugmayr (Bewegungs- und Informationscoach): „Als Personal Coach leisten wir ständig Überzeugungsarbeit, wie wertvoll regelmäßige körperliche Aktivität für Menschen mit Behinderung ist. Sie erhöht die Mobilität, das Sicherheits- und Selbstwertgefühl, steigert die Lebensqualität, stiftet neue Freundschaften und erleichtert das Zusammenlaben von Menschen mit und ohne Behinderung. Wir wissen, wo wir unsere für den Sport gewonnenen Schützlinge bestmöglich unterbringen. Einmal im Verein angedockt, ist unser vorrangiges
Ziel, dass die Menschen dem Sport freudvoll und langfristig erhalten bleiben.“

Matthias Wastian (Kapitän Rollstuhl-Basketball-Nationalteam): „Als Sportler weiß ich, wie wichtig es ist, gerade zu Beginn einer Sportkarriere qualifizierte Unterstützung zu erhalten. Es gibt so viele offene Fragen. Durch Personal Coaching werden Hemmschwellen ab- und Vertrauen aufgebaut und ein beschwerlich anmutender Sporteinstieg bewältigbar. Die Installierung der Bewegungs- und Informations-Coaches im ÖBSV und die Förderung durch das Sportministerium sind Grundlage für einen langfristig erfolgreichen Behindertensport. Für Erfolge wie bei den Paralympics in Tokio 2020 braucht es auch innovative Investitionen – das BIC-Projekt ist mit Sicherheit eine solche mit bester Aussicht auf Erfolg.“

Thomas Mück (stv. Generaldirektor der AUVA): „Wir sehen in unseren Rehabilitationszentren die Fortschritte unserer Patientinnen und Patienten durch regelmäßiges Training mit Vertrauenspersonen. Mit professioneller Betreuung und Begleitung gewinnen sie wieder Körperkraft, Selbstwertgefühl und eine positive Lebenseinstellung. Die Bewegungs- und Informations-Coaches leisten hier einen enormen Beitrag. Die AUVA war von Beginn an in die Projektentwicklung eingebunden und ist über den Zeitraum der Förderung durch das Sportministerium hinaus am Fortbestand und an der Weiterentwicklung dieses essentiellen Projektes sehr interessiert.

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Ein Kommentar

  • Ich bin erstaunt, dass man offene Exklusion als „Inklusion“ verkauft, verbunden mit Paternalismus.
    Die Aussage, „Beratung: Welche Sportart ist passend? Von wem wird sie wo angeboten?“, ist ableistisch, da hier vermittelt wird, dass eine Dritte Person festlegt, welche Sportart für welche Person sinnvoll und erfüllend ist, gibt es das auch bei Personen ohne Behinderung? Ganz klar: NEIN! Diese „Beratungsangebote“ berücksichtigen natürlich auch nicht die Interessen der Sporttreibenden, denn „behindertenspezifische“ Angebote gehen von einer Generalisierung aus. Parasport bietet zudem auch nicht die Angebotsbreite, die anderen Personen geboten wird.
    Ich persönlich bin glücklicherweise nicht im Behindertensport, sondern tatsächlich inkludiert.